Gutes Ergebnis
Derzeit stimmt die Mischung in der Schweizer Biotech-Industrie

Die kleine bis mittelgrosse Schweizer Biotech-Industrie befindet sich in moderatem, aber stetigem Wachstum. Ein Bericht über das vergangene Jahr zeigt, dass Umsatz, Investitionen, Zahl der Unternehmen und Stellenzahl gestiegen sind.

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Auch eine Firma aus Krakau war präsent: Laborantin der Selvita, Polen, die auch für die Schweizer Industrie arbeitet.

Auch eine Firma aus Krakau war präsent: Laborantin der Selvita, Polen, die auch für die Schweizer Industrie arbeitet.

zvg

Die Schweizer Biotech-Branche hat 2014 Umsatz, Kapitalinvestitionen und Anzahl Mitarbeitende klar gesteigert. Das zeigt der gestern im Rahmen der Biotech Days in Basel vorgestellte Bericht der Swiss Biotech Association (SBA). Die Eckpunkte:

Der Umsatz aller in der Schweiz domizilierten Biotech-Unternehmen betrug 2014 insgesamt 4,885 Milliarden und ist im Vergleich zum Vorjahr um 141 Millionen Franken gestiegen. (Im weltweiten Vergleich hält die Schweiz einen Marktanteil von nur wenigen Prozenten.)

Die Kapitalinvestitionen in die Biotech-Unternehmen sind gegenüber dem Vorjahr von 418 Millionen auf 719 Millionen Franken gestiegen. Ein grosser Anteil des Anstiegs ist den Börseneinführungen von Auris Medical an der US-Börse Nasdaq und von Molecular Partners an der Schweizer Börse zu verdanken.

Total 264 Unternehmen sind in der Schweizer Biotech-Branche aktiv, was auf einige Neugründungen und Ansiedelungen aus dem Ausland zurückzuführen ist. Im vergangenen Jahr sind 12 neue forschende Firmen entstanden; nur eine musste aufgeben.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden insgesamt knapp 400 neue Arbeitsstellen geschaffen. Damit beläuft sich die Zahl der Mitarbeitenden in der Schweizer Biotech-Branche auf über 14 000. Zusätzlich kommen von Zulieferern oder Dienstleistern der Branche etwa 25 000 bis 30 000 indirekte Stellen dazu.

Am Biotech-Tag haben sich die wichtigsten der kleinen Schweizer Biotech-Firmen versammelt – eine Leistungsschau und eine Kontaktplattform. Doch auch eine ausländische Firma, wie etwa die polnische Selvita, war zu entdecken. Sie stellt in Krakau Tabletten für die Basler «Big Pharma» und andere Schweizer Firmen her.

Unter Druck

Die chemische, pharmazeutische und biotechnologische Industrie ist schweizweit die grösste Exportbranche und steuerte im vergangenen Jahr 41 Prozent aller exportierten Waren bei. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar hat die Branche deshalb besonders stark getroffen. «Viele unserer Mitglieder sind KMU mit hohen Forschungs- und Personalkosten», erklärt SBA-Direktor Domenico Alexakis. «Wegen des starken Frankens mussten einige Unternehmen ihre Preise senken. Auf die Dauer kann das nicht aufgehen.»

Forschung reduzieren «fatal»

«Es wäre aber fatal, deswegen Forschungsausgaben zu reduzieren. Diese Sorge teilen auch die multinationalen Mitglieder im Verband.» Die Problematik wird zusätzlich durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative erschwert, denn für die Biotech-Branche ist der Zuzug von ausländischen Fachkräften absolut zentral. Zwar haben die Schweizer Biotech-Unternehmen auch 2014 die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene ausbauen können, aber durch die Annahme bleibt der Forschung nach wie vor der Zugang zu wichtigen Forschungsnetzwerken und Fachkräften verwehrt. Hier seien Lösungen der politischen Entscheidungsträger gefragt, finden die Biotech-Organisatoren. Die Vorschläge der Wirtschaftsverbände, eine Schutzklausel für die Zuwanderung aus EU und Efta-Staaten einzuführen und inländischen Arbeitskräfte besser zu nutzen, unterstützt die SBA.

Immer wieder Rückschläge

Die Branche war in den vergangenen Jahren geprägt von Auf und Ab. Der erste Boom von Biotech-Firmen entstand nach dem Erwerb der Roche-Beteiligung an Genentech. Einen ersten Einbruch gab es, als die US-Gesundheitsbehörde FDA nach dem Vioxx-Skandal die Zulassungsbedingungen verschärfte. Nach einem Zwischenhoch setzte der Biotech-Branche die Finanzkrise zu: Investoren wurden sehr zurückhaltend. Seit drei, vier Jahren ist die Situation wieder besser, seit kurzem dank der Geldschwemme sogar favorabel. Könnte das nicht dazu führen, dass wegen fehlender Anlage-Alternativen Investitionen in risikoreiche Projekte fliessen könnten? Jürg Zürcher, Biotech-Spezialist von der Beratungsfirma Ernst & Young, schliesst das nicht aus. «Aber das betrifft im Prinzip latent alle Branchen.»

Novartis-CEO Joe Jimenez sah das zuvor in einem Vortrag an der Tagung weniger dramatisch: Investoren würden heute die Branche besser verstehen und hätten ihre Erfahrungen gemacht.