Die UBS hat im Sommerquartal deutlich mehr verdient, als die Finanzanalysten erwartet hatten. In der Zeit von Juli bis September zog die grösste Schweizer Bank aus einem im Vorjahresvergleich zwei Prozent grösseren Geschäftsertrag einen 32 Prozent höheren Gewinn von 1,2 Milliarden Franken. Der Finanzkonzern ist auf gutem Weg, das Jahr mit einem Ergebnis um fünf Milliarden Franken abzuschliessen. Es wäre nach 2015 und 2010 zwar nur das drittbeste Resultat seit Beginn der Finanzkrise, dafür – nach Lesart des Managements – das nachhaltigste.

Doch die Begeisterung der Investoren hält sich in engen Grenzen. Wohl legte der Kurs der UBS-Aktien gestern Donnerstag gegen den negativen Markttrend um mehr als ein Prozent zu. Doch die Titel verkehren beim aktuellen Kurs von knapp 13,5 Franken immer noch auf einem eher bescheidenen Niveau. Ein aussagekräftiger Gradmesser für die Aktienbewertung ist der sogenannte Buchwert beziehungsweise das Eigenkapital pro Aktie. Der Wert belief sich zum Ende des Berichtsquartals auf 13,7 Franken und liegt somit knapp über dem Aktienkurs. Die Interpretation dieses Verhältnisses bedeutet nichts anderes, als dass der Finanzmarkt zumindest im Moment nicht daran glauben mag, dass die UBS in der Lage ist, für die Aktionäre einen Mehrwert zu schaffen.

Für das Management unter Leitung von CEO Sergio Ermotti ist das ein Grund zur Frustration. Gestern sagte er den zum jährlichen Kapitalmarkttag der Bank nach London angereisten Analysten: «Unsere Ziele werden entweder nicht verstanden, oder wir haben sie nicht gut genug erklärt». Nach Darstellung des UBS-Chefs belegen die jüngsten Geschäftsergebnisse nicht nur die Vorteile der Strategie. Vielmehr zeigten die Ergebnisse auch, «dass wir in allen unseren Unternehmensbereichen eine fokussierte Strategie verfolgen, mit der wir Mehrwert für unsere Kunden und unsere Aktionäre schaffen».

Flaggschiff zu langsam unterwegs

Dass diese Botschaft nicht richtig ankommen will, hat freilich gute Gründe. Das gewinnkräftigste Geschäft der UBS war nämlich sowohl im Berichtsquartal wie auch in den ersten neun Monaten des Jahres nicht die viel gepriesene Flaggschiffdivision Vermögensverwaltung, sondern die Investment Bank. Obschon die Kunden der UBS Quartal für Quartal neue Gelder in zweistelliger Milliardenhöhe zur Verwaltung anvertrauen, blieb die Gewinnentwicklung der Sparte deutlich hinter den Zielen des Managements zurück. Umso mehr boomt die Investment Bank, die bei den Aktionären und den Analysten aufgrund der schlechten Erfahrungen aus der Finanzkrise aber immer noch den zweifelhaften Ruf der Unstetigkeit geniesst. Kritisch beurteilt wird die Qualität des Gewinns auch vor dem Hintergrund, dass dieser jüngst auch als Folge tieferer Rückstellungen für offene Rechtsstreitigkeiten zugenommen hat.

Die UBS ist hier kein Einzelfall. Gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens ZEB gelingt es einer Mehrheit der 50 grössten Banken Europas nur dank solcher Sondereffekte, die Eigenkapitalrendite zu steigern. Zwar könnte die UBS heuer auf eine Eigenkapitalrendite von gegen zehn Prozent kommen und den europäischen Durchschnitt damit deutlich übertreffen. Doch die erwartete Rendite der UBS läge damit kaum über den Kapitalkosten, die sich aus einem risikofreien Zins zuzüglich einer Risikoprämie ergeben.

Im Wissen, dass die Herausforderungen für Banken sowohl in der längeren Frist (Digitalisierung und neue Konkurrenz) wie auch auf kurze Sicht (die zittrige Börse) nicht kleiner werden, scheute die UBS in London auch davor zurück, ihre Finanzziele weiter anzuheben.