Gestern vor einem dreiviertel Jahrhundert begann im luzernischen Sursee die Revolution der Damenwäsche: Die Marke Calida, ein Fachgeschäft für Damenwäsche, wurde gegründet. Mittlerweile sind 75 Jahre vergangen und noch heute ist die Marke für ihre Bündchen an Unterwäsche und Pyjamas bekannt.

Das innerschweizerische Traditionsunternehmen mit dem spanischen Namen beschäftigt rund 1000 Angestellte. Calida bedeutet übersetzt Begeisterung. Für die Schweizer Unterwäschepioniere äusserte sie sich von Anfang an in Bescheidenheit, Qualität, Genauigkeit, Pünktlichkeit – eben eher die solide Art der Lebensfreude. Werte, die dem Hause Calida laut Geschäftsführer Andreas Lindemann noch immer am Herzen liegen.

Der Rückzug ist im Trend
Diese Tugenden versperren Calida dabei den Blick über die Landesgrenzen hinaus keineswegs: Vor rund 12 Jahren entschied sich die Firma, 25 Prozent der Wäsche im fernen China produzieren zu lassen. Nun steht eine Kehrtwende an. Seit 2015 zieht sich Calida aus dem Fernen Osten zurück. Mittlerweile produzieren die Luzerner gerade noch 15 Prozent der Unterhosen und Pyjamas in China. Man ist der Schweiz wieder einen grossen Schritt näher gekommen.

In der Calida-Testnäherei in Sursee – hier werden Unterwäsche-Prototypen hergestellt und getestet.

In der Calida-Testnäherei in Sursee – hier werden Unterwäsche-Prototypen hergestellt und getestet.

Lindemann sagt: «Calida produziert 85 Prozent der Wäsche über die eigene Produktionsplattform in Ungarn. Unser Stoff stammt vorwiegend aus der Schweiz, wenig aus dem Vorarlberg und dem süddeutschen Raum.» Und Calida will sich in Zukunft komplett von Asien verabschieden. Aus Indien hat sich das Unternehmen schon vor längerer Zeit zurückgezogen. Lindemann sagt dazu: «Die Komplexität war zu gross.» Über eine solche Distanz für Qualität und faire Arbeitsbedingungen zu sorgen, sei schwierig.

Ohnehin ist für Calida eine möglichst billige Produktion nicht matchentscheidend. Der Calida-Chef erklärt: «Calida ist im Premiumsegment angegliedert. Wir produzieren höchste Qualitätsstandards in jeder Hinsicht und erwarten das auch von unseren Zulieferern – und wir bezahlen auch angemessene Preise dafür.»

Ziel sei es, die gesamte Produktion in Europa anzusiedeln. Die Verlagerung zurück nach Europa habe Kosten- und Transparenzgründe. Zwar schloss Calida das vergangene Jahr - trotz starkem Franken – mit einem soliden Geschäftsergebnis ab. Dennoch sei weniger verkauft worden. Wie dies in Krisenzeiten eben üblich sei. «Die Produktion in Europa hat viele Vorteile: Sie liegt näher und ist entsprechend einfacher zu überwachen, die Transportwege sind kürzer.»

Mit der Zeit gehen
In Ungarn werden die Stoffe zugeschnitten, Einzelteile genäht, auf Qualität hin geprüft, bevor sie dann ins Lager nach Sursee kommen. Dort befindet sich die Verteilzentrale für alle Calida-Läden, Warenhäuser, die die Marke führen, und der Direktversand für Online-Bestellungen. Aber nicht nur: Hier wird designt, nach neuartigen Stoffen geforscht und vor allem getestet. Oft sogar durch die Mitarbeitenden selber. Denn sie tragen und waschen die Unterwäsche von Calida selber und prüfen, ob sie den Qualitätsstandards der Marke genügt.

Von Frauen für Frauen
Den Weg der Transparenz geht Calida auch mit moderner Technologie. Seit diesem Jahr ist auf den Preisschildern ein QR-Code angebracht, der, über das Smartphone eingelesen, Einblick über den gesamten Produktionsweg gewährt, den das Textilstück zurückgelegt hat.

Bei allem Traditionsbewusstsein setzt man also auf Modernität, auch im Look. Mit jugendlich bedruckten Stoffen, dezenten Farben, leicht verspielten Designs und jungen Models, die die Wäsche im Katalog präsentieren. Bei Unterwäsche, Schlaf- und Schwimmbekleidung lässt sich das Rad nicht so einfach neu erfinden. Lindemann sieht die Innovation unter anderem bei den verwendeten Stoffen. «Wir lancieren auf den Herbst ein Konzept mit funktionaler Unterwäsche, die Temperatur und Feuchtigkeit regulieren kann. Das Konzept orientiert sich an der Bewegungsintensität des Tragenden: Sitzt die Person im Büro, macht sie Gartenarbeit oder treibt sie Sport.»

Neben der klassischen Unterwäschelinie und den berühmten Pyjamas stellt Calida seit einigen Jahren auch Loungewear her. Wäsche, die eine Mischung aus Schlaf- und Sportbekleidung darstellt. Etwas, das der Kunde vor 20 Jahren noch nicht trug. Aber: Auch bei dieser Wäsche fehlt das berühmte Calida-Bündchen nicht.

Auch in der Organisation der Firma gibt man sich modern. Die oberste Kaderstufe setzt sich zu über 40 Prozent aus Frauen zusammen, oft in Teilzeitanstellungen. Insgesamt sind gar über 80 Prozent der Belegschaft von Calida weiblich. Ein Unternehmen ganz im Zeichen der Frau.