Coronavirus

Detailhandels-Angestellte sollen keine Maske tragen

In der Berner Traditionsbäckerei Bohnenblust trägt das Personal einen besonderen Schutz.

In der Berner Traditionsbäckerei Bohnenblust trägt das Personal einen besonderen Schutz.

Im Detailhandel gilt keine Tragepflicht – obwohl sich die vom Bund vorgegebenen Abstandsregeln nicht immer einhalten lassen.

Wer derzeit in einer Filiale der Berner Traditionsbäckerei Bohnenblust ein Brötchen kauft, der dürfte stutzig werden: Das Personal ist mit speziellen Schutzmasken ausgestattet. Es trägt einen Kopfschutz mit Plexiglasscheibe vor dem Gesicht (Bild oben): «Eigentlich sind das Schutzmasken für Arbeiter, die mit einer Motorsäge hantieren», klärt Mitinhaberin Ruth Huber auf. Das gewählte Modell sei für die knappen Platzverhältnisse hinter der Theke eine gute Lösung und schütze sowohl Kunden als auch Angestellte. Die Angestellten hätten positiv reagiert: «Die Schutzmasken sind bequem und verrutschen nicht. Wir tragen sie problemlos mehrere Stunden», sagt Huber. Die Kunden staunten zwar über die Masken, kläre man sie auf, zeigten sie aber viel Verständnis, sagt Huber.

Im Detailhandel schreiben nur wenige Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden mit Kundenkontakt vor, bei der Arbeit eine Schutzmaske zu tragen. Dania Meier (Name geändert) hat sich bei CH Media gemeldet, weil die Detailhandelassistentin bei ihrer Arbeit in einer Filiale der Migros Aare keine Schutzmaske tragen dürfe. «Dabei halten die Kunden oft die Abstandsregeln nicht ein. Während ich ein Regal einräume, drängen sie sich neben mich und greifen sich ein Produkt oder sie kommen bei Fragen ganz nahe an uns heran», erzählt sie. Mehrere Kolleginnen und Kollegen hätten darum die Leitung gebeten, eine Maske tragen zu dürfen. «Das wurde uns jedoch verboten», ärgert sich Meier.

Wer eine Hygienemaske tragen will, muss sie selber mitbringen

Auf Anfrage bestreitet die Migros Aare, dass es verboten sei, während der Arbeit eine Maske zu tragen. «Die Migros Aare hält sich an die Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und schützt ihre Mitarbeitenden durch das Einhalten der empfohlenen Hygienemassnahmen», sagt Sprecherin Andrea Bauer. Das Tragen von Masken werde vom BAG für Mitarbeitende im Detailhandel nicht empfohlen, daran halte man sich bei allen Migros Genossenschaften. «Eine Schutzmaske zu tragen, ist nicht verboten», betont sie. Jedoch: Wer eine Maske tragen will, der muss sie selber mitbringen. Die Migros stelle keine zur Verfügung.

Auch Coop richtet sich nach den Bundesvorgaben. «Diese sehen aktuell keine Maskenpflicht vor», schreibt Sprecherin Rebecca Veiga. Es bestehe bei Coop auch keine Tragepflicht von Handschuhen – weder für die Mitarbeitenden noch für die Kunden. «Laut BAG trägt dies nicht dazu bei, das Übertragungsrisiko zu senken.» Mitarbeitende, die dies trotzdem möchten, stehe es frei, Handschuhe zu tragen. Auch Schutzmasken seien nicht verboten. Wünschten Angestellte eine solche, suche man gemeinsam nach einer Lösung.

Anders geht Österreich vor: Die Menschen müssen künftig eine Schutzmaske beim Einkaufen tragen. Das ordnete Bundeskanzler Sebastian Kurz gestern an. Die Regel gilt für die Mitarbeitenden, aber auch für die Kunden. Masken sollen gegen eine geringe Gebühr an den Eingängen der Geschäfte verkauft werden. Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel findet das Modell Österreich gut: «Im Detailhandel empfiehlt sich das Tragen einer Maske – gerade für Angestellte, die direkten Kontakt mit Kunden haben», sagt die Präsidentin der Gesundheitskommission des Nationalrats. Zurückhaltender geben sich die Gewerkschaften. Da die Expertenmeinungen auseinandergehen würden, sei es schwierig, eine generelle Aussage für sämtliche Angestellten zu machen, sagt Dieter Egli von der Syna. «Der Arbeitgeber sollte aber tolerant sein, wenn jemand sich freiwillig mit einer Schutzmaske schützen möchte.»

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Autor

Roman Schenkel

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