Bioland Schweiz

Deshalb stehen Schweizer auf Discount-Bio

Bio-Produkte sind in der Schweiz gefragt

Bio-Produkte sind in der Schweiz gefragt

Jedes fünfte Ei, das in der Schweiz verkauft wird, stammt aus biologischer Produktion. Trotz Bio-Boom bei Aldi & Co. verweigert ihnen Bio Suisse die Knospe – noch.

Jedes fünfte Ei, das in der Schweiz verkauft wird, stammt aus biologischer Produktion. Doch auch Frischprodukte wie Gemüse und Früchte sowie Fleisch und Convenience-Produkte sind der grosse Renner im Bioland Schweiz.

Das zeigen die neusten Zahlen von Bio Suisse, der Vereinigung schweizerischer biologischer Landbau-Organisationen und Eigentümerin der Marke «Knospe», die gestern bekannt wurden.

Der Gesamtumsatz biologisch produzierter und verarbeiteter Güter im Jahr 2014 stieg auf 2,2 Milliarden Franken – das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur gerade beim Bio-Brot oder beim Bio-Käse wird weniger abgesetzt.

Rund zwei Drittel aller Bio-Produkte werden hierzulande bei Coop und Migros verkauf. Die Grossverteiler legten um 2,5 respektive 14,8 Prozent zu.

Erstaunlich ist, dass auch der unter dem Stichwort «übriger Detailhandel» geführte Bereich gegenüber dem Vorjahr um 30,7 Prozent gewachsen ist. Dazu gehören die beiden Discounter Aldi Suisse und Lidl Schweiz, wie Daniel Bärtschi, Geschäftsführer von Bio Suisse, bestätigt.

Die beiden deutschen Discounter, die mit ihren Tochter-Unternehmen seit 10 respektive 6 Jahren in der Schweiz präsent sind, führen laut eigenen Angaben bereits heute Waren im Sortiment, die nach Vorgaben von Bio Suisse produziert werden. Doch sie dürfen diese Artikel nicht mit der «Knospe» auszeichnen. Das soll vorerst auch so bleiben: «Noch haben die Discounter nicht alle Vorgaben der Distributionspolitik erfüllt», sagt Jürg Schenkel, Marketingleiter von Bio Suisse, gegenüber der  «Nordwestschweiz».

Die Vorgaben würden unter anderem ein langfristiges Engagement für den Bio-Landbau vorsehen, zum Beispiel in Form von Investitionen in die Forschung, so Schenkel weiter.

Ebenso gehöre ein repräsentatives, umfassendes Sortiment mit Bioprodukten dazu. Dies sei für Discounter schwierig zu erfüllen, bestätigt auch Daniel Bärtschi. Denn die Discounter verfügten nur über ein eingeschränktes Sortiment. Mit anderen Worten: Aldi und Lidl können also Markenartikel mit der Knospe verkaufen, sie dürfen jedoch bei eigenen Produkten wie Eiern oder Salaten nicht damit werben.

Aldi mit eigenem Bio-Label

Schon seit 2008 ist Aldi mit Bio Suisse im Gespräch. Aldi sei bereit, der Forderung von Bio Suisse nach einem verstärkten finanziellen Engagement im Bio-Landbau nachzukommen, sagt Aldi-Mediensprecher Philippe Vetterli.

Genützt habe es nichts. Deshalb hat Aldi im November nun ein eigenes Label, «Nature Suisse Bio» lanciert. Die meisten Produkte unter diesem Label würden von Knospe-zertifizierten Bio-Betrieben hergestellt, sagt Vetterli.

Der Anteil an Bio-Produkten liegt bei Aldi schon heute zwischen vier und sechs Prozent, Tendenz steigend. «Das Bedürfnis von Kundinnen und Kunden nach Bio-Produkten ist spürbar», so der der Aldi-Sprecher weiter.

«Wir sehen die Entwicklung bei Aldi positiv», sagt dazu Daniel Bärtschi von Bio Suisse, denn es sei ein Bekenntnis zu Schweizer Bio-Rohstoffen und fügt an: «Wir finden es gut, wenn Discounter Schweizer Bio-Rohstoffe einkaufen und verarbeiten.»

Schlussendlich gehe es auch darum, dass die Produkte abgesetzt werden können. Für gewisse Produzenten seien Discounter eben ein möglicher Kanal, aber nicht der einzige. Dass Discounter gegenüber dem Vorjahr einen grossen Schritt nach vorne gemacht haben, begründet Daniel Bärtschi unter anderem mit der Eröffnung neuer Filialen.

Gespräche nicht auf Eis gelegt

Obwohl Bio Suisse Aldi seit Jahren die Knospe verweigert, sollen die Gespräche weitergeführt werden. Man sei nach wie vor an der Auslobung der Bio-Produkte mit dem Knospe-Label interessiert, lautet es vonseiten Aldis. Dies, weil ein unabhängiges Bio-Label dem Endverbraucher eine bessere Orientierung ermöglichen würde. «Wir haben einen guten Dialog und sehen gewisse Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten», sagt Bio-Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi. Wohin diese Gespräche führen, sei im Moment offen.

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