Franken

Der starke Franken ist eine bittere Pille für den Tiki-Hersteller

Starker Franken: Tiki-Hersteller Domaco hat wegen der Frankenaufwertung einen grösseren Auftrag verloren.

Starker Franken: Tiki-Hersteller Domaco hat wegen der Frankenaufwertung einen grösseren Auftrag verloren.

Der Euro liegt seit Tagen auf dem tiefsten Stand seit seiner Einführung und auch der Dollar ist nur wenig vom Allzeittief entfernt. Vor allem Unternehmen im exportorientierten Kanton Aargau leiden unter dieser Situation.

Durch den tiefen Euro lohnen sich Einkäufe im Ausland derzeit sehr - auch für Schweizer Unternehmen. Für einige sind sie sogar zur Notwendigkeit geworden. Während sich die Importunternehmen derzeit die Hände reiben, überlegen sich exportorientierte Unternehmen, wie sie mit dem starken Franken umgehen können.

Als exportorientierter Kanton leiden derzeit viele Aargauer Unternehmen unter der Frankenaufwertung. So beispielsweise die Domaco Dr. med. Aufdermaur AG. Das Familienunternehmen aus Lengnau mit 200 Mitarbeitern lebt zu 75 Prozent von Exporten.

Tiki-Hersteller kauft im Ausland ein

Der Hersteller von Instantgetränken und Bonbons, darunter das beliebte Brausepulver Tiki, kaufe derzeit so viel wie möglich im Euroraum ein, bestätigt Geschäftsführerin Silvia Huber-Meier. Auch wenn sie eigentlich lieber Schweizer Lieferanten berücksichtigen möchte.

«Der Kostendruck ist aber im Moment so extrem. Und wir müssen uns überlegen, wie viel wir aufschlagen können, ohne eine Menge Aufträge zu verlieren», sagt Huber-Meier. Indes, durch eine leichte Preiserhöhung sei bereits ein grösserer Auftrag verloren gegangen.

Einen Ausweg sieht die Domaco-Geschäftsführerin darin, Schweizer Lieferanten zu motivieren, partiell die Preise zu senken oder auch in Euro zu verrechnen. Die Domaco hat innerhalb der letzten sechs Monate 10 Prozent an Ertrag eingebüsst. Huber-Meier hofft, dass der starke Franken nur eine Phase ist, die wieder vorbeigeht.

«Margendruck ist enorm»

Auch die Alu Menziken leidet unter dem starken Franken. Der Metallverarbeitungskonzern mit 350 Angestellten exportiert 40 Prozent seines Volumens in den Euroraum. «Da ist die Margenverkleinerung erheblich», sagt CEO Roland Gloor.

Der Margendruck sei derzeit riesig und könne nur zum Teil aufgefangen werden. Wie auch die Domaco AG versucht die Alu Menziken dies mit Einkäufen im Euroraum abzufedern. «Früher haben wir nicht so konsequent darauf geachtet, aber jetzt kaufen wir unser Verpackungs- und Hilfsmaterial, wenn immer möglich in Euro ein.»

Langfristig könne sich das Unternehmen eine solche Situation nicht leisten. «Vielleicht können wir ein Jahr mit erheblich geschmälerten Renditen überleben», so Gloor. Er verhehlt auch nicht, dass er die Produktion am liebsten in den EU-Raum verlegen würde.

«Der zurzeit starke Franken trifft insbesondere diejenigen Unternehmen, die exportorientiert sind», weiss auch Kurt Schmid. Der Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes sieht die Situation aber noch nicht als tragisch an. Schliesslich erhole sich die Wirtschaft und die Nachfrage steige wieder an.

«Lernen mit der Situation umzugehen»

Dramatisch werde es erst wenn der Franken so stark sei wie heute und gleichzeitig ein Wirtschaftsabschwung dazu komme. Auch wenn es einigen Unternehmen schwer falle, müsse man sich der Situation anpassen. Schliesslich habe man das auch schon mit dem Dollar, der seit Jahren immer schwächer wird, sagt Schmid.

Bei den Personalvermittlern im Aargau ist der starke Franken nicht spürbar, meint René Cretin. Der Geschäftsführer von rentaperson in Baden stellt aber fest, dass die Unternehmen allgemein etwas vorsichtig seien und deshalb auf externe Leute setzen würden. «Mit dem schwachen Euro hat das aber kaum etwas zu tun.»

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