Am Donnerstag lag der Preis für 100 Liter Heizöl um die 130 Franken. Dies gilt für eine Bestellmenge von rund 1000 Litern. Zwischen 3500 und 4500 Litern bewegt sich der Preis bei rund 115 Franken. Doch unabhängig von der bestellten Menge hat sich der Kauf von Heizöl seit dem August um mehr als 13 Prozent verteuert, seit dem Oktober des vergangenen Jahres sogar um fast 35 Prozent. Auch Erdgas bietet mit Blick auf den happigen Aufschlag keinen Ausweg, denn sein Preis ist weitgehend an den Ölpreis gebunden.

Im Moment deutet nichts auf eine rasche Trendänderung hin. Die Vertreter der Schweizer Ölhändler wagen indes keine Prognosen für die nähere Zukunft. «Ich kann nicht voraussagen, wann und wie stark die Preise wieder sinken. Gesicherte Erkenntnis ist einzig, dass sie seit dem August mehr als zehn Prozent in die Höhe geschossen sind», sagt Alexander Streitzig, Chef der Fenaco-Tochter Agrola. Auch die Erdöl-Vereinigung Schweiz gibt sich zurückhaltend. Der Heizöl-Preis werde von zahlreichen verschiedenen Faktoren beeinflusst, was Voraussagen schwierig mache, sagt ein Sprecher.

Rund die Hälfte der Schweizer Haushalte und Arbeitsplätze werden mit Heizöl beheizt. Die Mehrheit der Gebäudebesitzer lassen ihre Tanks im Herbst füllen, was in diesem Jahr ziemliche Mehrkosten mit sich bringt. Gemäss Aussagen von Agrola gehen zurzeit wie üblich um diese Jahreszeit zahlreiche Bestellungen ein. Allerdings lassen sich viele Kunden die Öltanks nur zur Hälfte füllen – in der vagen Hoffnung, im Januar oder Februar 2019 die zweite Tranche zu einem günstigeren Preis erstehen zu können.

Höhere Transportkosten

Die Ursachen für die erneute Preis-Hausse reichen vom heissen Sommer über den US-Präsidenten bis zu den Finanzmärkten. «Herr und Frau Schweizer gingen in diesem heissen, langen Sommer wohl nicht so oft wie üblich in den Keller, um den Stand im Öltank abzulesen», sagt Agrola-Chef Streitzig. Als sie es dann taten, war die Preisspirale nach oben bereits im Gang. Denn die Nachfrage nach Erdöl steigt wegen der guten Wirtschaftslage in Nordamerika, Asien und Europa ohnehin. Der Hitzesommer verteuert auch die Transportkosten. Rund die Hälfte des Rohöls und der Treibstoffe gelangen über den Rhein in die Schweiz. Weil der Pegelstand des Flusses nach der regenarmen Zeit tief ist, sind die Transportschiffe nicht in der Lage, ihre Kapazitäten voll auszulasten. Das treibt den Preis der Fracht in die Höhe. «Normalerweise kostet die Beförderung pro Tonne 20 bis 25 Franken. Jetzt liegt der Preis bei 114 Franken», sagt der Sprecher der Erdölvereinigung.

Verunsicherung wegen Iran

Dass der Dollar zum Franken etwas an Wert zugelegt hat, trug ebenfalls zum Höhenflug des Heizölpreises bei. Seine wichtigste Ursache dürfte er indes in der Weltpolitik haben. Am 6. November treten die US-Sanktionen gegen den wichtigen Ölproduzenten Iran in Kraft. «Im Vorfeld der Sanktionen herrscht Verunsicherung. Zahlreiche Marktteilnehmer erwarten eine Verknappung und wetten auf steigende Preise», sagt der Sprecher der Erdölvereinigung.

Hinzu kommt, dass Venezuela in einer tiefen politischen Krise steckt und weniger Erdöl fördert als noch in den Jahren zuvor. Die in der Opec vereinten Erdöl exportierenden Länder haben zwar angekündet, die Fördermenge zu erhöhen, um die gute Wirtschaftslage rund um den Globus nicht abzuwürgen. Doch die Vergangenheit hat deutlich gemacht, dass ihre Versprechen mit Vorsicht zu geniessen sind. Schliesslich verdienen sie gut daran, wenn der Ölpreis deutlich nach oben tendiert.