Credit Suisse und UBS sind ordentlich ins neue Jahr gestartet. Das zeigen die Zahlen fürs abgelaufene erste Quartal, welche die Grossbanken diese Woche vorgelegt haben. Während in den letzten Jahren die UBS meist die besseren Karten hatte, läuft diesmal die Sache anders herum.

Für die Börsianer jedenfalls ist klar, wer das Rennen gemacht hat: Es ist die Credit Suisse. Deren Titel legten gestern um 3,55 Prozent zu; während die UBS am Montag die Anleger enttäuschte. Zwischen den beiden Schweizer Platzhirschen könnte es künftig vermehrt zu Rivalitäten kommen.

CS-Chef Tidjane Thiam war an der Präsentation der Ergebnisse voll des Lobes für seine Bank. Er benutzte das Wort Rekord schon fast inflationär. Der Manager wurde auch nicht müde zu sagen, dass seine Bank sich nun im letzten von insgesamt drei Restrukturierungs-Jahren befinde. 2018 sei für ihn das «Jahr der Beschleunigung». Thiam will seine hochgesteckten Ziele unter allen Umständen bis Ende 2018 erreichen.

CS ist jetzt eine «Privatbank»

Der Vorsteuergewinn von 1,1 Milliarden Franken war das beste Ergebnis seit fast drei Jahren. Der Reingewinn belief sich auf 694 Millionen Franken. Das erste Quartal sei ein «guter Start» gewesen.

Jetzt gehe es darum, die Restrukturierung bis Ende Jahr abzuschliessen, weiter Kosten zu senken und mit der Strategie vorwärtszumachen: «Die grosse Wachstumsidee heisst Vermögensverwaltung», sagte Thiam vor den Medien in Zürich. Das Geschäft binde weniger Kapital, und die Bank profitiere von regelmässigen Einkünften aus Gebühren. Für Tidjane Thiam ist die CS inzwischen eine «Privatbank».

Der CS-Chef wollte damit unterstreichen, wie sehr er den Kurs des CS-Tankers geändert hat. Nur noch ein Fünftel des Quartalsgewinns kommt vom Investmentbanking, das seit Beginn der Bank vor über 100 Jahren zum eigentlichen Kerngeschäft zählte. Als Thiam von Brady Dougan Mitte 2015 übernahm, generierte die Bank 60 Prozent der Erlöse aus den Handelsaktivitäten.

Innerhalb von weniger als drei Jahren hat sich die Bank komplett gewandelt. Zum Bereich Vermögensverwaltung zählt Thiam neben des Internationalen Wealth Managements und der Region Asien-Pazifik auch das Schweizer Geschäft. Sie zusammen generierten die drei Bereiche einen Vorsteuergewinn von 1,284 Milliarden Franken.

Die Investmentbank der CS dagegen wird kleiner und kleiner. Die Gewinnzahlen des in zwei Einheiten aufgeteilten früheren CS-Herzstücks waren im Vergleich zum Vorjahresquartal zum Teil deutlich rückläufig. Das ist bei aller strategischer Absicht auch ein Schwachpunkt der Thiamschen Kehrtwende. Die CS gibt im Investmentbanking Marktanteile an kraftstrotzende US-Konkurrenten ab. Deren Investmentabteilungen legten im ersten Quartal um zehn Prozent zu.

Der zweite Schwachpunkt der Strategie: Das gute Ergebnis, das über den Erwartungen der meisten Analysten lag, ist zu einem guten Stück das Resultat von massiven Sparübungen. Die CS nimmt Kosten raus, wo es nur geht. Damit gelingt es ihr zwar kurzfristig, ein gutes Ergebnis abzuliefern, aber die Frage stellt sich, ob sie sich damit langfristige Wachstumspotenziale verbaut.

Tidjane Thiam, das zeigte sein Auftritt gestern einmal mehr, hat eine glasklare Vorstellung, wohin er die Bank steuern will. Darin unterscheidet er sich stark von seinen Kollegen von der Bahnhofstrasse. Die UBS wirkt deutlich weniger fokussiert, die wesentlich grössere Konkurrentin wirkt behäbiger und langweiliger.

Obwohl die Märkte besser laufen, gelingt es der UBS nicht, Kapital daraus zu schlagen. Das Schweiz-Geschäft und die weltweite Vermögensverwaltung entwickeln sich schleppend. Diese Woche besonders negativ aufgenommen wurden die steigenden Kosten der Grossbank.

Thiams Joker im Ärmel

Wie man aus dem Innern der Bank hört, will das Management hier den Gürtel nun enger schnallen. Das dürfte beim Personal nicht besonders gut ankommen, zumal Sergio Ermotti im vergangenen Jahr mit einer Vergütung von 14 Millionen Franken soviel wie kein anderer Schweizer Top-Manager verdiente. VR-Präsident Axel Weber kam 2017 auf eine Vergütung von 6 Millionen Franken, die ihn ebenfalls in einsame Höhen katapultiert.

Und Thiam hat einen weiteren Joker im Ärmel. Obwohl er noch keine drei Jahre im Amt ist, hat er mit Iqbal Khan bereits einen potenziellen Nachfolger in seinen Reihen. Thiam setzte den unerfahrenen Schweizer an die Spitze der weltweiten Vermögensverwaltung. Das war ein Risiko, das sich jetzt ausbezahlt. Bei der UBS dagegen wartet man vergebens auf Talente, die Ermotti dereinst beerben könnten.

Die CS fasst wieder Tritt. Doch ein grosser Wermutstropfen bleibt: Der Aktienkurs liegt immer noch weit unter der Marke, als Thiam antrat. Gegenüber der UBS hat die Credit Suisse noch sehr viel Aufholpotenziel. Die Marke von 30 Franken wird noch lange ausser Sichtweite bleiben. Auf 20 Franken könnten es die CS-Titel hingegen schon in absehbarer Zeit schaffen.