Parallelimporte
Die Preise sinken kaum

Detailhändlerin wirbt mit billigem Duschgel aus dem Ausland – doch das sind rare Aktionen Migros

Irina Kisseloff
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Das Einkaufsland Schweiz wird bald so günstig sein wie Deutschland. Dies suggeriert die Migros ihren Kunden in einem aktuellen Inserat. Sie müssten «zum Sparen nicht mehr über die Grenze», schreibt die Detailhändlerin, sondern könnten von den Parallelimporten der Migros profitieren. Dank eines solchen Parallelimports kostete das Duschgel Axe letzte Woche Fr. 2.95 statt Fr. 4.95.

Der Parallelimport funktioniert dabei so: Die Migros kann bei einem Lieferanten im Ausland eine bestimmte Menge Axe-Duschgel zu einem Preis einkaufen, der unter dem Einkaufspreis in der Schweiz liegt, und verkauft diesen Posten entsprechend günstiger an die Kunden. Normalerweise bezieht die Migros die Axe-Duschmittel über Unilever Schweiz, denn Axe gehört zum Unilever-Konzern.

Denner bekommt nötige Mengen

Parallelimporte von patentgeschützten Produkten (ausser Medikamenten) aus dem EU-Raum sind in der Schweiz seit rund einem Jahr erlaubt (siehe Box). Die Kunden profitieren aber bisher nur ganz am Rande von günstigeren Preisen dank Parallelimporten. Die Migros macht erst zum zweiten Mal eine einwöchige Axe-Aktion: «Dauerhafte Preissenkungen dank Parallelimporten sind derzeit nicht möglich», sagt Naef.

Und auch bei Coop sind es nur «punktuelle» Aktionen, wie Mediensprecher Nicolas Schmied sagt. Denn: «Wir benötigen für unsere 800 Supermärkte eine absolute Liefersicherheit.» Lieferzeiten und -mengen müssten planbar sein. Gleichzeitig richteten internationale Produzenten ihre Mengen auf die im jeweiligen Land benötigte Ware aus. Es entstehe also kaum irgendwo ein «Überschuss», der von Schweizer Händlern dauerhaft günstig eingekauft werden könnte.

Denner aber erreicht genau das: Mitte August beispielsweise hat der Discounter die Preise von acht Markenartikeln von Nivea bis Rexona dank der Möglichkeit von Parallelimporten gesenkt – nicht für eine Woche, sondern langfristig. Wieso Denner gelingt, woran Migros und Coop scheitern, vermag der Discounter auf Anfrage nicht zu erklären. Die benötigten Mengen sind natürlich kleiner als bei den beiden Detailhandelsriesen, doch auch Denner hat 752 Filialen.

Marketing ist in der Schweiz teurer

Bleibt die Frage, weshalb die Einkaufspreise von internationalen Produkten wie dem Axe-Duschgel in der Schweiz überhaupt höher liegen als im europäischen Ausland. «Der Markenaufbau beispielsweise ist in der Schweiz deutlich teurer», sagt Markus Abt, Mediensprecher von Unilever. Kaufkraftbereinigt sähe es anders aus: «Der Schweizer Verkaufspreis von Axe liegt unter Berücksichtigung der Kaufkraft auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland.» Und Coop-Sprecher Schmied ergänzt: «Wir werden nie deutsche Preise erreichen.» Zu unterschiedlich seien die Bedingungen zum Beispiel bezogen auf Mieten oder Nachtfahrverbot.

Dennoch: «Langfristig gesehen wird die Möglichkeit zu Parallelimporten etwas auslösen», ist Schmied überzeugt. Gerade die deutschen Discounter wie Aldi und Lidl werden diese Möglichkeit weiter gut zu nutzen wissen. Und durch den Preisdruck der Discounter geraten am Ende auch die Lieferanten unter Druck.

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