«Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution». Das Motto des 49. Davoser Weltwirtschaftsforums kommt wie gewohnt ambitioniert daher. Doch offensichtlich ist die Anziehungskraft heuer weniger gross also letztes Jahr. Auf der Gästeliste, die WEF-Gründer Klaus Schwab wie immer eine Woche vor Beginn des Forums in Cologny vorstellt, fehlen mindestens aus der internationalen Politik viele grosse Namen.

Der Hauptabwesende ist natürlich US-Präsident Donald Trump, dessen letztjähriger Besuch eine veritable Hysterie ausgelöst hatte und die restliche internationale Polit-Prominenz in den Hintergrund drängte. Umso grösser dürfte für den im Alter von 80 Jahren immer noch erstaunlich vital auftretenden Chef-Moderator die Enttäuschungsein, dass kein anderes politisches Schwergewicht Trumps Absage nutzen will, um sich auf der Davoser Bühne der Welt zu zeigen. Nicht mit von der Partie sind der chinesische Staatschef Xi Jinping und der russische Präsident Wladimir Putin.

WEF ohne «Superstars» aber mit US-Ministerdelegation

WEF ohne «Superstars» aber mit US-Ministerdelegation

Nach der Absage von US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben sich für das diesjährige WEF in Davos auf den ersten Blick keine aufsehenerregenden «Stars» angekündigt. Und doch bestätigte das Weisse Haus während der laufenden Pressekonferenz des World Economic Forum die Teilnahme mehrerer hochrangiger Minister. Neben den zu- und absagenden Teilnehmern macht den Verantwortlichen vor allem der Schnee zu schaffen.

Die Abwesenden aus Europa

Unter den bekanntesten Teilnehmern figurieren nebst der treuen deutschen Kanzlerin Angela Merkel deshalb Namen wie Japans Premierminister Shinzo Abe, der sich zum zweiten Mal in Davos zeigt. Der Handelsstreit zwischen China und den USA stellt für Japan eine besondere Bedrohung dar, vor allem wenn er zu einer weiteren Abwertung der chinesischen Währung führen sollte.

Fünf Jahre nach seiner Wahl wird Abe vor der Weltgemeinde auch Bilanz über seine ultraexpansive Geld- und Fiskalpolitik ziehen wollen. Ähnlich wie in Europa mehren sich die Stimmen, die angesichts der nicht enden wollenden Flut von billigem Geld einen deutlich abnehmenden Eifer bei den wirtschaftspolitischen Reformen erkennen. Auch der neu gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nutzt die Plattform in den Schweizer Bergen, um sich der Weltöffentlichkeit vorzustellen.

Von Bolsonaro werden Erklärungen erwartet, wie er die tiefen Gräben in der brasilianischen Gesellschaft zu überwinden gedenkt und den Erwartungen einer glaubwürdigen Antikorruptionspolitik gerecht werden will. Auch der Südafrikaner Cyril Ramaphosa zeigt sich in Davos erstmals seit seiner Wahl vor einem Jahr. Für ihn wird es nach der sommerlichen Währungskrise darum gehen, sein Land der internationalen Business-Gemeinde als zuverlässigen Standort für Investitionen beliebt zu machen.

Rar scheinen sich europäische Staatslenker zu machen. Aus Italien erwartet man zwar Premier Giuseppe Conte, der mit seinem Wirtschaftsminister anreist. Doch der starke Mann in der italienischen Regierung heisst Matteo Salvini. Und der Innenminis- ter bleibt in Rom. Wie viele andere Länder ist auch Italien dieser Tage intensiv mit der Bewältigung der Kollateralschäden der internationalen Arbeitsteilung beschäftigt.

Während die drückende Schuldenlast den Handlungsspielraum der Politik einschränkt, droht das zunehmend schwache Wirtschaftswachstum die innenpoliti- schen Spannungen zu verschärfen.

Diese Erfahrung macht auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, der angesichts der anhaltenden Proteste der Gelbwesten in seinem Land keine Zeit mehr findet, die bisweilen etwas abgehoben anmutenden Diskussionen in Davos mitzugestalten. Auch für die britische Premierministerin Theresa May ist angesichts des Brexit eine Reise ans WEF heuer nicht mir drin.

Effizienter ohne Trump?

Dass Donald Trump heuer nicht in Davos erscheint, ist für den Journalisten und langjährigen WEF-Kenner allerdings kein Verlust. «Für mich war Donald Trumps Auftritt im vergangenen Jahr ein Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des WEF», sagt Jürgen Dunsch, der 2017 ein Buch über die Geschichte des WEF veröffentlicht hat. «Es war schwer zu verstehen, wie unkritisch und undifferenziert Klaus Schwab den amerikanischen Präsidenten empfangen hatte.»

Trump ist beileibe kein Globalisierungsbefürworter. Und seine Handelspolitik zeugt nicht vom Gedankengut des Freihandels. Dunsch findet: «Das WEF muss sich als glaubwürdige Institution der Globalisierung neu erfinden.» Das Beispiel Trump zeigt in der Tat, dass der Ehrgeiz des WEF, möglichst viele illustre Gäste anzulocken, dem Ruf des Symposiums auch schaden kann.

Die Hoffnung besteht, dass die diesjährige US-Delegation mit Finanzminister Steven Mnuchin, Aussenminister Mike Pompeo, Handelsminister Wilbur Ross und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer ohne den Chef wirkungsvoller agieren kann.