Im vergangenen Jahr feierte AZ Medien 20 Jahre «Aargauer Zeitung», den Zusammenschluss des «Badener» und des «Aargauer Tagblatts». Damit legte Verleger Peter Wanner das Fundament für den Aufbau eines Zeitungsverbundes, der nach Übernahmen bis nach Basel (2007) und nach Solothurn (2009) reicht. Eine Diversifizierung in eine Sonntagszeitung (2007), die seit diesem Jahr als «Schweiz am Wochenende» erscheint, in Radio- und Fernsehstationen sowie in das Onlineportal «Watson» sollte die Unabhängigkeit der Firma absichern, die mehrheitlich in Familienhand ist.

Am Mittwoch haben Peter Wanner und Etienne Jornod, Verwaltungspräsident der NZZ-Mediengruppe, nun ein Joint Venture angekündigt: Die AZ Medien werden mit den NZZ-Regionalmedien in der Ost- und Zentralschweiz fusionieren. «Es kommt damit zusammen, was zusammengehört», sagte historisierend Pascal Hollenstein, designierter publizistischer Leiter des neuen Unternehmens. Doch während Wanner sein Lebenswerk einbringt, beendet die NZZ-Gruppe ihr Engagement im Regionalmediengeschäft, das sie stets mehr als Pflicht denn als Strategie empfand.

Joint Venture von AZ und NZZ - die Protagonisten:

Am Ursprung ihrer ersten Beteiligung beim «St. Galler Tagblatt» stand eine Nötigung. Freisinnige St. Galler fürchteten, Einfluss auf ihr Blatt zu verlieren, und wandten sich hilfesuchend an die freisinnige Bastion «NZZ». Die finanzstarke Zeitung lehnte mehrfach ab, bis sie widerwillig – «um den Fortbestand des ‹St. Galler Tagblatts› als Zeitung mit liberal-bürgerlicher Grundhaltung sicherzustellen» – eine Finanzbeteiligung einging (1991). Weitgehend unabhängig vom Zürcher Mutterhaus weitete das «Tagblatt» sein Einflussgebiet aus, übernahm den Konkurrenten «Ostschweiz» (1998) und expandierte in elektronische Medien.

Die Rolle von Ringier

Dass auch der Medienverbund der «Luzerner Zeitung» zu den NZZ-Regionalmedien gehört, hat eine Vorgeschichte in Bern und hat vor allem mit einer speziellen Verbindung zum Ringier-Konzern zu tun. Ringier, der Zeitschriften- und Boulevardverlag aus Zofingen, hatte mit dem Kauf einer Druckerei in Adligenswil (1973) auch die «Luzerner Neueste Nachrichten» (LNN) erworben. Als sich die Gelegenheit bot, in Bern den Prestigetitel «Bund» zu erwerben, griff Ringier zu (1992). Rasch musste der Medienkonzern jedoch erkennen, dieses Geschäft nicht zu beherrschen. In Bern wie Luzern zog Ringier die «NZZ» an Bord – und verabschiedete sich selbst aus dem Regionalzeitungsgeschäft (1998). In Bern scheiterte auch die «NZZ» und reichte den «Bund» in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an Tamedia weiter (2007). In Luzern war die LNN mit der «Luzerner Zeitung» zusammengegangen (1996). Ausgehend vom Ringier-Paket übernahm die «NZZ» schrittweise das Unternehmen, das sich in der Zentralschweiz so durchsetzte wie das «St. Galler Tagblatt» in der Ostschweiz und die AZ Medien in der Nordwestschweiz.

Peter Wanner: «Versuche, die DNA eines Familienunternehmens einzubringen»

Peter Wanner: «Versuche, die DNA eines Familienunternehmens einzubringen»

  

Die Furcht vor den Dominanzansprüchen der Tamedia, die sich im Raum Bern (2007) wie in der Romandie (2009) die vorherrschenden Medienunternehmen einverleibt hatte, verleitete die NZZ-Mediengruppe dazu, sich auch bei den «Zürcher Landzeitungen» zu engagieren. Doch diese Auseinandersetzung ging zugunsten der mit grossem Einsatz agierenden Tamedia aus. Im Zürcher Zeitungshandel (2010) gingen die Landzeitungen an die Tamedia, dafür wurde die «Thurgauer Zeitung» in den Verbund des «St. Galler Tagblatts» überführt.

Die Landschaft der Regionalmedien schien konsolidiert, der Konzentrationsprozess abgeschlossen. Mit Ausnahme von Basel, wo sich Christoph Blocher die «Basler Zeitung» gesichert hatte, war das Land in grossräumige Verbundsysteme aufgeteilt. Doch die Erosion des Geschäfts mit den Bezahlzeitungen, der weiterhin wichtigsten Einnahmequelle, hält nicht nur an – sie verschärft sich vielmehr. So wird nun mit der Zusammenlegung von AZ Medien und den NZZ-Regionalmedien realisiert, was noch vor Jahresfrist undenkbar schien.

Neue Formen gesucht

Die Flucht in die Grösse ist ausgereizt. Neue Möglichkeiten, Kosten zu sparen, treten in den Vordergrund. Die Bildung von Zentralredaktionen wie bei Tamedia ist eine Form davon, die Einstellung einzelner Ausgaben wird eine weitere sein. Die Öffentlichkeit scheint sich abgefunden zu haben: Je weiter der Prozess voranschreitet, desto weniger Aufsehen erregt er. Selbst bei so gewichtige Fusionen wie zwischen AZ Medien und NZZ-Regionalmedien.