Davos

Die First-Lady des WEF: «Heute wählen wir die Stars sorgfältiger aus»

Hilde Schwab gestern im Kongresszentrum Davos: «Das WEF ist unser Leben.»Laurent Gillieron/Keystone

Hilde Schwab gestern im Kongresszentrum Davos: «Das WEF ist unser Leben.»Laurent Gillieron/Keystone

Hilde Schwab, Gattin von WEF-Gründer Klaus Schwab, über die Auszeichnung für Schauspieler Matt Damon, U2-Sänger Bono und warum die Proteste gegen das WEF verschwunden sind.

Hilde Schwab: Entschuldigen Sie die Verspätung – ich komme gerade von einem Treffen mit Bono.

Wie ist er denn so, der U2-Sänger?

Er ist ein hochintelligenter, sehr engagierter Mensch. Er hat vor sieben Jahren hier in Davos seine «Red»-Kampagne angestossen. Er überzeugt berühmte Firmen, rote Markenprodukte herauszugeben – Schuhe, Taschen, sogar eine Kreditkarte –, die bis zu 50 Prozent des Erlöses für den Kampf gegen Aids spenden.

Ist ein solches Treffen für Sie überhaupt noch etwas Spezielles?

Ja! Wenn man Bono auf der Bühne sieht, dann ist er ein Superstar. Wenn man ihn hier trifft, ist er ein normaler Mensch wie Sie und ich.

Sie sind während des WEF stets an vorderster Front dabei, stets an der Seite Ihres Mannes – Sie sind quasi die First Lady des WEF.

Mir macht es sehr viel Freude, zusammen mit meinem Mann als Gastgeberin aufzutreten. Wir sehen in dieser Woche viele Teilnehmer, alte Freunde, Politiker, hochinteressante Persönlichkeiten aus allen möglichen Bereichen.

Sie sitzen in der vordersten Reihe, wenn Ihr Mann vor der Weltöffentlichkeit Gespräche führt mit Irans Präsidenten Rohani oder US-Aussenminister Kerry. Fiebern Sie mit?

Jedes Mal – auch wenn wir natürlich nach über vierzig Jahren eine gewisse Routine entwickelt haben. Aber solche Auftritte sind sehr wichtig, da darf nichts schiefgehen.

Sie selber sind Präsidentin der Schwab-Stiftung für soziales Unternehmertum. Warum Sie und nicht Ihr Mann?

Wir haben die Stiftung vor 12 Jahren gemeinsam gegründet. Mein Mann ist bereits mit dem Forum stark beschäftigt – und mir bereitet es Freude, diese zu führen.

US-Schauspieler Matt Damon hat am Dienstag den «Crystal Award» Ihrer Stiftung erhalten, weil er sich dafür einsetzt, dass alle Menschen Zugang zu Wasser haben. Warum gerade Damon?

Wir zeichnen Künstler aus, die hervorragend sind in ihrem Gebiet, die sich aber gleichzeitig engagieren – etwa für die Gesellschaft oder für die Umwelt. Die Idee entstand zusammen mit dem verstorbenen Violinenvirtuosen Lord Yehudi Menuhin, der sehr oft nach Davos kam, hier spielte und ein guter Freund wurde. Wir waren uns einig: Wir möchten Leute auszeichnen, die beides sind – hervorragende Künstler und sozial engagiert.

Man sprach vor einigen Jahren vom Hollywood-WEF, als Angelina Jolie, Brad Pitt und Sharon Stone allen anderen die Show stahlen.

Wir wählen heute die Stars etwas sorgfältiger aus. Wir wollen niemanden mehr, der von den Medien nur als Star porträtiert wird. Angelina Jolie ist eine fantastische Schauspielerin und ein Superstar, der aber zu viel Medienaufmerksamkeit geniesst, obwohl sie auch sehr im humanitären Bereich engagiert ist.

Und Matt Damon?

Er ist auch ein grossartiger Künstler. Aber weniger hip.

Die WEF-Teilnehmer stürmen die Veranstaltung mit ihm ...

Ja, aber sobald er über seine Projekte spricht, ist das Startum verschwunden. Dann ist er jemand, der darum besorgt ist, dass alle Kinder sauberes Wasser erhalten.

Wenn er kein Star wäre, würde das Thema nicht so viele Leute interessieren.

Das ist genau so. Er hat die Möglichkeit, breites Interesse zu wecken.

Warum engagiert sich ein Hollywood-Star?

Das sind Menschen, die viel erreicht haben. Und die sehr viel reisen. So kommen sie in Kontakt mit Elend, Armut oder sogar Krieg. Manche berührt das, sie sagen sich: Ich bin berühmt, habe Status, viel Geld, alles was ich will – also muss ich handeln. Manche geben Geld, manche engagieren sich persönlich. Und wenn sie sehen, wie sie etwas bewirken können, dann gibt das eine grosse Befriedigung.

Sind Leute, die sich sozial engagieren, glücklicher?

Ich hoffe es schwer! Aber klar: Es gibt auch Leute, die haben ein anderes Weltbild, denen sagt das nichts. Auch das muss man akzeptieren.

Ihr Mann spricht den Managern immer wieder ins Gewissen. Hat er diese soziale Ader von Ihnen?

Das haben wir beide, deshalb passen wir so gut zusammen. Wir haben bereits in den 1970er-Jahren Leute eingeladen, die sich in Umwelt- oder Sozialfragen engagieren. Den Umweltaktivisten Franz Weber oder südamerikanische Befreiungstheologen – manchmal sehr zum Erstaunen und Ärger gewisser Teilnehmer. Mein Mann und ich wollen bewusst Leute einladen, die nicht dieselbe Meinung haben. Das war schon immer so.

Sie eilen von einem Termin zum nächsten. Welche dieser Begegnungen berührt sie am meisten?

Das Treffen mit den 30 Social Entrepreneurs aus der ganzen Welt. Sie haben Organisationen gegründet und Projekte lanciert, die ihre Region weiterbringen. Und im geopolitischen Bereich war die Rede des iranischen Präsidenten Rohani sehr interessant – gerade weil wir bei den Crystal Awards auch eine iranische Künstlerin ausgezeichnet haben, die an den Präsidenten appellierte: Er müsse den Künstlern helfen, die jahrtausendealte iranische Kultur zu erhalten.

Sie haben vor Jahren stark gelitten unter den Protesten gegen das WEF und den Anfeindungen gegen Ihren Mann. Warum sind diese Proteste verschwunden?

Das hat wohl mit den Social Media zu tun. Die Leute können sich austoben – über Twitter, Facebook und Blogs kann jeder seinen Hass oder seinen Frust ungefiltert loswerden, Personen direkt angreifen. Oder Vorschläge machen, was anders laufen muss. Andersherum ist völlig transparent geworden, was hier diskutiert wird.

Die Urteile über das WEF reichen von nutzlosem Schwatzklub bis zu geheimer Weltregierung. Wie ist es wirklich?

In Wahrheit ist es so: Es braucht Gespräche, bevor man überhaupt Probleme definieren und Lösungen finden kann. Da sehen wir unsere Aufgabe: den Dialog ermöglichen.

Sie haben über sich und Ihren Mann gesagt: «Das WEF ist unser Leben.»

Das stimmt. Klaus Schwab gibt es nicht ohne das Forum. Wenn ich mich irgendwo vorstelle, wo man mich nicht kennt, dann sage ich: Ich bin seit 43 Jahren mit Klaus Schwab verheiratet. Und ich bin seit 43 Jahren mit dem Forum verheiratet.

In dieser Reihenfolge?

Ja, das dann doch (lacht).

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