Zuchwil

Die fetten Jahre sind vorüber

Neubau: Der Synthes-Hauptsitz nimmt Formen an. Damit steigen die Hoffnungen der Zuchwiler, bald wieder über mehr Geld in der Gemeindekasse zu verfügen. (Bild: Urs Lindt)

Baustelle

Neubau: Der Synthes-Hauptsitz nimmt Formen an. Damit steigen die Hoffnungen der Zuchwiler, bald wieder über mehr Geld in der Gemeindekasse zu verfügen. (Bild: Urs Lindt)

Zuchwil bekommt die Wirtschaftskrise zu spüren: Die Gemeinde rechnet mit einem massiven Defizit im kommenden Jahr. Eine Steuererhöhung soll das Schlimmste überbrücken.

Raffaela Kunz

«Es sieht katastrophal aus», lautete die Bilanz von Patrick Marti (SP) an der Budgetsitzung des Gemeinderates Zuchwil. Die Emotionen am Donnerstagabend gingen hoch: Die Gemeinde rechnet für das kommende Jahr mit einem Aufwandüberschuss von 5,25 Mio. Franken. Die Auswirkungen bekommen vor allem die Steuerzahler zu spüren: Der Gemeinderat will den Steuerfuss um 10 Prozent erhöhen. Neu soll er damit bei 125 Prozent liegen.

«Die Hauptursache ist die Finanzkrise», erläuterte Gemeindepräsident Gilbert Ambühl (SP). Grund für den «massiven Aufwandüberschuss» sei vor allem der rückläufige Steuerertrag der juristischen Personen - gerechnet wird mit einem Rückgang zwischen acht und neun Millionen Franken. «Trotzdem können wir stolz sein», fand Ambühl: Im Bereich der nicht gebundenen Kosten sei es gelungen, rund 40 Prozent, und damit 2,8 Millionen Franken, zu sparen. Betroffen von den Sparmassnahmen waren etwa die Beiträge an regionale und örtliche Institutionen. Beim neuen Zentrum für Kind und Jugend ergaben sich zudem Sparmöglichkeiten von 27 000 Franken. Ein grosser Batzen entfiel weiter dank dem Sportzentrum: Der Verwaltungsrat hatte sich bereit erklärt, auf den Abgeltungsbeitrag von 120 000 Franken im kommenden Jahr zu verzichten.

Finanzkrise fordert Steueropfer

Für Unmut im Gemeinderat sorgte hauptsächlich die Steuererhöhung. Sigrun Kuhn (FdP) stellte den Antrag, die Steuern lediglich um fünf Punkte zu erhöhen. Noch weiter ging die SVP-Fraktion: Simon Mosimann forderte, den Steuersatz bei 115 Prozent zu belassen. «Das Budget 2010 ist noch nicht ausgereizt», so seine Begründung. Daniel Grolimund (CVP) bezeichnete diese Idee als «unverantwortlich gegenüber den Bürgern» und nicht nachhaltig. «So kommen wir nie raus!» äusserte er seine Bedenken. Und Ambühl bezeichnete die erhöhten Steuereinnahmen als «absolutes Minimum, das wir einfach brauchen.» Allein mit der höchsten Variante habe Zuchwil eine gewisse Perspektive. «In den fetten Jahren haben wir die Steuern gesenkt - jetzt sind magere Zeiten angesagt», schloss Susanne Grütter Barbisch (SP). Der Vorschlag Mosimanns wurde deutlich mit 4 gegen 17 Stimmen verworfen. Auch Kuhns Antrag unterlag dem Vorschlag der Gemeinderatskommission mit 15 Gegenstimmen bei 5 Befürwortern.

Grossandrang an Gemeindeversammlung

Ein Antrag Silvio Audersets (SVP) sorgte schliesslich gänzlich für hitzige Köpfe und rege Diskussionen: Am Schluss der Budgetbesprechung verlangte er, den Voranschlag nicht zu genehmigen und in Gänze noch einmal zu überarbeiten. «Mit den Steuergeldern wurde nicht haushälterisch umgegangen», begründete er seinen Vorstoss. «Dieser Vorwurf ist so nicht akzeptabel», parierte Ambühl: Die Gemeinde habe in den letzten Jahren ein Plus von neun Millionen Franken geschrieben. «Es ist noch kein Sparvorschlag in Millionenhöhe gekommen. Zeigt ihn uns!», forderte Grolimund die SPV-Fraktion auf. Beatrice Schibler (SP) bezeichnete es als «unanständig, einfach die Karten hinzuschmeissen». Schliesslich sei auch die SVP in den Gremien vertreten gewesen. Der Antrag scheiterte schliesslich an 15 Gegenstimmen bei vier Enthaltungen, und der Voranschlag wurde genehmigt.

In einem knappen Entscheid beschloss der Gemeinderat schliesslich, den Lohn des Gemeindepersonals um ein Prozent zu erhöhen. Im Fall der Lehrerschaft musste dies aufgrund des Gesamtarbeitsvertrages geschehen. Für die Erhöhung auch in den anderen Bereichen entschied sich der Gemeinderat aus Gründen der Gleichbehandlung.

Für die Gemeindeversammlung vom 7. Dezember wird mit einem Grossandrang gerechnet. Der Anlass wird deshalb voraussichtlich in der Scintilla-Halle durchgeführt.

Meistgesehen

Artboard 1