Innovation

Die Firma Brugg Cables testet unter Hochspannung neu Stromkabel

Der Mensch als Miniatur im neuen Hochspannungslabor. Bis zu 1,2 Millionen Volt jagen Prüfer durch Kabel.ho

Der Mensch als Miniatur im neuen Hochspannungslabor. Bis zu 1,2 Millionen Volt jagen Prüfer durch Kabel.ho

Im neuen Hochspannungslabor will der Kabelbauer effizientere Produkte entwickeln. Bei den Test jagen die Prüfer bis zu 1,2 Millionen Volt durch die Kabel. Die Test sollen in der unterirdischen Verkabelung die Zukunft weisen.

Brugg Cables läutete am Mittwoch mit einem Knall die Zukunft ein. Die showmässig inszenierte Entladung an einem der Generatoren im neuen Labor in Brugg machte klar, dass der Kabelhersteller hier mit starken Kräften operiert: Bis zu 1,2 Millionen Volt jagen die Prüfer durch die Kabel.

«Damit können wir die Isolation unserer Kabel auf ihre Festigkeit testen», sagte Christian Albanbauer, Leiter Prüfungen F&E und Laborverantwortlicher, gestern im Gespräch am Rande einer Veranstaltung zur Einweihung des Hochspannungslabors.

Show-Einlage anlässlich der Einweihung des Hochspannungslabors von Brugg Cables vom 19. Juni 2013.

Im 1000 Kubikmeter grossen faradayschen Käfig sollen künftig auch neue Materialien auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Ziel sei unter anderem der Nachweis, dass ein Produkt die angestrebte Lebensdauer von 50 Jahren auch wirklich erreichen könne. Um eine schnelle Alterung zu simulieren, kann ein Test bis zu einem Jahr dauern.

Im neuen Labor, das schätzungsweise 4 bis 6 Millionen Franken gekostet hat, soll auch danach geforscht werden, wie die Stromübertragung effizienter gemacht werden kann. Denn weltweit werden immer höhere Spannungen durch die Netze gejagt.

Als die Kabelwerke Brugg vor fünfzig Jahren das erste Stormlabor in Betrieb genommen hatten, waren Spannungen von 110 bis 120 Kilovolt die Regel. Heute gehen die Spannungen rauf bis auf 500 Kilovolt oder, wie in Pilot-Projekten in Indien und China, gar bis auf 1000 und 1200 Kilovolt. «In Europa sind aber immer noch 380 bis 400 Kilovolt verbreitet», so Urs Schnell, Gruppen-CEO der Kabelwerke Brugg, gestern im Gespräch.

Für die Gruppe steht einiges auf dem Spiel: Der Kabelbereich, in dem Hochspannungskabel eine wichtige Rolle spielen, steuerte 2012 fast 40 Prozent zum Konzernumsatz von 680 Millionen Franken bei. Der Nahe Osten, Indien und China sind die Hotspots für Hochspannungskabel.

Brugg Cables liefert Kabel bis zu 500 Kilovolt. Theoretisch könnte Brugg Cables davon jährlich bis zu 600 Kilometer produzieren. «Im vergangenen Jahr haben wir die Kapazitäten nicht voll ausgeschöpft», so Schnell.

Kabel versus Freileitungen

Experten sind sich einig, dass die heutigen Stromnetze ausgebaut werden müssen. Sogenannte Hochspannungsautobahnen sind etwa dort sinnvoll, wo Strom über weite Distanzen transportiert werden muss.

Zum Beispiel von den grossen Windenergie-Anlagen in der Nordsee nach Zentraleuropa. Aber auch im regionalen Bereich müssen die Netze erneuert werden.

Allerdings ist es umstritten, ob der Strom überirdisch über Freileitungen oder unterirdisch über Kabel transportiert werden soll. Bei der Erneuerung der Leitung zwischen Beznau (AG) und Mettlen (TG) sollen in der Aargauer Gemeinde Riniken erstmals 1,2 Kilometer Hochspannungskabel in den Boden verlegt werden. Es handelt sich um 12 Leitungen und insgesamt 14,4 Kilometer Kabel.

Bis die 380-Kilovolt-Leitungen effektiv in den Boden verlegt werden können, wird es aber noch einige Jahre dauern. Schnell rechnet damit, dass die Aufträge erst 2016 ausgeschrieben werden und die Arbeiten frühestens 2018 aufgenommen werden können. «Selbstverständlich werden wir uns um den Auftrag bemühen», sagte Otto H. Suhner, Präsident der Kabelwerke Brugg Holding.

Wichtig sind die Erfahrungen bei diesem Pilotprojekt für die Zukunft. Wäre die Erdverkabelung in Riniken ein Erfolg und würde sich zeigen, dass sich die Mehrkosten gegenüber günstigeren Freileitungen in Grenzen halten, könnte das ein Signal dafür sein, dass man bei der Erneuerung der Stromnetze stärker auf unterirdische Verkabelung setzen könnte.

Für den Erdverleger Brugg Cables wäre das ein kommerzieller Vorteil.

Dass die Netzgesellschaft Swissgrid in Riniken nun eine Teilverkabelung umsetzen will, sei aber noch nicht der Durchbruch für die Erdkabel-Variante.

«Erst nach dem Bau, wenn wir zeigen können, dass es geht, hätte das eine Signalwirkung», so Schnell. Doch gehe es nicht nur um die Interessen eines einzelnen Unternehmens. «Als Bürger der Schweiz will ich auch einen umweltverträglichen und wirtschaftlichen Netzausbau», so Schnell.

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