Alu

«Die Alu zehrt von ihrem Ruf»

Carola Hitz: Seit Abschluss der Kantonsschule arbeitet sie in der Auftragszentale der Alu Menziken. Peter Siegrist

Carola Hitz

Carola Hitz: Seit Abschluss der Kantonsschule arbeitet sie in der Auftragszentale der Alu Menziken. Peter Siegrist

Der Alu geht es schlecht, sagt Carola Hitz. Leiden müssten darunter vor allem die Mitarbeiter.

Aline Wüst

«Früher war die Alu eine Riesensache», sagt Carola Hitz (24) «und irgendwie hat sie das
Image immer noch.» Trotzdem ist die Alu nicht mehr die Firma, die sie einst war.
Carola Hitz arbeitet gerne in der Alu Menziken. Sie mag es, sorgfältig und nach Normen zu arbeiten. In der Auftragszentrale der Aerospace kann sie diese Fähigkeiten einbringen und im Kontakt mit internationalen Kunden ihre verschiedenen Sprachkenntnisse pflegen.

Die jüngste Vergangenheit der Aluminium fasst sie sachlich und präzise in Worte und doch merkt man, dass die Ereignisse sie nicht kaltlassen. Es begann vor einem Jahr, als die Geschäftsleitung den Mitarbeitern der Aerospace eine Mitarbeiterbeteiligung versprach, erzählt Hitz. Kurze Zeit später wurde das Versprechen zurückgezogen.

Der Grund dafür: Die Extrusion, die andere Unternehmenseinheit neben Aerospace, steckte in den roten Zahlen. Daher entfiel die bereits in Aussicht gestellte Beteiligung. «Die Motivation litt nach dieser Nachricht.» Es war weniger das Geld als die Kommunikation, an der sich Hitz störte. Kurz darauf wurden 14 Mitarbeiter der Aerospace entlassen. «Das war schlimm, aber ich dachte, das können wir verkraften», sagt Hitz.

Die Ein-Frau-Abteilung

Schon kurze Zeit später kam dann der «Megahammer»: Die Geschäftsleitung teilte mit,
dass alle eine Lohnkürzung von 10 Prozent hinnehmen müssen und 70 Stellen gestrichen werden. Carola Hitz war wütend über die Mitteilung und spricht von strategischen Fehlentscheidungen für den Standort Schweiz. Viele, die den blauen Brief erhielten, fragten sich, ob sie einmal etwas Falsches gesagt haben oder zu laut Kritik am Arbeitgeber übten.

«Wenn dem so wäre, wäre ich schon lange geflogen», sagt Hitz. Sie hatte nie Angst um ihre Stelle. Aus dem Grund, dass bereits bei den ersten Entlassungen vom Dreierteam, das für die Auftragsabwicklung zuständig war, nur sie übrig blieb. Krank werden darf sie nicht, denn einen gleichwertigen Stellvertreter gibt es nicht mehr.

Schreckgespenst Rumänien

«Ich bin ein Typ, der Beständigkeit schätzt. Ich habe nicht gerne Neues», sagt Hitz. Sie möchte gerne noch lange bei der Alu arbeiten und vielleicht einmal eine leitende Funktion übernehmen. Und doch befürchtet sie, dass sie ihr 20-Jahr-Jubiläum wohl nie bei der Alu feiern können wird. Grund dafür sind zwei «Schreckgespenster», die ihre Arbeitsstelle überschatten: Rumänien und die Krise. Mit dem neuen Werk in Rumänien will die Alu grössere Marktanteile erschliessen.

«Wir sind zu teuer im Vergleich zu Rumänien» sagt Hitz. Wenn das Werk in Rumänien laufe, werde die Produktion der Halbzeuge heruntergefahren. Ausgeweitet werde dafür der Bauteilbereich und auch der Kundenkontakt bleibt in der Schweiz. Seit der zurückgezogenen Beteiligung ist sie kritischer geworden. «Was mitgeteilt wird, nehme ich auf und wäge es für mich ab», sagt Hitz.

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