Ex-Nationalbank-Präsident

Die Krönung einer Karriere: Der Bundesrat schickt Philipp Hildebrand als OECD-Direktor ins Rennen

Muss sich gegen sieben andere Kandidaten durchsetzen: Ex-Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand kandidiert als Generalsekretär der  Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Muss sich gegen sieben andere Kandidaten durchsetzen: Ex-Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand kandidiert als Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Der frühere Nationalbank-Chef stolperte vor Jahren über Vorwürfe des Insiderhandels. Jetzt soll er die Schweiz in der Welt vertreten.

Während das ganze Land auf die Entscheide zur Coronakrise wartete, überraschte der Bundesrat mit einer pikanten Personalie. Ex-Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand soll Generalsekretär der OECD werden, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden.

«Die Schweiz hat mit Hildebrand die Chance, eine Schlüsselstelle in einer Organisation zu besetzen, die eine zentrale Rolle in der Weltwirtschaft innehat», sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin vor den Medien. Die Schweiz sei mit der OECD seit ihrer Gründung verbunden. Das Land verteidige dieselben Werte: eine offene und transparente Wirtschaft.

Derzeit sind acht Personen für den Posten des OECD-Generalsekretärs nominiert. Sowohl die USA als auch die EU bewerben sich um das Amt. Dennoch erachtet Parmelin die Wahlchancen Hildebrands als hoch ein. Immerhin gehöre die Schweiz zu jenen Ländern, welche die Gründung der Organisation 1961 vorangetrieben hätten. Hildebrands Karriere könnte mit der Wahl nochmals eine dramatische Wende nehmen.

Jüngstes Mitglied des Nationalbank-Direktoriums

Nach dem Abschluss in Politikwissenschaften in Toronto und weiteren Studien begann Hildebrand als Mitarbeiter beim World Economic Forum (WEF). In der Rolle des Kofferträgers übernimmt er im Auftrag des Gründers Klaus Schwab verschiedene Jobs, wie die «Handelszeitung» schrieb. Die am WEF gewonnen Kontakte nutzt er, um bei einem US-Hedgefonds anzuheuern.

Nach einem Job bei der Bank Vontobel und einer Genfer Privatbank wechselt der zweifache Schweizer Schwimm-Meister im Jahr 2003 zur Nationalbank und stieg gleich ganz oben ein. Mit 39 Jahren wird er vom Bundesrat zum jüngsten Mitglied des Direktoriums ernannt. Sieben Jahre später erfolgt der Ritterschlag: Hildebrand wird Präsident der Nationalbank.

Neben seinem fachlichen Können punktet er auch mit seinem Charme, seiner Stilsicherheit und seiner «gediegenen Eleganz», wie «Swissinfo» in einem Porträt schreibt. Sein Charisma, das ihn von anderen eher trockenen Notenbankern unterscheidet, trägt ihm viel Wohlwollen ein. Ende 2011 schreibt der «Tages-Anzeiger» über ihn: «Tatsächlich ist der oberste Schweizer Währungshüter so etwas wie ein Rockstar.»

Ein Jahr später folgt der tiefe Fall. Hildebrand stolpert über Devisenkäufe seiner damaligen Frau Kashya. Der Vorwurf: Sie habe dank des Insiderwissens ihres Mannes gewinnbringend Dollarkäufe getätigt – und dies erst noch über sein Konto. Anlässlich seines Rücktritts Anfang 2012 sagt Hildebrand, er könne keinen abschliessenden Beweis liefern, dass seine Frau ohne sein Wissen die besagten Devisenkäufe veranlasst habe.

Nach dem SNB-Rücktritt ging es schnell voran

Seinem Rücktritt gehen seitenweise Berichte über mögliches Fehlverhalten voraus. Der Druck wird zu gross. Er beteuert jedoch: «Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich nie gelogen habe in dieser Geschichte». Die Entscheidung erfülle ihn mit Traurigkeit. Er wolle mit dem Schritt aber dafür sorgen, dass die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit aufrechterhalten könne.

Philipp Hildebrand zusammen mit seiner Frau Margarita Louis Dreyfus an einem Fussballspiel zwischen Paris Saint Germain and Marseille im Jahr 2014. Louis Dreyfus war bis 2016 die Besitzerin des Clubs Olympique Marseille.

Philipp Hildebrand zusammen mit seiner Frau Margarita Louis Dreyfus an einem Fussballspiel zwischen Paris Saint Germain and Marseille im Jahr 2014. Louis Dreyfus war bis 2016 die Besitzerin des Clubs Olympique Marseille.

Doch Hildebrand muss nicht lange darben. Noch im gleichen Jahr wechselt er in die Geschäftsleitung des weltweit grössten Vermögensverwalter Blackrock. Er macht auch mit seinem Privatleben Schlagzeilen. Nach der Trennung von ­seiner Frau Kashya heiratet er Margarita Louis-Dreyfus, Präsidentin des gleichnamigen Rohstoffkonzerns. Im Alter von 53 Jahren bekam die gebürtige Russin Zwillinge.

Jüngst wird Hildebrand als Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse in Spiel gebracht. Der amtierende Urs Rohner sucht einen Nachfolger.

Bestens vernetzt: Philipp Hildebrand trifft 2011 am World Economic Forum die Französin Christine Lagarde. Sie ist heute Präsidentin der Europäischen Zentralbank.

Bestens vernetzt: Philipp Hildebrand trifft 2011 am World Economic Forum die Französin Christine Lagarde. Sie ist heute Präsidentin der Europäischen Zentralbank.

Nun soll es bei der OECD klappen. Wie gross seine Chancen sind, ist angesichts des grossen Kandidatenfelds unklar. Sicher ist jedoch, dass Hildebrand international bestens vernetzt ist. Eine relativ enge Bande besteht mit Christine Lagarde, der Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Als diese Zeitung Hildebrand am WEF interviewte, lief die Französin vorbei. «Sorry, das Interview ist nun vorbei», sagt die 64-jährige. Hildebrand unterbrach dann das Interview um sich mit Lagarde zu unterhalten, damals noch Direktorin des Internationalen Währungsfonds.

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