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Deutscher verklagt UBS: «Diese Bank ist eine Spielhölle»

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Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz steht nicht zum Besten. Und es drohen weitere Kratzer: Ein Kunde der UBS hat die Bank wegen Angeboten zur Steuerhinterziehung verklagt.

Vor zwei Jahren war der Deutsche H. S. noch ein schwerreicher Mann. Sein Vermögen bei der UBS belief sich 2008 auf rund 50 Millionen Euro. Im Strudel der Finanzkrise wurden daraus innerhalb weniger Wochen zwischenzeitlich 250 Millionen Euro Verlust. Heute soll der Deutsche der UBS gar noch rund sieben Millionen Euro schulden.

Doch der Multimillionär, der lange in Südamerika tätig war, sieht sich betrogen. Jetzt packt er aus und redet über die Aktionen der Bank: «Ich hätte niemals gedacht, dass die UBS eine Spielhölle ist», sagt der Grossunternehmer und schickt seine Anwälte los - es könnte für die Bank eine teure und äussrst peinliche Auseinandersetzung werden.

Bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft hat der Unternehmer Strafanzeige gegen das Management der deutschen UBS-Filiale eingereicht. Die Hauptvorwürfe: Betrug, Untreue, versuchte Nötigung. «Die Bank hat das Depot ohne Wissen des Kunden in eine Art Hedge-Fonds verwandelt», sagt Johannes Fiala, ein Anwalt des Unternehmers. «Das war graue Vermögensverwaltung.»

Täglich bis zu 1500 offene Optionen

Das Verlustrisiko sei ins Unendliche gesteigert worden, während Banker das Vermögen des Deutschen hektisch rund um den Globus jagten. Ein einziger UBS-Banker habe mit dem Geld täglich bis zu 1500 offene Optionen gehandelt, so der Anwalt. Dabei habe Sielert nur einen Beratungsvertrag mit der Bank geschlossen und keinen Vermögensverwaltungskontrakt.

«Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit Bankenrecht, aber derartige Systemfehler in einer Bank sind mir noch nicht untergekommen», sagt Anwalt Fiala. Für ihre Tätigkeit habe die Bank jährlich rund eine Million Euro an Gebühren kassiert. Jetzt ist alles Geld weg. Man glaube nicht einmal, dass die Rechnungslegung der Bank korrekt sei, sagt der Anwalt.

Die Überprüfung wird schwierig: Für einzelne Tage gibt es mehr als 100 Seiten Kontoauszüge.

Ob die Bank es auf einen langen Rechtsstreit ankommen lässt ist fraglich, denn die Anwälte haben noch mehr Pfeile im Köcher: «Wir stehen in Kontakt mit ehemaligen UBS-Mitarbeitern und Kunden, denen es ähnlich ergangen ist», sagt Fiala. Die UBS könne davon ausgehen, dass es Informanten gebe, die brisante Bank-Interna auspacken wollen.

Gravierende Probleme im Handel

Sielerts Forderung nach dem Ausgleich seiner Anlageverluste weise die UBS Deutschland AG zurück, teilt die Bank mit. Doch die Nervosität steigt, denn es ist ein interner Bank-Report an die Öffentlichkeit gelangt, der der FR vorliegt. In dem geheimen Papier heisst es, die UBS habe 2008 mit «gravierenden Problemen im Handel» zu kämpfen gehabt, weil sie «nicht mehr in der Lage war, die überwältigende Zahl von Aufträgen zu bewältigen».

Zu den Vorwürfen habe die UBS eine interne Untersuchung eingeleitet, teilt die Bank mit. Sollten sich diese erhärten, werde man Massnahmen ergreifen.

Die Frankfrurter Staatsanwaltshaft bestätigte laut der Zeitung «Frankfurter Rundschau» den Eingang der Anzeige. (cls)

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