Milchexport
Deshalb lieben die Asiaten unsere Milch

Emmi profitiert vom wachsenden Milchkonsum in Ostasien. Seit letztem Jahr ist der Milchverarbeiter in den Supermärkten präsent – mit Erfolg. Nun will auch ein Nordostschweizer Konkurrent Milch nach China verkaufen.

Peter Burkhardt
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Das berühmte Hongkonger Tram wirbt seit letztem Jahr für Emmi-Milch. HO

Das berühmte Hongkonger Tram wirbt seit letztem Jahr für Emmi-Milch. HO

Lohnt es sich, Milch aus der Schweiz nach Ostasien zu transportieren und sie in ausgewählten Supermärkten feilzubieten? Offenbar ja. «Mit Erfolg verkauft Emmi hochwertige Schweizer Milch in Asien», schreibt der Luzerner Milchverarbeiter in seiner Mitarbeiterzeitschrift.

Als Erstes startete Emmi den Milchverkauf in Hongkong. Seit Mai 2011 ist dort die «Swiss Premium Milk» von Emmi zu haben. Ein Liter UHT-Milch kostet umgerechnet 3Franken. Zur Ankurbelung der Verkäufe kurvt eines der berühmten Doppelstocktrams im Emmi-Design durch die Stadt.

Dies mit Erfolg, wie ein Blick auf die Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigt: Im vergangenen Jahr verzwanzigfachte sich der Schweizer Milchexport nach Hongkong von 12000 Litern im Vorjahr auf nunmehr über 253000 Liter. Gemäss den Recherchen ist diese Entwicklung fast ausschliesslich auf Emmi zurückzuführen.

Milchexport in Länder, die eigentlich keine Milchtradition haben

Seit Oktober ist Emmi-Milch auch im restlichen China, in Singapur und in den Philippinen erhältlich, seit Anfang dieses Jahres zudem in Vietnam und Malaysia. Insgesamt stiegen die Exporte von Schweizer Milch nach Asien im vergangenen Jahr auf 335000 Liter. Als Nächstes will Emmi den Verkauf in Indonesien starten, sobald die Lizenzen für den Import vorhanden sind.

«Schweizer Milch ist in Asien beliebt», sagt Patrick Diss, der Exportverantwortliche von Emmi. Als einen der Hauptgründe nennt er die verschiedenen Milchskandale in China, die das Vertrauen der Konsumenten in einheimische Milch nachhaltig zerstörten.

2008 waren sechs Säuglinge gestorben und rund 300000 Kinder erkrankt, nachdem chinesische Molkereien dem von ihnen verkauften Milchpulver den Kunststoff Melamin zufügten. Viele Eltern weigern sich seither, ihren Babys Milch von chinesischen Verarbeitern zu geben. Emmi profitiert davon.

Neue Konsumgewohnheiten sind der Grund

In den Wachstumsmarkt Asien will nun auch die Ostschweizer Milchproduzenten-Organisation Nordostmilch AG einsteigen. Seit vergangenem Jahr exportiert ihre eigens für den asiatischen und den arabischen Markt gegründete Tochtergesellschaft Swissmooh kleine Mengen Käse nach China und Thailand. Abnehmer sind Hotels, Restaurantketten und Warenhäuser.

«In China sehen wir auch Chancen mit Milch», sagt Geschäftsführer René Schwager. «Es gibt ein extremes Wachstum des Milchbedarfs.» Nebst den Milchskandalen führt dies Schwager auf neue Konsumgewohnheiten und die gezielte Förderung des Milchkonsums durch die chinesische Regierung zurück.

Der Wettbewerb unter den Anbietern in China habe in den letzten Monaten zugenommen, sagt Schwager. Am aktivsten sind dort australische, neuseeländische, deutsche und französische Milchverarbeiter. Zum Teil betreiben sie in Festland-China eigene Molkereien.

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