Geldpolitik

Der Spielraum für die Geldpolitik der SNB ist beschränkt

SNB-Präsident Thomas Jordan nimmt heute vor den Medien in Bern zum geldpolitischen Kurs der Nationalbank Stellung (Archiv)

SNB-Präsident Thomas Jordan nimmt heute vor den Medien in Bern zum geldpolitischen Kurs der Nationalbank Stellung (Archiv)

Zum zweiten Mal nach der Aufgabe des Euromindestkurses Mitte Januar führt die Schweizerische Nationalbank (SNB) heute ihre geldpolitische Lagebeurteilung durch. Trotz gestiegenem Druck aus der Öffentlichkeit dürfte die SNB an ihrem Kurs festhalten.

Zwei Fragen stehen im Vordergrund, wenn SNB-Präsident Thomas Jordan heute Donnerstag vor den Medien in Bern zum geldpolitischen Kurs Stellung nimmt. Drehen die Währungshüter weiter an der Zinsschraube? Und führen sie gar eine neue Kursuntergrenze mit einem Währungskorb ein?

Glaubt man den Experten, dürfte die Antwort in beiden Fällen Nein lauten. So sind die Zinsen bereits jetzt deutlich im negativen Bereich und bereiten etwa den Pensionskassen zusehends Kopfzerbrechen. Die Kassen müssen für die Rentenauszahlung viel Bargeld halten, was sie durch den Strafzins von 0,75 Prozent auf Giroguthaben bei der SNB teuer zu stehen kommt.

Womöglich will sich die SNB die Option einer weiteren Zinssenkung aber für eine Eskalation der Griechenlandkrise vorbehalten. Diese ist laut Marktbeobachtern momentan nämlich der grösste externe Risikofaktor für die Währungshüter.

Falls es - wie immer stärker befürchtet - tatsächlich zu einem sogenannten Grexit, also dem Austritt des südeuropäischen Landes aus dem Euro, kommt, sind grössere Devisenzuflüsse in den "sicheren Hafen" Schweiz zu erwarten oder zumindest nicht unwahrscheinlich. In einem solchen Fall könnte sich die SNB gezwungen sehen zu reagieren.

Neue Kursuntergrenze schwer durchsetzbar

Die Rückkehr zu einem Mindestkurs, womöglich in Form eines Währungskorbs, der je zur Hälfte aus Euro und aus Dollar besteht, ist laut den meisten Marktteilnehmern hingegen kaum denkbar.

Vor allem aus Professorenkreisen war zuletzt eine solche Forderung gekommen, angesichts der Tatsache, dass der Franken nach der ersten Abschwächung im Februar in den beiden Monaten drauf wieder erstarkte und und sich phasenweise wieder gefährlich der Parität zum Euro annäherte.

Die meisten Ökonomen bezweifeln allerdings ohnehin, dass die SNB einen neuen Mindestkurs oder einen Währungskorb ohne grössere Probleme durchsetzen könnte. Bei der Deutschen Bank heisst es etwa, dass es jeglicher Wiedereinführung eines formellen Mindestkurses an Glaubwürdigkeit fehlen würde.

Die SNB dürfte daher, wie sie das seit Aufhebung des Mindestkurs immer wieder tut, vor allem mit verbalen Massnahmen versuchen, die starke hiesige Währung zu schwächen. Voraussichtlich werde die SNB mit Nachdruck darauf hinweisen, dass der Schweizer Franken immer noch "deutlich überbewertet" sei, und gleichzeitig ihre Bereitschaft bekräftigen, "bei Bedarf" am Devisenmarkt zu intervenieren, meinen etwa die Ökonomen der Credit Suisse.

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