Ausland

Deutsches Billigbier bedroht Schweizer Brauereien

Besonders beliebt: Dosenbier aus Deutschland

Deutsches Billigbier ist bei Schweizern besonders beliebt

Besonders beliebt: Dosenbier aus Deutschland

Das kühle Blonde in Schweizers Hand stammt immer öfters aus dem Ausland. Besonders beliebt ist der deutsche Gerstensaft. Weil Discounter wie Aldi und Lidl diesen zu Spottpreisen verkaufen, leiden Schweizer Biermarken.

Jessica Pfister

Es ist paradox: Während lokale Bierbrauereien wie Pilze aus dem Boden schiessen, verzeichnet die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) beim Import von ausländischem Bier Rekordzahlen. Noch nie wurde in der Schweiz soviel ausländisches Bier importiert wie 2009. Der Marktanteil liegt derzeit bei 21 Prozent, wie die EZV heute mitteilte.

In der Schweiz werden jährlich pro Einwohnerin und Einwohner rund 57 Liter Bier getrunken. 12 Liter davon sind Importbier - die Hälfte davon kommt aus Deutschland. Gefolgt wird das deutsche Bier von französischem und portugiesischem, die zusammen nochmals rund 30 Prozent des Bierimports in die Schweiz unter sich teilen

«Schweizer Markenbiere unter Druck»

Sorge bereitet der steigende Importverbrauch vor allem den grossen Schweizer Brauereien. «Die Schweizer Markenbiere sind unter Druck», sagt Markus Werner von der Feldschlösschen Group, die unter anderen Cardinal und das gleichnamige Feldschlösschenbier vertreibt. Das Unternehmen verzeichnete bei Schweizer Marken im letzten Jahr einen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent.

Wo liegen die Gründe für diesen Importboom? «Ein Punkt ist sicherlich die Verschiebung des Konsums weg von der Beiz, wo mehrheitlich Schweizer Bier getrunken wird, hinein in die Stube», sagt Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands. Neben den Rauchverboten sei die Wirtschaftslage dafür verantwortlich, dass die Bierliebhaber zum günstigeren Importbier beim Detailhändler um die Ecke greifen würden.
Ein weitere Ursache ist die Zuwanderung aus den EU-Ländern: «Ein Deutscher will beispielsweise auch in der Schweiz das Bier aus seiner Heimat trinken», so Kreber.

Bier unter einem Franken

Hinzu kam im letzten Jahr laut dem Brauereiverbands-Direktor der verstärkte Auftritt der Harddiscounter wie Aldi und Lidl in der Schweiz.«Mit den Discountern entstand zusätzlicher Druck auf die Bierpreise.»

Ein Beispiel: Während Szenelokale 0,3 Liter deutsches Becksbier für einen Preis zwischen 8 und 10 Franken verkaufen, kostet bei Denner die 0,5-Liter-Dose von Becks 1.40 Franken. Vergleichbares Feldschlösschen Premium-Bier wird bei der Migros-Tochter Denner zu 2 Franken je 0,5-Liter-Dose verkauft. Bei Aldi und Lidl gibt es deutsches Standard-Dosenbier in derselben Masseinheit bereits unter einem Franken.

Umgekehrter Trend bei Coop

Gute Nachrichten gibt es aber für die kleineren, regionalen Schweizer Bierbrauer. «Bei uns geht die Entwicklung klar in Richtung regionale Biere», sagt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Der Anteil an ausländischen Bieren betrage seit 2005 konstant 30 Prozent. «Der Umsatz der regionalen Biere hat hingegen zugenommen», so Stadler. Wieviel könne man zur Zeit nicht beziffern. Coop hat inzwischen 100 regionale Bieresorten im Segment.

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