Ruedi Mäder

Das Heer der KMU bildet traditionell eine strategische Domäne der regional tätigen Banken und Kantonalbanken. Doch das soll sich schon in naher Zukunft ändern: Namentlich die beiden Grossen UBS und Credit Suisse wollen ihre Präsenz auf diesem Feld markant ausbauen.

Der Fall der «KMU-Bank» UBS

Lauter als auch schon nimmt die UBS heute für sich in Anspruch, auch «eine KMU-Bank» zu sein. Ausgerechnet die UBS? «Es stimmt, dass die UBS in der Öffentlichkeit zu wenig als KMU-Bank wahrgenommen wurde», räumt Fulvio Micheletti, Leiter Unternehmenskunden UBS Schweiz, ein. Die Fakten zeigten jedoch ein anderes Bild: «Von allen KMU haben 40 Prozent eine Geschäftsbeziehung zu uns. Im privaten und geschäftlichen Zahlungsverkehr belegt die UBS Platz zwei» (hinter der Post).

Diese UBS zeigt sich hungrig: «Heute ist die Bedeutung des Heimmarktes für uns grösser denn je. Das Schweizer Geschäft ist ein wichtiger und stabiler Ertragspfeiler. Unser Ziel ist ein starker Ausbau des KMU-Geschäfts», ergänzt Micheletti. Seit einigen Monaten verzeichnet die UBS im KMU-Geschäft wieder einen Nettozuwachs. Allein seit dem Herbst konnten 5000 neue Kunden gewonnen werden. Dabei entfiel der grösste Teil auf Neugründungen.

Die Credit Suisse hat ihre Ambitionen im Segment Grosskunden – Börsenkotierte und ausgewählte Marktleader – bekräftigt. «Wir wollen unsere starke Marktstellung weiter ausbauen, um die Nummer 1 zu werden», erklärte Hans Baumgartner, Leiter KMU Credit Suisse. Baumgartner bestätigt, dass KMU heute «mehr denn je umworben» seien. Die CS ihrerseits wolle auch für Kleinfirmen mit bis zu zehn Mitarbeitern «vermehrt der bevorzugte Finanzpartner werden».

Im laufenden Jahr bewegt sich die Zahl der Neukunden bisher «im vierstelligen Bereich». Wie bereits 2009 sei das Volumen der Kredite für KMU bisher auch 2010 trotz der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung stabil geblieben. Demgegenüber konnte die zur CS gehörende Neue Aargauer Bank ihr KMU-Kreditvolumen 2009 um rund 6 Prozent steigern; die positive Tendenz setzte sich gemäss NAB-Sprecherin Marlies Hürlimann 2010 fort.

Von Speck und Mäusen

Seit einigen Monaten offeriert die UBS jedem neuen Kunden ein Jahr lang gratis ein Paket mit den Basisdienstleistungen Kontokorrent, Zahlungsverkehr, Online-Banking und Kreditkarte. Seit 1. Juli 2010 sind pro Monat bis zu 500 Aufträge im elektronischen Zahlungsverkehr gebührenfrei. Darauf angesprochen, meinte Marianne Wildi, Chefin der Hypothekarbank Lenzburg (HBL): «Unsere Kunden sind kritisch denkende Menschen, die sich nicht wie Mäuse mit Speck fangen lassen.» Der sehr starke Konkurrenzdruck könnte allmählich zu- lasten der bisherigen Qualität gehen. Wildi erinnert daran, dass heute alle Banken über hohe Liquidität verfügten, die sie risikogerecht investieren möchten.

Marco Sauser, Direktionsmitglied der Baloise Bank SoBa in Solothurn, betont, bei den über 3500 «Vertrauenskunden» spüre man bisher nichts davon, dass eine UBS seit einigen Monaten offensiver agiere. Um sich im gesättigten KMU-Markt zu positionieren, brauche es einen Mehrwert. Der Preis allein sei nicht ausschlaggebend. Ähnlich lautet der Tenor bei Staatsinstituten. Beispiel Aargauische Kantonalbank: «Wir bauen unsere Position im KMU-Bereich seit Jahren markant aus, und insbesondere seit der Finanzkrise hat sich dieser Trend deutlich verstärkt», resümiert Direktionspräsident Rudolf Dellenbach. Allerdings sei die Margenerosion massiv und um gute Kundenpositionen werde «bis aufs Letzte gekämpft».