Detailhandel

Der schwache Euro durchkreuzt die Wachstums-Pläne der Migros

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Dunkle Wolken am Horizont, sieht Migros-Industrie-Chef Walter Huber, und diese würden nicht heller. Huber hofft deshalb auf neue Umsätze in Asien und in den 300 Tegut-Geschäften in Deutschland. Und: Ein Weihnachtsspurt soll helfen.

Bei einer Medienkonferenz im Februar in der Midor-Backfabrik in Meilen ZH sprach Walter Huber, oberster Herr über die Migros-Industriebetriebe, von «düsteren Wolken» am Horizont. Gemeint war die Eurokrise, welche die Wachstumspläne der Migros-Industrie zu durchkreuzen drohe.

Hubers Prognose sollte sich bewahrheiten: «Dieses Jahr war das wirtschaftliche Umfeld für uns enorm schwierig, weshalb unser Auslandumsatz auf dem Vorjahresniveau bleibt», sagt er. 2011 setzte die M-Industrie im Ausland knapp 500 Millionen Franken um.

Wachstum zum Erliegen gekommen

Dabei hatte es vor ein paar Jahren noch ganz anders getönt. Huber wollte den bisherigen Auslandumsatz bis 2012 auf 700 Millionen Franken steigern. Bereits vor einem Jahr musste er das ehrgeizige Ziel aber aufgeben. Als Grund nannte er die Frankenstärke, da Europa rund 75 Prozent des Auslandumsatzes ausmacht. Doch während der Auslandumsatz 2011 immerhin noch um 3,5 Prozent gestiegen war, ist das Wachstum jetzt unter dem Strich zum Erliegen gekommen.

Die Währungskrise ist in den für die Migros wichtigen EU-Märkten zur Konsumkrise geworden. Mit der Folge, dass mehrere im oberen Preissegment angelegte Exportprodukte in Deutschland und Frankreich aus den Regalen geflogen sind, da die Migros ihre Preiserhöhungen nicht durchsetzen konnte.

Huber spricht beschwichtigend von «vereinzelten Auslistungen» von Spezialitäten wie Käse oder Kaffee. Die Profitabilität habe man dank Preiserhöhungen verbessern können – trotz Frankenstärke. Doch ein hochrangiger Migros-Mann nennt es «substanzielle Umsatzrückgänge» und eine «brutale Lage in Europa». Viele Produkte, die trotz Preiserhöhungen im Regal blieben, wurden weniger gekauft.

Für einige europäische Händler hat die Migros kleinere Verpackungen produziert, um die Preise für die Konsumenten erschwinglicher zu machen. «Jetzt liefern wir manchmal 80 statt 100 Gramm», sagt Huber. Auch wurde versucht, günstigere Rohstoffe zu verwenden, zum Beispiel weniger hochwertige Nüsse. «Aber das hat irgendwann Grenzen bei der Qualität, sonst müssten wir gar keine Schweizer Produkte mehr verkaufen, die ja für Top-Qualität stehen.»

«Wolken werden nicht heller»

Für 2013 bleibt Huber pessimistisch: «Die Wolken werden in Europa auch in nächster Zukunft nicht heller.» Die Migros-Industrie und ihre 16 Tochterunternehmen wie Jowa, Frey, Elsa oder Micarna produzieren sowohl Migros-Marken als auch Eigenmarken für Dritte in der Schweiz und über 50 andere Länder. Die rund 11000 Mitarbeiter – davon 450 im Ausland – erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 5,3 Milliarden Franken.

«Zum Glück konnte das zum Teil starke Wachstum in anderen Märkten den Rückgang in Europa kompensieren», sagt Huber. Besonders zufrieden zeigt er sich mit dem Geschäft in den Vereinigten Staaten. «Wir haben weitere Kunden gewonnen», sagt er, ohne konkret zu werden. Zu den bestehenden US-Kunden, die mit Rösti, Schokolade oder Waschmittel beliefert werden, zählt unter anderem die Handelskette Safeway mit rund 1700 Filialen.

Auch in Asien und im Nahen Osten konnte die Migros-Industrie zulegen. Wie viel, sagt Walter Huber nicht. Angesichts der aktuellen Freihandelsgespräche könne auch China für die M-Industrie interessant werden. Bereits heute beliefert sie asiatische Spezialitätengeschäfte in Thailand, Südkorea, Singapur und Hongkong mit Schokolade oder «Cremesso»-Kaffee. So nennt sich das Delizio-Kaffeekapselsystem der Migros im Ausland.

Eine Hoffnungsträgerin ist für Huber nicht zuletzt die deutsche Lebensmittelfirma Tegut, welche die Zürcher Migros-Genossenschaft vor einem Monat übernommen hat. Damit bietet sich Huber auf einen Schlag die Möglichkeit, in die Regale der rund 300 Shops in Deutschland zu gelangen. Diese setzen jährlich mehr als eine Milliarde Euro um. «Die Übernahme von Tegut ist eine Chance für die M-Industrie, die wir genau analysieren werden», sagt er.

Nötiger Weihnachtsspurt

Im Inland machen der Einkaufstourismus und die Preissenkungen zu schaffen. Im Migros-Geschäft hofft Huber, mit einem guten Weihnachtsendspurt das Vorjahresergebnis zu erreichen. Insgesamt liegen die Umsätze der Migros-Industrie über Vorjahr. Das ist insbesondere mit der Übernahme des Grosshändlers CC Angehrn zu erklären, der im letzten Jahr einen Umsatz von über 300 Millionen Franken erzielte. CC Angehrn wird dieses Jahr in der Migros-Rechnung verbucht. «Das ergibt einen zusätzlichen Schub», sagt Huber.

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