Beim Namen UBS kommt Andres Bircher in Rage. Die Grossbank würde sich durch «grenzenlose Arroganz» und durch eine perfide «Zerschlagungstaktik» auszeichnen und plündere nun seine gemeinnützige Stiftung, so der Naturheilkunde-Mediziner und Enkel des Birchermüesli-Erfinders Maximilian Bircher-Benner in einem Communiqué.

Der Grund für diesen Ärger: Am 3. Dezember wird das Grand Hôtel du Pont im Waadtländer Jura zwangsversteigert. Bircher hatte es gekauft, um daraus eine Klinik für Naturheilkunde zu machen. Der Streit mit der Grossbank dreht sich um einen Hypothekarkredit in der Höhe von 4 Millionen Franken, den die Bank Bircher für das Klinikprojekt zur Verfügung gestellt hatte.

Zu Beginn war Bircher überzeugt, mit dem neuen Therapiezentrum ein gutes Geschäft zu machen. «Das Rentieren ist sichergestellt, weil viele Menschen diese Therapien nötig haben», so Bircher gegenüber dem Schweizer Fernsehen anlässlich der Eröffnung im Dezember 2007. Doch nur wenige Monate danach musste die Klinik wegen Geldnot geschlossen werden.

Schuld daran sei die UBS, so Bircher. «Unter Kündigungsandrohung erhöhten sie den Zins von 3,5 auf 5,9 Prozent», heisst es im Communiqué. Um den Klinikbetrieb zu ersticken, habe die UBS eine sechsstellige Amortisationsrückzahlung gefordert. «Da das Ersticken noch immer nicht gelang, verloren sie die Geduld und forderten die Rückzahlung der Hypothek von 4 Millionen Franken innert Monatsfrist», so das Communiqué weiter.

Langfristiger Erfolg angestrebt

Wie genau die Zinserhöhungen begründet wurden, und wieso die UBS die Rückzahlung des Geldes innerhalb von nur einem Monat verlangt hatte, wollte Bircher auf Anfrage der «Nordwestschweiz» nicht sagen. «Ich will mit Ihnen nicht darüber reden», sagt Bircher. Der Journalist einer anderen Zeitung würde sich um den Fall kümmern.

Die UBS konnte wegen des Kundengeheimnisses keine Auskunft geben, teilte aber Folgendes mit: «Ohne auf den Einzelfall einzugehen, teilen wir gemeinsam mit unseren Kunden generell das Ziel, ihren langfristigen Erfolg anzustreben und sie auf diesem Weg zu unterstützen.» Wie Recherchen nahelegen, scheint Bircher nicht ganz unschuldig zu sein, dass es nun zur Zwangsversteigerung kommt.

Meistens Liquiditätsprobleme

«Ein Kredit wird nur dann von einer Bank gekündigt, wenn ein Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann», sagt der Kreditspezialist einer Schweizer Bank, der anonym bleiben will. Die häufigsten Gründe für solche notleidende Kredite seien Liquiditätsprobleme aufgrund strategischer Managementfehler. «Oft wird das Potenzial von Produkten falsch eingeschätzt, Kunden bleiben aus oder sie zahlen nicht den Preis, den man will», so der Kreditspezialist.

«Fondation in Liquidation»

Bircher schreibt in seinem Communiqué zwar, dass das Geschäft florierte. Die Patienten seien aus der ganzen Welt gekommen. «Im ersten Halbjahr erzielte die Klinik einen Gewinn von 150000 Franken», heisst es im Communiqué. Offenbar reichte das aber nicht. Im Oktober 2011 hat das Gericht von La Broye und vom nördlichen Waadtland den Konkurs über die Klinik und ihre Eigentümerin, die Fondation Lilli & Andres Bircher, verhängt. «Fondation in Liquidation», stand dann im Schweizerischen Handelsamtsblatt.

Dass eine Klinik für alternative Medizin heute wirtschaftlich einen schweren Stand hat, ist für Michael Nawrath, Pharmaanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, völlig klar. «Die Schulmedizin hat mit der zielgerichteten Medikamentenentwicklung und der Antikörperforschung in den letzten Jahren massive Fortschritte gemacht und den Abstand zur Alternativmedizin vergrössert», sagt Nawrath. Entsprechend operiere die alternative Medizin in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld. «Die Hürden zum wirtschaftlichen Erfolg für die Alternativmedizin sind in den letzten Jahren stark erhöht», so Nawrath.

Bircher sieht das offenbar anders. «Die Stiftung Lilli & Andres Bircher hat ihre wirtschaftliche Kraft bewiesen», heisst es im erwähnten Communiqué. Die Website Bircher-Benner.com spricht allerdings eine andere Sprache: «Jetzt spenden – wir danken für Ihre Unterstützung», war dort gestern zu lesen.