Tourismus
Die Gäste fehlen im Hotelbett und auf der Piste

Den Wintersportorten fehlten die Gäste. Nun wollen diese mit Sonderangeboten und fixem Eurokurs versuchen die Schweizer Winterdestinationen Gäste anzulocken.

Roman Schenkel
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Blauer Himmel, weisse Pisten. Perfekter hätte der Februar für die Schweizer Skiorte nicht beginnen können. Hätte: Denn perfekt sind zurzeit einzig die meteorologischen Bedingungen. «Wir haben zu wenige Hotelübernachtungen und fast leere Pisten», sagt Pierre-André Pannatier, Präsident des Regionalverbands Wallis von Hotellerie Suisse. In der ersten Februarhälfte seien die Hotelzimmer im Wallis schlecht belegt, erst ab dem 19.Februar ziehe es an. «Es gibt aber noch zahlreiche Löcher», sagt Pannatier. Er führt das Hotel Alpenblick in Zermatt.

Den Schuldigen hat er schnell ausgemacht: «Der starke Franken schreckt die Touristen ab.» Dabei fehlten nicht nur die Ausländer in den Reservationsbüchern. «Viele Schweizer gehen ins umliegende Ausland in die Skiferien», so Pannatier (siehe az von gestern). Dagegen könne man nicht viel tun. «Die Bahnen, die Hotels, die Pisten - alles ist à jour.» Entscheidend seien die tieferen Preise im Ausland. Vor einem Jahr habe man für 100 Euro halt 30 Franken mehr bekommen.

Mit Sonderangeboten (Gratisnacht) und einem fixen Eurokurs (Fr.1.50) versuchen die Walliser Hoteliers Gäste anzulocken. Doch die Preisreduktionen spülen auch weniger Geld in die Kasse: «Es kommen weniger Gäs-te, und gleichzeitig bezahlen sie weniger.» Das drücke den Umsatz, sagt Pannatier.

Die Schweizer werden «untreu»

Auch die anderen Schweizer Skidestinationen stehen vor einem schwierigen Winter. «Wir können nicht verhehlen, dass die Logiernächte und die Skifahrtage im Vergleich zum Vorjahr rückläufig sind», sagt etwa Susanne Jörger von der Lenzerheide. Gewissheit werde man im April haben, wenn die definitiven Zahlen zu den Übernachtungen vorliegen.

Im Vergleich zu anderen Skiorten habe der Bündner Skiort einen grösseren Anteil an Schweizer Gästen, sagt Jörger. Sie macht sich deshalb mehr Sorgen um Schweizer, die im Ausland auf den Pisten herumkurven, als um die fehlenden ausländischen Gäste. «Wir werden von ‹untreuen› Schweizern sicher nicht verschont bleiben.»

Fixer Europreis

Im Berner Oberland geht man ebenfalls von rückläufigen Übernachtungszahlen aus. «Viele Schweizer machen vermehrt Skiferien im Euroraum», sagt Andrea Hess, Sprecherin der Jungfrau-Region. Der Rückgang an Schweizern soll mit ausländischen Gästen kompensiert werden, sagt sie. Dafür bieten die Jungfraubahnen bei Buchungen im Internet Übernachtungen kombiniert mit Skitickets zu einem fixen Europreis von Fr.1.50 an. «Das ist eine bewusste Reaktion auf den tiefen Eurokurs», sagt Simon Bickel, Sprecher der Jungfraubahnen.
Etwas besser sieht es in der Innerschweiz aus: «Wir hatten Befürchtungen, dass die Buchungen einbrechen, bis jetzt ist das nicht der Fall», sagt Samuel Bichsel von Engelberg-Titlis Tourismus. «Für die Hauptsaison reservieren unsere Gäste meist ein Jahr vor dem Urlaub.»

Zu einer Zeit, als der Euro noch nicht in einem Formtief gesteckt hat. Bichsel geht davon aus, dass der starke Franken viel mehr eine Rolle spielt, wenn der Gast einmal vor Ort ist: «Im Restaurant verzichtet man vielleicht auf eine Flasche Wein oder wählt ein günstigeres Menü.» Auch Ferienwohnungen und Ferienhäuser sind während der Hochsaison in den Skigebieten noch zu haben. «Wir spüren einen starken Rückgang der Buchungen», sagt Marco Amos, Geschäftsführer von Interhome, dem grössten Anbieter für Ferienwohnungen in der Schweiz. «Die Schweizer machen nach wie vor in der Schweiz Ferien, der Rückgang ist vor allem bei den ausländischen Gästen zu verzeichnen», sagt Amos.

2011 wird «kein Superjahr»

Das Buchungsverhalten sei jedoch je nach Nationalität unterschiedlich. «Dieses Jahr kommen viel weniger Holländer, zudem buchen sie vermehrt im preisgünstigeren Segment.» Anders die deutschen und die italienischen Touristen: «Sie sind in der gleichen Anzahl da wie im Vorjahr.» Die Belgier kommen ebenfalls in der gleichen Zahl, sie wohnen aber vermehrt im Dreisterneappartement statt in der Viersternewohnung. «Alles in allem wird 2011 sicher kein Superjahr», sagt Amos.

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