Festredner, Firmenchefs und Politiker, aufgepasst: Wenn die Redner nicht überzeugen, der Inhalt nicht mitreisst, wendet sich das Publikum den vielen verlockenden Sachen auf den Smartphones zu.

«Das ging uns kürzlich bei einem Firmenanlass in der Messe in Luzern so», räumte ein Swisscom-Angestellter an einer Veranstaltung in Zürich ein.

«Das Thema waren unsere Pläne zur Verbesserung im Geschäftskundenbereich - das Thema und die Redner waren wohl etwas zu trocken.»

Am plötzlichen Anstieg des Datenvolumens im Messe-Gebäude war das Desinteresse sichtbar geworden. Auch auf gesamtschweizerischer Ebene funktioniert das:

Die Lebensgewohnheiten lassen sich am Datenverkehr bei der Mobilkommunikation erkennen: Das grösste Verkehrsaufkommen gibt es an den ersten drei Wochentagen.

«Am Donnerstag und noch mehr am Freitag machen viele Home Office», sagte Patrick Weibel, bei Swisscom für die Mobilfunkstrategie zuständig, am Mittwoch an einer Präsentation in Zürich. «Dann sinkt das Datenvolumen etwas.»

Tagsüber fallen drei Spitzen auf: Kurz nach dem Mittagessen um 13 Uhr, kurz nach Feierabend nach 17 Uhr und nach 21 Uhr, wenn die Kunden gegessen haben und sich gleich ins Bett oder ins Nachtleben stürzen.

Letzteres wohl auch, weil aufgrund der Pauschalangebote vermehrt auch zuhause via Mobilfunkantenne gesurft wird.

Der verkehrsschwächste Tag ist der Samstag: «Dann gehen viele Menschen einkaufen, sind mit der Familie unterwegs und machen Sport», sagt Weibel weiter, «am Sonntag dagegen steigt das Datenvolumen schon wieder etwas an.

Neue Technologien nutzen

Engpässe und Kapazitätsprobleme will Branchenprimus Swisscom nun mit neuen Technologien verhindern und Offensiven von Konkurrenten kontern.

Vor allem der Videokonsum per Handy und Tabletcomputer macht immer leistungsfähigere Netze nötig: Mittlerweile sorgt Videostreaming für zwei Drittel des Datenvolumens, wie Heinz Herren, Leiter des Swisscom-Geschäftsbereichs IT, Network & Innovation, sagte.

Absolute Rekordwerte verzeichnet die Swisscom an Weihnachten in den Skigebieten sowie bei Sportanlässen wie Skirennen oder zuletzt beim werktäglichen Tennis-Viertelfinal von Stanislas Wawrinka gegen Novak Djokovic in Melbourne. Hier wurden fast 30 Gigabyte pro Sekunde nachgefragt. Auch der Bagger-Unfall auf der Autobahn A1 im Aargau habe zu einer sehr hohen Mobilnetzauslastung geführt.

Das Datenvolumen verdopple sich jedes Jahr und er glaube nicht, dass sich dies in Zukunft ändert, sagte Herren. Die Swisscom brauche daher zusätzliche Antennenstandorte und werde trotz vieler Einsprachen um jedes Projekt kämpfen.

Neue Small Cells in den Städten

Handlungsbedarf sieht Herren insbesondere in den Städten. Der renommierte Netztest der Zeitschrift Connect habe der Swisscom zwar weiterhin das beste Netz attestiert. In den Städten hätten Konkurrenten hingegen aufgeholt, räumte der Swisscom-Manager ein.

Mit kleinen Antennen auf Strassenniveau, so genannten Small Cells, sollen die Innenstadt-Abdeckungen erweitert werden. In Winterthur wurde ein Pilotprojekt durchgeführt, auch in Luzern und Lausanne habe die Swisscom bereits Erfahrungen gesammelt, sagte Herren.

Ab dem zweiten Halbjahr sollen 2000 bis 4000 solche Small Cells installiert werden. Die Vorschriften für die maximale Strahlenbelastung würden eingehalten.

Es gehe um sehr kleine Leistungen, vergleichbar mit heimischen WLAN-Netzen und tiefer als solche von Funk-Festnetztelefonen, sagte Herren. Die Vorschriften für die Strahlenbelastungen seien in der Schweiz tiefer als im Ausland, was den Netzbau um mindestens 20 Prozent verteuere.

Konkurrenten hegen ebenfalls Small-Cells-Pläne. So hat beispielsweise Orange angekündigt, in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Elektrizitätswerk ewz zusätzliche Antennen mit dem neuesten Mobilfunkstandard 4G (LTE) in der Stadt Zürich zu montieren. Das meiste werden Small Cells sein, die beispielsweise in der Bahnhofstrasse auf Trammasten installiert werden.

Zusätzliche 4G-Technologien

Von den 6,7 Millionen Mobilfunkgeräten in der Schweiz sind bereits rund 1 Million 4G-fähig. Höhere Geschwindigkeiten sollen ab dem zweiten Quartal ermöglicht werden, indem LTE-Advanced ausgerollt wird.

Dabei werden zwei Frequenzbänder zusammengeschaltet, sodass die Kapazitäten steigen und die Surfgeschwindigkeit von 150 auf 300 Mbit/s erhöht werden kann. Kürzlich hat auch Sunrise eine solche Verdoppelung angekündigt.

Schliesslich sollen bis in einem Jahr auch Telefonate im LTE-Standard (Voice over LTE, VoLTE) möglich werden. Bislang werden nur Daten via LTE gesendet. Sprachtelefonie wechselt bislang in die älteren Standards 2G respektive 3G, parallel geführter Datentransfer ebenso. Mit VoLTE seien Zusatzfunktionen wie Sprachbefehle und dereinst wohl Fremdsprachenübersetzung in Echtzeit denkbar.

(Mit SDA-Material)