«Die Grossen drängen lieber nach China»

«Die Grossen drängen lieber nach China»

5. Biertage in Solothurn

«Die Grossen drängen lieber nach China»

5. Biertage in Solothurn

Gespräch mit Kleinbrauer Alex Künzle, den die Cardinal-Schliessung überhaupt nicht überrascht hat. Er findet, Europa sei für Grosskonzerne ein «Jammermarkt».

Herr Braumeister Künzle, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie von der Cardinal-Schliessung in Freiburg gehört haben?
Alex Künzle:
Die Nachricht hat mich keineswegs überrascht. Für die grossen Konzerne ist Europa ein Jammermarkt.Die Kosten sind ihnen zu hoch, der Absatz zu klein. Die drängen viel lieber nach China, Indien und Russland. Wäre die Feldschlösschen-Produktion in Deutschland, würde man die bestimmt auch schliessen, weil sie zu klein
ist. Aber den Schweizer Markt will man nicht einfach preisgeben.

Was ist das Erfolgsrezept der vielen Kleinbrauereien?
Künzle:
Unsere Stärke ist die Schwäche der Industriebiere. Diese haben keine Ecken und Kanten. Geschmacklich

sind sie nicht zu unterscheiden. Wer einmal einen Rundgang an unseren Biertagen gemacht hat, weiss spätestens beim zweiten Bier, wovon ich spreche.

Was sind denn Industriebiere?
Künzle:
Das sind stabile, problemlose Allerweltsbiere, die massenhaft hergestellt werden.

Und das soll bei den Nischenprodukten nicht der Fall sein?
Künzle:
Sicher nicht. Die Vielfalt ist gross, geschmacklich unterscheiden sie sich oft sehr. So etwas verleiht Charakter.

Und jetzt werden die Kleinbrauereien den Schweizer Markt vollends durcheinanderwirbeln?
Künzle:
So einfach ist das nicht. Auch unser Leben ist hart. Das Problem sind die Absatzkanäle. Früher war uns der Detailhandel komplett versperrt gewesen, die Grossverteiler haben uns belächelt. Inzwischen haben sie unsere Stärken erkannt und gewähren bescheidene Auftritte.

Aber das tönt doch gut.
Künzle:
Ja, aber noch schwieriger ist die Situation in der Gastronomie. Hier können wir mit den Grossbrauereien nicht mithalten. Die Gastwirte kriegen von den Banken heute kein Geld, also springen die Bierkonzerne ein mit ihren Fesselverträgen in der Hinterhand. Da haben wir mit unseren limitierten Budgets gar keine Chance.

Demnach hat die Kleinbrauer-Szene in der Schweiz ihren Höhepunkt bereits erreicht?
Künzle:
Nein, es mag schon noch zwei, drei Brauer vertragen. Allerdings braucht es dazu ein Zentrum mit einem minimalen Einzugsgebiet, sonst ist der Markt einfach zu klein zum Überleben.

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