Anfang 2007 kannten in der Pharmabranche nur wenige einen gewissen Joseph «Joe» Jimenez. Kein Wunder, denn der 47-jährige Amerikaner arbeitete damals noch bei der Private-Equity-Firma Blackwell.

Dann Frühling 2007 der Paukenschlag: Jimenez, ein ehemaliger Wettkampfschwimmer mit viel Biss, wechselte zu Novartis und übernahm die Konsumgütersparte, damals die drittgrösste Einheit des Pharma-Riesen. Der Auftrag: Jimenez sollte aufräumen.

Dazu kam er aber nicht gross, denn schon ein halbes Jahr später, im Oktober 2007, wurde er zum Chef der wichtigsten Novartis-Einheit, der Pharma-Division, befördert.

Der Wechsel solle dem Unternehmen «neuen Antrieb geben», liess Novartis-Chef Daniel Vasella damals verlauten. Der damals 47-Jährige sollte in der problembehafteten Pharmasparte aufräumen und für frischen Wind sorgen.

Jimenez räumt in Basel auf

Und das tat er dann auch. Jimenez krempelte das Pharmageschäft bei Novartis rasch und gründlich um. Vor allem in Nordamerika, wo Novartis 2007 heftigen Gegenwind verspürte. Er trimmte die Forschung auf mehr Effizienz und schreckte auch nicht vor Entlassungen zurück.

Mit Erfolg: Im letzten Geschäftsjahr legte keine Novartis-Einheit so stark zu wie die Pharma-Division. Diesen Erfolg trauten Jimenez 2007 nur wenige zu.

Denn Jimenez ist kein Pharma-Mann. Im Gegenteil. Die meiste Zeit seines Lebens arbeitete Jimenez in Unternehmen, die eher ungesunde Produkte wie fettige Saucen herstellten. Vor Novartis war ein Verwaltungsratsmandat bei AstraZeneca die einzige Verbindung zur Gesundheitsbranche.

Viele Jahre im Saucenbusiness

Mit einem Universitätsabschluss in Betriebswirtschaft begann er 1984 seine Karriere im Marketing der auf Lebensmittel und Haushaltschemikalien spezialisierten Clorox Company in Kalifornien. Bis 1993 stieg er zum Bereichsleiter für Dressings und Saucen auf. Dann wechselte er zu ConAgra, einer ebenfalls auf Lebensmittel spezialisierten Firma.

Dabei kam er ein erstes Mal mit der Schweiz in Berührung, wenn auch nur indirekt: Als Marketing-Verantwortlicher für das Schokoladegetränk «Swiss Lady». Daneben betreute er eine populäre Popcorn-Marke.

Ab 1998 widmete sich Jimenez wieder den Saucen und wurde Nordamerika-Leiter der H. J. Heinz Company. Kurz nach seinem Eintritt krempelte er die Strategie für das Kernprodukt Ketchup um. Mit originellen Spots kämpfte er gegen sinkende Marktanteile.

Auch als Banker unterwegs

2002 verschlug es Jimenez als Regionalchef erstmals Europa. Er reduzierte die Produktepalette auf die Sparten Ketchup/Saucen, Snacks und Kindernahrung.

2006, kurz bevor er die Region Asien übernehmen sollte, kündigte er. Er wolle seine «Karriereziele ausserhalb von Heinz» verfolgen, teilte er damals mit und wechselte kurz darauf zur Private-Equity-Firma Blackwell.

Als er im Frühjahr 2007 bei Novartis anheuerte war sein einziger Berührungspunkt zur Pharmabranche ein Verwaltungsrats-Mandat bei der britisch-schwedischen AstraZeneca. Dort sass er seit 2002 und erlebte dabei hautnah den Verschlankungsprozess des Unternehmens mit. Dieses Fittrimmens brachte ihn bei Novartis ins Gespräch.

Nun ist er bei Novartis ganz oben angekommen. Bereits am 1. Februar tritt er sein neues Amt an. Konzernchef Vasella beschränkt sich ab diesem Datum auf Präsidium des Verwaltungsrates. (rsn)