Dass Konsumenten den Einkaufswagen beiläufig mitgehen lassen, statt ihn zum Wägeli-Depot zurückzubringen, geschieht öfter, als man denkt: Bei der Migros etwa «verschwinden» bis zu 2500 Stück pro Jahr. Das sind rund 1,6 Prozent der insgesamt 150 000 Migros-Wägeli schweizweit.

Zum finanziellen Schaden will sich das Detailhandelsunternehmen nicht äussern. Rechnet man jedoch mit einem Neupreis von 160 Franken pro Einkaufswagen, so würde die Migros jährlich um rund 400 000 Franken gebracht.

Räder blockieren automatisch

Wägeli-Diebe suchen auch andere Grossverteiler wie Coop und Aldi heim. Der deutsche Discounter greift deshalb auf ein System zurück, das vereinzelt und im Bedarfsfall in Schweizer Filialen zum Einsatz kommt: Will ein Konsument mit einem Einkaufswagen verschwinden, werden dessen Räder beim Übertreten einer Schranke im Ausgangsbereich automatisch blockiert. In Deutschland, wo Schätzungen zufolge jährlich rund 100 000 Wägeli gestohlen werden, ist die Zahl in Aldi-Filialen mit hoher Diebstahlquote auf wenige Exemplare gesunken.

Hierzulande sei die Wegfahrsperre vornehmlich bei Filialen in städtischer Lage sowie in Shoppingcentern im Einsatz, sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli. Insbesondere dort, wo Beschwerden bezüglich Einkaufswagen, die im Quartier oder Hauseingängen abgestellt wurden, eingegangen seien.

Migros tut es Aldi gleich

Eine Wegfahrsperre testet zurzeit auch die Migros: Seit sechs Wochen läuft in der Filiale am Albisriederplatz in Zürich ein Pilotprojekt. Die angebrachten Magnetschranken im Boden beim Ausgang sollen verhindern, dass Konsumenten die Einkaufswagen ausserhalb des Ladens nutzen und entwenden. Hat sich der Testversuch bereits bewährt? Noch sei es zu früh, um ein aussagekräftiges Fazit ziehen zu können, so Mediensprecher Francesco Laratta. Auch könne man noch nicht sagen, ob dieses System zukünftig in allen Migros-Filialen eingesetzt werde. «Zunächst wird die Effektivität des Pilotprojekts beurteilt.»

Laut «Blick» würde die Wegfahrsperre jedoch ehrliche Kunden ärgern: Weil die Einrichtung an den Wägeli sehr anfällig sein soll, könne es vorkommen, dass die Räder während des Einkaufens plötzlich blockiert würden, schrieb die Tageszeitung nach der Lancierung des Pilotprojekts. Francesco Laratta erwidert: «Ein solcher Fall ist uns nicht bekannt.» Technisch sei es völlig ausgeschlossen, dass ein Einkaufswagen mitten im Laden stehen bleibe. «Die Magnetfelder wirken einzig dort, wo die Schranken angebracht sind, nämlich beim Ausgang.»

Und was tut Coop, um sich gegen die Wägeli-Diebe zu wappnen? Beim Detailhandelsunternehmen kommt kein solches System zum Zug. Es setzt vielmehr auf das Vertrauen der Kunden: Die Pfandschlösser an den Griffen sollen sie dazu ermuntern, die Einkaufswagen nach dem Einkauf wieder zum Wägeli-Depot zurückzubringen, teilt Coop mit. Auch bei Migros, Aldi und Lidl sind solche Pfandschlösser im Einsatz.

Auch Körbchen sind begehrt

Warum Konsumenten Einkaufswagen entwenden, darüber können die Grossverteiler nur spekulieren. Vetterli sieht in den spontanen, «schwereren» Einkäufen einen möglichen Grund: Es könne sein, so der Aldi-Sprecher, dass Kunden die Wägeli für den Transport nach Hause benötigen und diese anschliessend aus Zeitgründen nicht mehr in die Filialen zurückbringen.

Nicht nur Einkaufswagen kommen abhanden, sondern auch Einkaufskörbchen. Wie viele es jährlich sind, wird bei den Unternehmen nicht ausgewertet. Jedoch haben sich Aldi und Lidl Schweiz gegen den Diebstahl gewappnet: Die Körbchen der beiden Discounter sind gesichert. Diejenigen von Coop und Migros nicht.