In Paris schrillen die Alarmglocken. Kein Geringerer als der US-Konzern General Electric (GE) setzt zum Sturm auf ein Flaggschiff der französischen Industrie an. Laut der Agentur Bloomberg bietet GE für Alstom 9,4 Mrd. Euro (13 Mrd. Dollar), ein Viertel mehr als den Börsenwert; gemäss dieser Quelle könnten die beiden Firmen eine Einigung schon nächste Woche bekannt geben.

An der Pariser Börse gewann der Alstom-Kurs am Donnerstag 11 Prozent. Am Freitag wurde die Kotierung der Aktie bis auf weiteres ausgesetzt. Alstom erklärte vorerst nur, «über kein Kaufangebot auf dem Laufenden» zu sein. Zugleich hiess es aber, dass man laufend strategische Optionen über die einzelnen Sparten prüfe.

Am Freitag liessen dann mehrere Gewerkschafter wissen, Alstom-Chef Patrick Kron habe ihnen gegenüber Kontakte mit GE im Hinblick auf eine «industrielle Operation» bestätigt.
Das lässt Raum für Spekulationen, dass GE in erster Linie an den beiden Sparten Thermal Power und Renewable Power interessiert sein dürfte.

Die Arbeitsplätze in der Schweiz wären in diesem Fall von einem Deal auch betroffen. Der Hauptsitz von Alstom Thermal Power, der Sparte, die rund 45 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, befindet sich in Baden. Alstom betreibt in der Schweiz die Standorte Baden, Birr, Oberentfelden sowie Neuhausen am Rheinfall und beschäftigt insgesamt über 6500 Mitarbeiter.

Ein Mediensprecher von Alstom-Schweiz sagte auf Anfrage: «Zu GE können wir nur auf die Stellungnahme des Konzerns verweisen, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.» Das heisst: Man hat eben kein öffentliches Übernahmeangebot erhalten, aber man prüft laufend strategische Optionen der einzelnen Sparten.

Stotternder Geschäftsverlauf

Alstom steckt seit 2013 in einer schweren Krise und baut in einem ersten Schritt 1300 Stellen ab. Auch die Schweiz ist betroffen (siehe Box). Das Kerngeschäft mit den thermischen Kraftwerken und Turbinen läuft konjunkturbedingt nämlich sehr schlecht, und auch für die Transportbranche mit dem Prestigezug TGV sucht Kron offiziell Partner.

Damit steht die Branche auf jeden Fall vor einer Umschichtung, die auch Branchenrivalen wie ABB oder Siemens betreffen dürfte.

Finanziell böte die anvisierte Übernahme kaum Probleme: Mit 20,3 Milliarden Euro Umsatz und 93 000 Angestellten wäre Alstom ein kleiner Brocken für General Electric (146 Milliarden Dollar Umsatz und 305 000 Angestellte). Umso grösser wäre der strategische Wert eines Zusammenschlusses. Anders als General Electric ist Alstom wenig präsent in den USA, aber stark in den Bereichen Transport, Energieübertragung, Atom- und Wasserkraft.

Mit der zweifellos gezielten Presseindiskretion soll nicht nur die Reaktion Krons, sondern vor allem auch der französischen Regierung getestet werden. Sie musste in den letzten Monaten erdulden, wie bei Fusionen und Verkäufen mehrere französische Unternehmen ins Ausland abwanderten - so der Betonkonzern Lafarge in die Schweiz zum Konkurrenten Holcim, die Werbegruppe Publicis zur US-Konkurrenz Omnicom.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg erklärte am Freitag, er arbeite «an anderen Lösungen», denn Alstom sei «das Symbol unserer industriellen Kraft» und verdiene «patriotische Sorge und Wachsamkeit».