Was mit einer Apotheke in Texas begann, ist heute ein Milliardenkonzern. Derzeit ist die Augenheilfirma Alcon noch Teil des Pharmakonzerns Novartis. Heute entlässt das Basler Unternehmen seine Tochter in die Selbstständigkeit. Alcon ist so gross, dass die Firma es auf Anhieb unter die 20 grössten börsenkotierten Firmen der Schweiz bringt.

Doch was macht Alcon, bislang eine von drei Divisionen von Novartis, eigentlich? Das Unternehmen ist grob gesagt in der Augenchirurgie und der Augenpflege tätig. Bei letzterem Geschäftsfeld handelt es sich insbesondere um Kontaktlinsen. Nach Johnson & Johnson ist Alcon der weltweit grösste Hersteller. Der Markt teilt sich je zur Hälfte auf Tageslinsen und wiederverwendbare Linsen auf. Bei den Kontaktlinsenpflegemitteln ist Alcon die Nummer eins, ebenso bei künstlichen Tränenflüssigkeiten für trockene Augen.

Neben dem Konsumgütergeschäft ist Alcon in der Augenchirurgie tätig. Grösster Bereich sind hier Verbrauchsmateralien für Operationen des grauen Stars. Das geht von Spritzen über Mikroskope bis hinzu massgeschneiderten Operationssets. Daneben stellt Alcon auch die entsprechenden Linsen her, welche für die Behandlung des grauen Stars nötig sind und die natürliche Linse ersetzen.

Leidvolles Kapitel für Novartis

Das breite Portfolio führe dazu, dass ein Mensch als Kunde während seines Lebens oft mehrmals mit Alcon in Kontakt komme, sei es in der Kindheit, während der aktiven Berufszeit oder im Alter, schreibt die Zürcher Kantonalbank in einer Analyse. Alcon ist seiner heutigen Form denn auch nicht der Pharmaindustrie, sondern der Medizinaltechnik zuzuordnen. Die Medikamente zur Behandlung von Augenkrankheiten hat Novartis von Alcon in die Pharmasparte verschoben.

Alcon war für Novartis ein leidvolles Kapitel. Im Jahr 2010 setzte der damalige Präsident Daniel Vasella zur Übernahme der US-Firma an. In einem ersten Schritt kauften die Basler 77 Prozent des Unternehmens von Nestlé. Später folgten die restlichen Anteile. Gesamthaft legte Novartis 51,4 Milliarden Dollar auf den Tisch, eine Rekordsumme in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Trotz der stolzen Summe liess Novartis seine neu erworbene Tochter an der langen Leine, was sich bald rächen sollte.

Der Nachschub neuer Produkte wurde ebenso sträflich vernachlässigt wie die Pflege wichtiger Kunden. Zudem krankte Alcon an grundsätzlichen Problemen, die für eine Firma dieser Grösse sehr ungewöhnlich waren. So musste etwa die Auftrags- und Lagerverwaltung aufgerüstet werden, um die Lieferstabilität zu erhöhen. In der Folge schmolz die Marge, die Verluste häuften sich an, der Chef wurde ausgewechselt.

Schliesslich kündigte Novartis Anfang 2017 an, sämtliche strategische Optionen für Alcon zu prüfen. Gleichzeitig versuchte der Pharmakonzern das Steuer wieder herumzureisen, was mit einiger Verzögerung auch gelang. Der Pharmakonzern hat sich schliesslich vergangenen Sommer für eine Abspaltung entschieden.

Wachstum wegen Smartphones

Nun muss Alcon also sein Glück alleine versuchen. Das Unternehmen schätzt den für sich relevanten Markt auf 23 Milliarden Dollar und rechnet mit einem Wachstum von jährlich 4 Prozent. Laut der Zürcher Kantonalbank dürfte Alcon von der alternden Bevölkerung sowie dem steigenden Wohlstand insbesondere in Schwellenländern profitieren. Zudem führe die Digitalisierung zu einer zunehmenden Verbreitung von progressiver Kurzsichtigkeit und Augenbelastungen. Stichworte dazu sind Bildschirm-Arbeit und Smartphones.

Mit einem Umsatz von über 7 Milliarden Dollar und über 20'000 Mitarbeitern bringt Alcon ein ansehnliches Gewicht auf die Waage. Das operative Geschäft wird zwar weiterhin schwergewichtig aus Texas gesteuert. Der globale Hauptsitz befindet sich jedoch in Vernier bei Genf, der Steuersitz in Freiburg. Die Konzernleitung ist komplett in ausländischer Hand, im zehnköpfigen Verwaltungsrat sitzen drei Schweizer. Darunter befindet sich Dieter Spälti, der unter anderem Verwaltungsrat bei Holcim ist.