Zermatt

Die Goldgrube am Matterhorn ist langsam am Versiegen

Der Bauboom trieb den Durchschnittsverkaufspreis pro Zimmer im Bergkurort auf 453'380 Franken. In Zermatt sind derzeit 101 Ferienwohnungen zum Verkauf ausgeschrieben. Trotz Ende des Zweitwohnungs-Booms - billig sind diese noch nicht.

Das muss man sich leisten können: Der unverbaubare Blick aufs Matterhorn durch das Stubenfenster kostet 10 bis 20 Millionen Franken. Das ist gemäss gut unterrichteten Quellen der Preis, den die Käufer für eines dieser sieben Chalets in Zermatt zahlen müssen. Die Traumhäuser befinden sich unweit der Talstation der Sunegga-Bahn.

Chalets für sehr gut betuchte

Das «7 Heavens» genannte Projekt haben die Promotoren Oliver Herweg, Mario Julen und Florian Steiger lanciert. Vier der 550 bis 600 Quadratmeter Wohnfläche bietenden Traumhäuser sind bereits verkauft. Es sind solche Luxusbauten aus Stein, Holz und Stahl, die den Umsatz mit Immobilien am Fuss des Matterhorns gewaltig in die Höhe getrieben haben.

Der Gemeindepräsident von Zermatt, Christoph Bürgin, sagt auf Anfrage der «Nordwestschweiz»: «Seit April 2011 wurden in Zermatt Wohnungen im Umfang von 363,4 Millionen Franken verkauft.» Dazu zählen sowohl Verkäufe von Erst- wie Zweitwohnungen. Die Objekte verfügen über rund 800 Zimmer, sagt der Präsident der Einwohnergemeinde: «Der Durchschnittsverkaufspreis pro Zimmer beträgt 453'380 Franken.» Die abgesetzten Viereinhalbzimmerwohnungen lägen im Schnitt bei 1,7 Millionen Franken. Einzelne Objekte hätten die Durchschnittspreise «beachtlich» in die Höhe» getrieben, so Bürgin.

Aktuell ist noch ein «7 Heavens»-Chalet zu haben. Die anderen werden vermietet. Drei der Chalets sind laut Bürgin Erstwohnsitze. Die anderen gelten als «touristisch qualifizierte Wohnungen», müssen also an Touristen vermietet werden.

In Zermatt gibt es bereits etliche Chalets, die samt Personal – Spitzenkoch inklusive – gebucht werden können. Das kostet dann – je nach Saison – einige zehntausend bis mehr als 100'000 Franken pro Woche. Solche «Betriebsstätten» können auch Ausländer ohne Wohnsitz in der Schweiz erwerben. Deals mit solchen als Hotel deklarierten Chalets gab es in Zermatt einige.

Insbesondere in den Jahren 2011 bis 2103 gab es laut Bürgin einen Verkaufsboom bei Zweitwohnungen: «Das wirkte sich vor allem auch auf die hohen Verkaufspreise aus.» Doch danach sorgte die Annahme der Zweitwohnungsinitiative für deutliche Bremsspuren im Wohnungsmarkt des Bergkurorts. Bürgin sagt: «Ab Ende 2014 wurden weniger Objekte verkauft und auf den Erstwohnungen teilweise bedeutend tiefere Preise erzielt.»

Dazu kommt, dass auch der Bauboom endlich ist. Die Umsätze einiger Handwerker und Immobilienhändler seien rückläufig. Was leicht zugenommen habe, seien Renovationsarbeiten. Der Bestand an Zweitwohnungen werde sich praktisch nicht mehr erhöhen, sagt Bürgin. Bestehende Zweitwohnungen hingegen könnten abgerissen und neu erstellt werden. Zudem könnten Hotels unter gewissen Voraussetzungen in Zweitwohnungen umgewandelt werden.

Das Ende des Zweitwohnungsbooms schlägt sich auch in der Gemeinderechnung nieder. Die Grundstückgewinnsteuern erhöhten sich von 2008 bis 2012 von 1,075 auf 1,78 Millionen Franken pro Jahr. 2014 wurden noch 1,125 Millionen bezahlt. Für dieses und das kommende Jahr budgetiert die Einwohnergemeinde Einnahmen von 1,13 respektive 1,26 Millionen Franken.

Ob das realisiert werden kann, hängt auch davon ab, wie rasch sich das Überangebot abbauen lässt. In Zermatt sind laut Daten der Immobilien-Beratungsfirma Wüest & Partner 101 Ferienwohnungen zum Verkauf ausgeschrieben. Billig sind die noch nicht. Selbst für ein kürzlich renoviertes, 25 Quadratmeter kleines Studio in einer 1970 erbauten Liegenschaft am Bahnhof verlangen die Verkäufer stolze 220'000 Franken.

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