Expansion

Die Migros-Schoggi gibt es bald «made in USA»

Osterhasenproduktion bei Chocolat Frey in Buchs AG: Künftig wird Schokolade, die unter dem Brand «Chocolat Frey» verkauft wird, auch in den USA hergestellt. Chris Iseli

Osterhasenproduktion bei Chocolat Frey in Buchs AG: Künftig wird Schokolade, die unter dem Brand «Chocolat Frey» verkauft wird, auch in den USA hergestellt. Chris Iseli

Die Industriebetriebe der Migros verdienen mittlerweile jeden zehnten Franken ausserhalb der Schweiz. Eigene Marken werden mit Erfolg im Ausland produziert, etwa in Frankreich oder den USA. Der orange Riese schielt bereits nach China.

«Von uns. Von hier.» Mit diesem Slogan macht die Migros seit einem Jahr darauf aufmerksam, dass sie einen Grossteil ihrer Produkte in eigenen Betrieben in der Schweiz herstellt. Weil hierzulande aber kaum noch Wachstumspotenzial besteht, versucht die M-Industrie seit Jahren, die Umsätze im Ausland zu erhöhen. In der Vergangenheit glückte das nicht immer wie gewünscht. So erwies sich das Ziel, bis 2012 einen Auslandsumsatz von 700 Millionen Franken zu erreichen, als zu ehrgeizig.

2014 gelang der M-Industrie nun ein grosser Schritt in die gewünschte Richtung: Das internationale Geschäft legte um 113 Millionen auf 626 Millionen Franken zu (plus 22 Prozent). Der Gesamtumsatz – inklusive Schweiz-Geschäft – stieg um 4,4 Prozent auf 6016 Millionen Franken, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Damit verdienten die Industriebetriebe der Migros im letzten Jahr mehr als jeden zehnten Franken (10,4 Prozent) im Ausland.

Hauptverantwortlich für diesen Umsatzsprung im internationalen Geschäft war die Übernahme des amerikanischen Schokoladen- und Kaugummiherstellers Sweetworks. Die Übernahme des US-Unternehmens mit seinen 450 Mitarbeitern ist für rund die Hälfte des internationalen Umsatzwachstums verantwortlich.

Chocolat Frey «made in USA»

Die andere Hälfte ist dem Exportwachstum der M-Industrie-Betriebe in der Schweiz geschuldet. Vor allem die Nespresso-kompatible Kaffeekapselmarke «Café Royal», die in Birsfelden (BL) produziert wird, hat sich gemäss M-Industrie-Chef Walter Huber hervorragend entwickelt: «Nach der Schweiz und Österreich haben wir Café Royal nun auch in Frankreich etabliert.»

Was genau unter «etabliert» zu verstehen ist, behält Huber für sich. Marktanteile will er keine nennen. Auf jeden Fall ist M-Industrie mit der Entwicklung von «Café Royal» in Frankreich aber so zufrieden, dass man nun auch Spanien und Deutschland verstärkt ins Visier nehmen will. Auch eine Kaffeekapselfabrik im Ausland schliesst Huber nicht aus: «Wenn das Wachstum so weitergeht, können wir uns das durchaus vorstellen.»

Betreffend Produktion von eigenen Marken im Ausland ist die M-Industrie im Schokoladenbereich schon einen Schritt weiter. Denn an den hinzugekauften Produktionsstandorten von Sweetworks in den USA sollen nicht nur die bestehenden Sweetworks-Produkte hergestellt werden. In den US-Fabriken wird künftig auch Schokolade produziert, die unter dem Brand «Chocolat Frey» in den Verkauf geht. «Die Schokoladenmasse transportieren wir in die USA, dort wird sie dann veredelt und verkauft», sagt Huber.

M-Industrie geht damit in die gleiche Richtung wie international aufgestellte Schweizer Lebensmittelkonzerne wie Nestlé oder Lindt & Sprüngli. Auch diese produzieren viele Produkte an ausländischen Standorten. Ein Teil davon (zum Beispiel der Goldhase von Lindt) wird dann aber wieder in die Schweiz importiert und landet in Schweizer Supermärkten. Droht das auch bei der Migros? Sind die Chocolat-Frey-Tafeln in den Migros-Filialen bald «made in USA»? «Nein, das ist für uns kein Thema», sagt Huber. Das würde im Widerspruch stehen zum Migros-Slogan: «Von uns. Von hier.»

Was nützt es der Schweiz?

Die M-Industrie hat nicht nur den europäischen und nordamerikanischen Markt im Visier. Auch im asiatischen Raum will der orange Riese seine Präsenz ausbauen: «In China prüfen wir zusätzliche Vor-Ort-Strukturen. In diesem riesigen Markt sehen wir sowohl für Schokolade, Kaffee als auch Kosmetikartikel Wachstumspotenzial.»

Bleibt die Frage: Was bringen die Auslandbemühungen der M-Industrie dem Werkplatz Schweiz, dem sich die Migros verpflichtet fühlt? Bei den Produkten, die hierzulande hergestellt werden und ins Ausland exportiert werden, ist der Nutzen klar: Das schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Schweiz.

Doch was ist mit den Auslandstandorten? Huber: «Die M-Industrie muss international konkurrenzfähig sein, um langfristig ein wichtiger Bestandteil der Migros-Gruppe zu bleiben.» Dabei seien die Standorte im Ausland sehr wichtig: «Wenn wir in den USA präsent sind, müssen wir uns gegen US-Firmen durchsetzen. Das fördert die Innovations- und Wettbewerbskraft – und hilft auch wieder den Industriestandorten der Migros in der Schweiz.»

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