Rechtshändel

Die Bussen von Credit Suisse und UBS summieren sich zu einer unglaublichen Summe

Mussten seit 2006 bluten: Credit Suisse und UBS.

Mussten seit 2006 bluten: Credit Suisse und UBS.

Sowohl die Credit Suisse wie auch die UBS haben seit 2006 alljährlich mehr als 500 Millionen Franken für Bussen ausgegeben.

Auf den ersten Blick haben die zwei Zahlen nichts miteinander zu tun: Die Credit Suisse wies gestern einen Gewinn von mehr als 300 Millionen Franken beim Verkauf einer Liegenschaft
an der Bahnhofstrasse aus. Gleichzeitig bildete sie im dritten Quartal Rückstellungen von mehr als 300 Millionen Franken für Rechtshändel.

Dieses Nullsummenspiel zeigt, wie absurd das Bankgeschäft heute funktioniert: Seit 2006 haben sowohl die UBS wie die CS Jahr für Jahr mehr als 500 Millionen Franken für Bussen ausgegeben. Insgesamt kostete dies die CS 5,6 Milliarden Franken (siehe Liste rechts). Die Schätzung der «Nordwestschweiz» ist konservativ: Der Bankenexperte Andreas Venditti, Finanzanalyst der Bank Vontobel, beziffert die Ausgaben für Rechtshändel der CS zwischen 2009 und 2015 auf 7,2 und bei der UBS sogar auf 9,1 Milliarden Franken.

Ein Ende sei nicht in Sicht, schreibt Venditti in seinem kürzlich veröffentlichten Report: «Rechtsfälle bleiben für den Banksektor in absehbarer Zukunft ein wesentliches Thema.» Er schätzt, dass dies die CS bis 2018 weitere 4 und die UBS weitere 5,7 Milliarden Franken kosten wird. Weil die dafür gebildeten Rückstellungen nicht ausreichen, belasten diese Aufwendungen die Erfolgsrechnung der CS bis Ende 2018 mit weiteren 2,4 Milliarden. Bei der UBS geht Venditti gar von zusätzlichen 3 Milliarden aus.

Quelle: Vontobel Equity Research

Busse für Fussballwette

Wie diese enormen Summen zusammenkommen, zeigt die aufgrund von Berichten von Nachrichtenagenturen zusammengestellte Liste der «Nordwestschweiz». Dabei ist die kleinste Busse zugleich die kurioseste: Das Waadtländer Verwaltungsgericht verknurrte die Credit Suisse (CS) im Sommer 2006 zu einer Zahlung von 10 000 Franken. Die Grossbank hatte ein Finanzinstrument lanciert, das mit einer Wette auf die Resultate der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft verbunden war. Solche Wetten sind verboten. Laut einem Bericht der Zeitung «Le Temps» war die CS vor der Lancierung sogar noch gewarnt worden.

Das ist einer von mehr als 20 Fällen, in denen die Zürcher Grossbank in den letzten zehn Jahren eine Vergleichs- oder Schadenersatzzahlung berappen musste. Dazu kommen noch weitere, nicht gesondert ausgewiesene Ausgaben. Ins Gewicht fallen dabei die insbesondere in den USA exorbitanten Zahlungen an Anwälte und andere Berater, die für die Beilegung von gerichtlichen Auseinandersetzungen engagiert werden müssen.

Wie hoch diese Kosten sind, belegt folgendes Beispiel: Die CS kostete die Beilegung des Steuerstreits mit den USA 2014 rund 2,5 Milliarden Franken. Darin nicht inbegriffen waren alle anderen Aufwendungen wie beispielsweise für Anwälte. Allein die Ausgaben für die Aufbereitung der Kundendaten läpperten sich auf mehr als 100 Millionen Franken. Akzeptieren musste die CS zudem eine Überwachungsperiode von zwei Jahren. Dabei kontrolliert ein Staranwalt mit einem Team von Dutzenden von Experten, dass ein solcher Vorfall nicht mehr passieren kann. Die Honorare dafür summierten sich auf mehr als 300 Millionen Franken, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.

Boni führen zu Bussen

Die Bussen-Liste zeigt, dass Mitarbeiter von Banken so ziemlich sämtliche Möglichkeiten ausreizen, um höhere Einnahmen zu generieren. Dadurch kassieren sie entsprechend höhere Boni. So war die Beihilfe zur Steuerhinterziehung für ausländische Kunden branchenüblich. Dafür zahlte die CS nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und Italien je ein Busse.

Nicht beendet sind hingegen die Streitigkeiten um Schadenersatzzahlungen im Zusammenhang mit US-Ramschpapieren, deren Markt in der Finanzkrise kollabiert ist. Dabei geht es erneut um Milliardenbeträge. Das ist mit ein Grund, warum die Aktienkurse der beiden Grossbanken nicht vom Fleck kommen. Derjenige der CS brach gestern um 7,1 Prozent ein.

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