Konjunktur

Die Auftragsbücher werden wieder dicker: Kommt jetzt die Trendwende?

Zahlreiche Indikatoren signalisieren derzeit einen wirtschaftlichen Erholungsschub. Die aktuellen Zahlen weisen darauf hin, dass das Vertrauen in die Wirtschaft wieder wächst.

Die Schweizer Konsumenten verhalten sich zwar noch wenig euphorisch. So zeigt der gestern vom Staatssekretariat Wirtschaft (Seco) publizierte Stimmungsindex für den Monat Juli eine leichte Schwäche. Doch seit dem absoluten Stimmungstief in der zweiten Jahreshälfte des Krisenjahrs 2008 ist der Trend klar positiv.

Dass sich in der aktuellen Umfrage ausgerechnet die Aussicht auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung etwas eingetrübt hat, ist eher irritierend. Denn gerade in den letzten Tagen wurden zahlreiche Konjunkturindikatoren veröffentlicht, die auf einen Beginn der realwirtschaftlichen Erholung hindeuten könnten. Doch in der Stimmung der Konsumenten schlägt sich das gewöhnlich mit einer gewissen Verzögerung nieder. Das heisst: Sie sind kein guter Indikator für das, was uns wirtschaftlich in den kommenden Monaten und Quartalen bevorstehen wird.

Ein besserer Vorlaufindikator sind sogenannte Einkaufsmanager-Indizes. Sie werden weltweit erhoben und bilden die Einschätzungen von verantwortlichen Firmenlenkern bezüglich zentraler wirtschaftlicher Grössen wie Lagerbestände, Eingangs- und Auftragsvolumen oder der Situation auf dem Arbeitsmarkt ab. In der Schweiz hat sich hier im Wonnemonat Juli eine klare Entspannung ergeben: Der Index erreichte mit einem Stand von 57,4 Zählern den höchsten Stand seit der Eskalation der Schuldenkrise in Europa im Sommer 2011.

US-Geldpolitik scheint aufzugehen

«Nicht nur die Produktion konnte markant gesteigert werden, sondern auch die Auftragsbücher wurden dicker», hiess es im begleitenden Communiqué der Credit Suisse und des Fachverbandes Procure.ch.

Als Exportnation ist für die wirtschaftliche Situation in der Schweiz vor allem der Konjunkturverlauf im Ausland massgebend. Speziell derjenige von Deutschland und den Vereinigten Staaten. Die beiden Staaten haben im vergangenen Jahr Schweizer Waren für 40 respektive 22 Milliarden Franken eingeführt und waren damit die wichtigsten Exportmärkte für die Schweiz.

Aus beiden Nationen erreichen uns derzeit ebenfalls erfreuliche Nachrichten. So haben die deutschen Industrieunternehmen im Juni 3,8 Prozent mehr Aufträge erhalten als im Monat zuvor. Erfreulich war vor allem, dass erstmals seit Februar die Bestellungen aus dem deutschen Inland zugenommen haben. «Dies und die steigenden Stimmungsindikatoren machen Hoffnung, dass die lähmende Unsicherheit über die Zukunft des Euroraums langsam nachlässt», so das Wirtschaftsresearch der Commerzbank.

Zwar sind die klammen südeuropäischen Volkswirtschaften immer noch weit von einem wirtschaftlichen Aufschwung entfernt. Doch auch hier gibt es positive Signale. Insbesondere zeigten zuletzt die Zinsen für Unternehmenskredite nach unten. In Italien, Spanien, Portugal und Zypern fielen sie im Juni auf den tiefsten Stand dieses Jahres. Damit scheint sich die ultraexpansive Tiefzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) doch auch allmählich in der Realwirtschaft auszuwirken.

Beobachter äusserten bis vor kurzem immer wieder Zweifel an der Nachhaltigkeit der europäischen Krisenpolitik, mit dem Hinweis, dass die hohen Zinsen für Unternehmenskredite Gift für die die Konjunktur stimulierenden Investitionen seien. «Möglicherweise haben wir erste Anzeichen, dass das Vertrauen in der Realwirtschaft ankommt», so EZB-Chef Mario Draghi Anfang August anlässlich einer Pressekonferenz.

In diese Richtung sind auch die erneut gestiegenen Börsennotierungen zu interpretieren. So erreichte der US-Aktienindex Dow Jones in den vergangenen Tagen ein neues Allzeithoch. Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed scheint aufzugehen: Nachdem sie den Markt mit Dollars geflutet hat, schwächte sich die US-Währung massiv ab, und mit der zu erwartenden Verzögerung sorgt die Zunahme der US-Exporte nun für die Einengungen des Handelsbilanzdefizits.

Übernimmt Amerika die Führung?

Das heisst: US-Unternehmen verkaufen ihre Waren wegen des billigen Dollars in der Welt wieder besser als zuvor. Das wird sich auch günstig auf die Arbeitslosenrate und die Konsumentenstimmung in den USA auswirken, was letztlich das Bruttoinlandprodukt der USA steigen lassen wird, da die US-Konsumenten für rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten verantwortlich sind.

Das heisst: Die USA könnten die Chinesen als globale Konjunkturlokomotive bald wieder ablösen. Das ist auch umso mehr zu begrüssen, als Chinas Einkaufsmanager-Index im Juli bereits zum fünften Mal in den letzten zwei Jahren auf ein Schrumpfungsniveau gefallen ist. Chinas Wirtschaft dürfte demzufolge also weiter an Fahrt einbüssen.

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