Lolipop

Die Lollipop-Queen aus Zizers

Alexandra Bisaz: «Ich esse jeden Tag einige Süsswaren.»

Alexandra Bisaz ist die Lolipop-Gründerin Wirtschaft

Alexandra Bisaz: «Ich esse jeden Tag einige Süsswaren.»

Saure Zungen sind ein Dauerbrenner, m&m’s mit Erdnussbutter exotische Ergänzungen im Lolipop-Sortiment. Alexandra Bisaz' Ladenkette expandiert in schnellem Tempo. Jetzt landet sie in Aarau.

Irina Kisseloff

Alexandra Bisaz hätte gerne 20 Leben. «Die brauchte ich, um alle meine Ideen zu verwirklichen», sagt die energiegeladene 39-Jährige, die sich selbst als «schräg» bezeichnet.

Eine ihrer Ideen beschäftigt sie seit 11 Jahren, mit grossem Erfolg: der Verkauf von knapp 1000 verschiedenen Süsswaren in den grellbunten Lolipop-Läden – die Marke schreibt sich aus ästhetischen Gründen mit einem «l».

Inzwischen hat Bisaz 140 Mitarbeiter, doch noch immer packt sie überall mit an, entwirft die Regale selbst und tätigt den ganzen Einkauf. Soeben ist im neuen Bahnhof in Aarau der 36. Lolipop-Laden ihres Unternehmens, der Lolox AG, eröffnet worden.

Begonnen hat alles im Jahr 1998. Die gelernte Confiseurin plant mit einer Freundin, einen Glaceshop auf den Kanarischen Inseln zu eröffnen: «Weil es dort so heiss ist.» Im hinteren Teil wollen sie Fruchtgummis verkaufen – um den Laden zu füllen und weil Schleckzeug seit je eine Leidenschaft von Bisaz ist. «Ich bin früher mit jedem Fränkli Taschengeld von meinen Eltern zum Kiosk gerannt.»

Bescheidenheit und Leidenschaft

Aus familiären Gründen müssen sie das Projekt abbrechen. Versuch zwei mit einem Geschäft in Davos misslingt. In dem Skiort hat tagsüber niemand Lust auf Gummibärchen-Shopping. Doch die Idee lässt die beiden Frauen nicht mehr los. Im Zürcher Niederdorf wagen sie es erneut.

Die Passanten kommen und kaufen. Dann geht es Schlag auf Schlag. Inzwischen hat jede grössere Schweizer Stadt einen Lolipop-Laden, zudem gibt es Filialen in Nürnberg, Stuttgart und Freiburg (D). München und Berlin könnten folgen: «Diese Woche schaue ich mir in diesen Städten Ladenlokale an.»

Welches sind für sie die wichtigsten Eigenschaften einer Unternehmerin? Bisaz, die die Lolox AG seit 2009 allein leitet, zögert keine Sekunde: «Bescheidenheit, Leidenschaft und keine Angst vor Niederlagen.»

Bisaz ist nach wie vor mit dem Velo unterwegs. Das Verdiente steckt sie grösstenteils in die Firma, zahlt sich selbst einen tiefen Lohn aus und lebt, wie sie sagt, ein «normales» Leben. Ihre Passion für ihre Aufgabe ist riesig und im Gespräch mit ihr förmlich greifbar. Sie liebt es, Dinge umzusetzen: «Als Angestellte bin ich mit meinen vielen Ideen angeeckt und war unglücklich.»

Tiki-Sticks und Cola-Fröschli

Nun lässt sie ihrer Kreativität freien Lauf. Seit letztem Jahr gibt es bei Lolipop Schweizer Kreuze aus Fruchtgummi, die in Frankreich hergestellt werden. Aktuell entwickelt sie mit einem Australier, der in Südchina produziert, Tic-Tac-ähnliche Bonbons mit Zimtgeschmack.

Die Firma Ferrero hat diese Geschmacksrichtung aus dem Tic-Tac-Sortiment genommen, deshalb will Bisaz ein Nachfolgeprodukt anbieten. Die Spezialitäten sind es auch, die eine Stammkundschaft anziehen. m&m’s mit Erdnussbutter, Coca-Cola-Zero mit Kirschgeschmack oder eben Zimt-Zeltli: «Wir haben viele Kunden, die regelmässig ihr Lieblingsprodukt bei uns kaufen und es oft auch nur bei uns finden.»

Rund 200 Tonnen Süsswaren verkauft Lolox jährlich. 100 davon werden in der Schweiz produziert – beispielsweise die Tiki-Brausesticks oder die Cola-Fröschli. Diese Produkte wecken Kindheitserinnerungen. Aus Bisaz’ Sicht eines der Erfolgsrezepte von Lolipop: «Bei uns kann man kurze Zeit ausbrechen aus der Welt der gesunden Ernährung und eintauchen in die eigene Vergangenheit.» Saure Zungen sind denn auch seit Jahren ein Dauerbrenner.

Auch Bisaz ist ihrer Leidenschaft aus Kindertagen nicht nur beruflich treu: «Ich esse jeden Tag einige Süsswaren.» Darüber hinaus holt sie sich die für ihren Job nötige Energie bei Yoga und Meditation. «Das mache ich zunächst anderthalb Stunden lang, wenn ich am Abend nach Hause komme.»

Und dann gehts meist wieder ab in den Ausgang. Beim Tanzen in einem Club muss sie ab und zu den Stift zücken und sich einen Kundenwunsch notieren, der ihr ins Ohr geflüstert wird. Eine weitere Leidenschaft ist das Lesen. «Am meisten interessieren mich philosophische und religiöse Themen sowie die Quantenphysik.»

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