Fusion
Die Chefs von Clariant verdienen halb so viel wie die Amerikaner

Die Topmanager von Huntsman kassieren deutlich mehr als ihre neuen Partner aus der Schweiz.

Andreas Möckli
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Clariant-Chef Hariolf Kottmann (rechts) und Huntsman-Chef Peter Huntsman gaben am Montag die Fusion der beiden Firmen bekannt.

Clariant-Chef Hariolf Kottmann (rechts) und Huntsman-Chef Peter Huntsman gaben am Montag die Fusion der beiden Firmen bekannt.

KEYSTONE

Ein Zusammenschluss unter Gleichwertigen: Dieser Satz wurde bei der Bekanntgabe der Grossfusion zwischen Clariant und dem US-Konzern Huntsman mehrfach wiederholt. Tatsächlich sind die Machtverhältnisse im neuen Unternehmen HuntsmanClariant fein austariert. Ein Problem dagegen dürfte die Lohnstruktur an der Firmenspitze werden. Ein Blick auf die Managerlöhne der beiden Spezialchemiefirmen zeigt massive Unterschiede. So hat Huntsman-Chef Peter Huntsman im vergangenen Jahr 14,5 Millionen Dollar erhalten. Sein Gegenpart Hariolf Kottmann dagegen erhält in Dollar umgerechnet weniger als die Hälfte, nämlich 5,9 Millionen. Peter Huntsman wird auch in der neuen Firma der Chef sein.

Ebenfalls nicht darben muss Jon Huntsman. Der 79-jährige Gründer der Firma amtet als exekutiver Verwaltungsratspräsident. Er bekam 2016 eine Vergütung von 7,5 Millionen Dollar. Clariant-Präsident Rudolf Wehrli muss sich dagegen mit 690 000 Franken begnügen. Allerdings ist Wehrli, der ein knappes Jahr auch Präsident des Wirtschaftsverbands Economiesuisse war, nicht operativ im Unternehmen tätig, also ein nichtexekutiver VR-Präsident.

Dividenden in Millionenhöhe

Bei Huntsman erhielten der Konzern- und der Finanzchef sowie die drei übrigen höchstbezahlten Konzernleitungsmitglieder 2016 rund 32,8 Millionen Dollar. Die Löhne der restlichen acht Mitglieder des Topmanagements müssen gemäss US-Recht nicht offengelegt werden. Dies im Gegensatz zur Schweiz wo die Gesamtsumme der Konzernleitung publiziert werden muss. Bei Clariant sind dies umgerechnet knapp 16 Millionen Dollar, also wiederum weniger als die Hälfte als bei den Amerikanern.

Die Gründerfamilie Huntsman hält zudem 15 Prozent aller Aktien am amerikanischen Unternehmen. Allein Patron Jon Huntsman besitzt 12,5 Prozent. Dadurch erhielt er im vergangenen Jahr Dividenden in der Höhe von 15 Millionen Dollar, für Sohn und Firmenchef Peter Huntsman sind es 4,2 Millionen Dollar.

Wie die Lohnstruktur bei der fusionierten Firma aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen. Für eine Aussage dazu sei es noch zu früh, sagt eine Clariant-Sprecherin auf Anfrage. Dazu müsse erst der Abschluss der Fusion abgewartet werden. Dies sollte laut den beiden Unternehmen gegen Ende des Jahres der Fall sein.

Doch bereits heute lässt sich sagen, dass das Thema noch für einiges Kopfzerbrechen sorgen dürfte. Ob die Amerikaner zu Zugeständnissen bereit sind oder die Clariant-Spitzenleute umgekehrt zu ihren Kollegen bei Huntsman aufschliessen, ist ungewiss. Generell gilt, dass das Lohnniveau amerikanischer Topmanager höher ist, als dies in der Schweiz der Fall ist. Zudem ist hierzulande das Verständnis für sehr hohe Löhne in der Öffentlichkeit weit geringer als in den USA.

Kritische Aktionäre

HuntsmanClariant wird sowohl an der Schweizer als auch an der US-Börse kotiert sein. Damit ist der Konzern dem Regime der Abzockerinitiative unterstellt, wie dies für Clariant bereits heute der Fall ist. Bislang liess sich das Unternehmen von den Aktionären einen Maximalbetrag für die Löhne von Konzernleitung und Verwaltungsrat für das kommende Jahr bewilligen. Für die Geschäftsleitung sind dies 17,2 Millionen Franken für 2018. Nicht alle Aktionäre hatten jedoch Freude an dieser Summe. Immerhin 16,5 Prozent aller vertretenen Aktienstimmen haben sich an der Generalversammlung diesen März gegen die Summe ausgesprochen.

Der im Vergleich zu Huntsman tiefere Lohn von Clariant-Chef Kottmann gab bereits in der Vergangenheit zu reden. Im Jahr 2012 erhielt der Deutsche zusätzlich eine Sondervergütung von 1,5 Millionen Franken in bar. Der Verwaltungsrat wollte damit die «aussergewöhnliche Leistung» Kottmanns bei der Integration der 2011 zugekauften Süd-Chemie honorieren. Auch hier zeigten längst nicht alle Aktionäre Verständnis. Immerhin 27,6 Prozent stimmten an der damaligen Generalversammlung gegen den Vergütungsbericht.

Kottmann selber bemerkte zu seinem damaligen Lohn in einem Interview: «Im Vergleich zu unseren europäischen Konkurrenten ist mein Lohn marktgerecht. Er befindet sich jedoch am oberen Ende dessen, was ich mir selber geben würde.»

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