Zehnernote
Die Kleinen mag man einfach

Die Geschichte des neuen 10er-Scheins geht auf eine Zeit zurück, als der Fünfliber noch eine Silbermünze war.

Daniel Zulauf
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Die neue 10er-Note.
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Bei einer Medienkonferenz hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die neue 10er-Note präsentiert.
Am 18. Oktober 2017 startete die SNB mit der Ausgabe der neuen Banknote.
Mit der 10er-Note geht – nach der 50er- und 20er-Note – bereits die dritte Banknote der neuen Serie in Umlauf.
Die neue 10-Franken-Note zeigt die organisierende Seite der Schweiz, das Hauptelement ist die Zeit.
Prägende Motive der neuen Banknoten sind die Hand und der Globus, die auf jeder Note der neuen Serie zu finden sind.

Die neue 10er-Note.

ANTHONY ANEX

Die einen finden sie chic, die anderen hässlich, doch akzeptiert werden die Scheine überall. Nach dem Fünfziger und dem Zwanziger kommt nächste Woche die dritte Vertreterin der neunten Banknotenserie in Umlauf: die Zehnernote. Am Mittwoch wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist die kleinste Note, die es in der über 100-jährigen Geschichte des Schweizer Papiergeldes je gegeben hat – und jene, die am meisten zirkuliert. Just aus diesem Grund «erfand» die Nationalbank einst auch den Fünffrankenschein.

Die alte 5er-Note zeigte unter anderem Wilhelm Tell (auf der linken Seite).

Die alte 5er-Note zeigte unter anderem Wilhelm Tell (auf der linken Seite).

Archiv der SNB

Im Jahr 1913, vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, liess das Noteninstitut vorsorglich Fünfer- und Zwanzigerscheine drucken – in der Erwartung, dass ein Krieg die Nachfrage nach Bargeld sprunghaft ansteigen lassen könnte. Bis dahin war das Papier mit der kleinsten Denomination der Fünfziger.

Nach Ausbruch des Krieges im Juli 1914 trat ein, was die Frankenhüter wohlweislich vorweggenommen hatten: Das Vertrauen der Bevölkerung in das Finanz- und Währungssystem ging schlagartig verloren und Bargeld wurde zum Objekt der Begierde. Die Nationalbank gab die neu gedruckten Noten aus und insbesondere der Fünfer stiess auf kräftige Nachfrage. Im Zug der schnell aufkeimenden Inflationsängste hatte der Silberpreis stark an Wert zugelegt und weil die damaligen Fünfliber 40 Prozent Silber enthielten, überstieg der Materialwert der Münzen bald einmal ihren Nominalwert.

1911: „Neuenburgerin“ im Medaillon links. Diese Note wurden in Waterlow, London gedruckt.
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1956: Diese Note zeigt Gottfried Keller.
1976: Leonhard Euler, Mathematiker, zierte die Note.
Die Reservenote aus dem Jahr 1984.
1995 löste Le Corbusier (1887 – 1965 Architekt, Urbanist, Maler, Theoretiker) Euler ab.
Die neue 10er-Note.

1911: „Neuenburgerin“ im Medaillon links. Diese Note wurden in Waterlow, London gedruckt.

SNB

Paradigmenwechsel nach dem Ende des Ersten Weltkriegs

Doch so schnell wie die Silbermünzen aus dem Zahlungsverkehr verschwanden, kamen die neuen, kleinen Noten nicht hinterher. Die Nationalbank zögerte mit deren Ausgabe, weil sie mit ihrer so genanten «Emissionsreserve» sparsam umgehen wollte. Das war die Zeit, in der das noch junge Nationalbankgesetz eine Mindestdeckung des Notenumlaufs in Edelmetall von 40 Prozent vorschrieb. Vor Kriegsausbruch verfügte die Nationalbank über einen Metalldeckungsgrad von über 70 Prozent. Wer will es ihr Verübeln, dass sie im Angesicht des Krieges das Pulver nicht sofort verschiessen wollte. Dennoch liess sie die Notenbankgeldmenge im ersten Kriegsjahr um 50 Prozent ansteigen. Während sich der Noten- und Münzumlauf im Jahr 1913 noch einigermassen die Waage gehalten hatte (314 Millionen Franken Noten gegenüber 235 Millionen Franken Münzen), betrug das Verhältnis sieben Jahre später drei zu eins zugunsten der Noten. Die Inflation liess nicht auf sich warten. Sie erreichte bald 13 Prozent (1915) und schnellte bis Kriegsende auf 25 Prozent empor. Dafür sei die Geldpolitik sicher «in hohem Mass mitverantwortlich» gewesen, schreibt der emeritierte Wirtschaftsprofessor und Geldtheoretiker Ernst Baltensperger in seiner Geschichte des Frankens («Der Schweizer Franken – eine Erfolgsgeschichte», NZZ Libro, 2012). Obschon auch die kriegsbedingte Verknappung des Güterangebotes einen wichtigen Anteil an der Teuerung gehabt haben dürfte.

Doch zurück zu den kleinen Noten: Deren zögerliche Einführung hatte 1914 zu einer Zahlungskrise geführt und die Nationalbank zum ersten Mal in ihrer erst siebenjährigen Geschichte einer starken öffentlichen Kritik ausgesetzt. Die Nationalbank habe die steigende Nachfrage nach Banknoten als «irrationale Reaktion der Wirtschaftseilnehmer» aufgefasst und versucht den Anstieg des Notenumlaufes zu verhindern, schreibt Baltensperger. Insofern habe sie effektiv zur Verschärfung der Zahlungskrise beigetragen. Während es 1913 noch etwa gleich viel Papier- und Münzgeld gab, beträgt das Verhältnis heutzutage 96 Prozent zu 4 Prozent zugunsten der Noten.

Die rund 75 Millionen im Umlauf befindlichen Zehner bilden nur einen kleinen Teil der Notenbankgeldmenge, aber kein anderer Schein wird intensiver benutzt. Der Zehner wird wohl noch lang der kleinste Geldschein im Frankenuniversum bleiben. Pläne für eine Neulancierung der Fünffrankennote gibt es bei der Nationalbank jedenfalls keine. Zwei Gründe sprechen dagegen: Erstens wäre ein Fünfrankenschein zu den für die derzeitige Notenserie geltenden Gestehungskosten von 40 Rappen pro Stück mit einer Lebensdauer von 12 bis 24 Monaten ein reichlich teures Papier. Und zweitens dürfte der Bund wenig Interesse haben, sein Prägungsmonopol für Geldmünzen ebenfalls an die Nationalbank abzutreten, zumal es in diesem «Geschäft» auch gutes Geld zu verdienen gibt.

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