Der Notfallplan ist zustande gekommen, den die Schweizer Obstbranche gefordert hatte. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat ein Sonderkontingent bewilligt, rund 8000 Tonnen Äpfel dürfen von Januar bis Ende April importiert werden. Die ersten dieser Import-Äpfel liegen schon in den Schweizer Regalen. Es sind etwas billigere Äpfel aus Frankreich und Italien, für Günstig-Linien wie «Prix Garantie» oder «M-Budget». Ab Mitte März gelangen dann erste Äpfel aus Übersee in die Schweiz – vor allem aus Neuseeland, Chile und Südafrika.

Voraussichtlich ab Mai, wenn die meisten Schweizer Äpfel ausverkauft sind, werden die Grenzen vollends für ausländische Äpfel geöffnet. In anderen Jahren dürfen ausländische Äpfel erst Mitte Juni in die Schweiz importiert werden, um die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überbrücken. «Es ist eine ausserordentliche Lösung für eine ausserordentliche Situation», sagt Marc Wermelinger, Direktor von Swisscofel. Der Handelsverband für Schweizer Früchte und Gemüse hofft, ein solcher Frost wie im April 2017 werde lange nicht wiederkehren.

In normalen Zeiten dürfen ausländische Äpfel während neun Monaten im Jahr nicht in schweizerische Verkaufsregale. Nur wenn die hiesigen Vorräte nicht ausreichen – üblicherweise zwischen Mitte Juni und Mitte August –, werden sie importiert. Und auch dann nur, um in den Regalen den Schweizer Apfel zu ergänzen. Seinen Platz streitig machen dürfen sie ihm nicht.

Die Hälfte der Ernte verloren

Doch dieses Jahr ist vieles anders. Im letzten April brach eine Frostwelle über die Schweiz herein, in einigen wichtigen Anbau-Regionen ging die Hälfte der Ernte verloren. Ende November liessen sich die Folgen an den Vorräten ablesen: In der Schweiz lagerten nur 40 000 Tonnen einheimische Äpfel, etwa 35 Prozent weniger als im Vorjahr. So etwas hatten auch Bauern und Händler mit 30-jähriger Erfahrung nicht erlebt.

Im Dezember wandte sich Swisscofel an die Öffentlichkeit. Die Vorräte würden nicht wie üblich bis Mitte Juni des nächsten Jahres reichen, so der Verband. Die beliebteste Sorte Gala würde es nur noch bis Mitte April 2018 zu kaufen geben, wenn nichts unternommen werde. Sonst gab es Gala-Äpfel bis Ende Juni im Verkauf. Der Vorrat an BraeburnÄpfeln werde nur bis Ende Februar reichen, nicht wie üblich bis Ende Mai. Rubinette-Äpfel waren bereits ausverkauft, ebenso die Sorten «Cox Orange» oder «Jona-Gold».

Ohne Gegenmassnahmen würden Schweizer Äpfel über Monate aus den Verkaufsregalen verschwinden. Stattdessen würden wahrscheinlich Mango, Ananas oder Orangen die leeren Flächen füllen. Den ohnehin geplagten Obstbauern drohte damit gleich der nächste Rückschlag. Die Gewohnheiten der Kunden könnten sich ändern, womit sich Äpfel auch in den kommenden Jahren deutlich schlechter als früher verkaufen.

Weniger Aktionen

Diese bäuerlichen Albträume sind nun abgewendet. Die 8000 Tonnen an ausländischen Äpfeln werden in den Detailhandel gelangen. Gleichzeitig kann der Verkauf von Schweizer Äpfeln gedrosselt werden. Vor allem die Sorten «Gala» und «Golden Delicious» werden einige Wochen länger in den Regalen zu finden sein. «Es ist entscheidend, dass wir möglichst lange ein vielfältiges Angebot haben», sagt Wermelinger. Der Absatz gehe erfahrungsgemäss zurück, wenn der Kunde im Laden nur noch zwei Sorten vorfinde.

Es wird dieses Jahr wohl weniger Preisaktionen mit Äpfeln geben. Auch dies geht auf den Frost vom April 2017 zurück. Die Vorräte an Schweizer Äpfeln sind geringer. Und auch für diese spielen Angebot und Nachfrage, trotz dem Schutz an der Grenze. Also steigen die Preise. Die Bauern werden für ihre kleineren Ernten rund 20 Prozent höhere Preise lösen können, so Swisscofel. Der Detailhandel jedoch wird die Preise deshalb nicht um 20 Prozent erhöhen. Vielmehr werden die Preis-Aktionen zurückgefahren, über die sonst bis zu 30 Prozent aller Schweizer Äpfel verkauft werden.

Anfang Mai wandeln sich dann die Verkaufsregale erneut. Auf den Herkunftsbezeichnungen wird vermehrt «Neuseeland» stehen, «Südafrika» oder «Chile». Hingegen wird es «keine Überschwemmung des Schweizer Marktes mit billigen Übersee-Äpfeln geben», sagt Wermelinger. Die Schweiz gilt zwar als Hochpreisinsel und insbesondere die Landwirtschaft als teuer im Vergleich zum Ausland. Doch in Südamerika und Ozeanien waren die Ernten bloss durchschnittlich, Südafrika wurde von Dürren geplagt. Von den dortigen Ernten kauft China mittlerweile viel auf, wodurch die weltweiten Apfel-Preise tendenziell steigen. Was dann noch von einem allfälligen Preisvorsprung der Übersee-Äpfel gegenüber Schweizer Äpfeln übrig bleibt, wird durch die hohen Transportkosten aufgefressen.