Die Anfrage von Michael Fitzgerald bei der Limmattaler Wirtin Ursi Lüscher* tönt verlockend. 15 seiner Mitarbeiter verbrächten im Oktober Ferien in der Schweiz, erzählt er in einem Mail mit einer britischen Adresse des Internetdienstleisters Yahoo. Deshalb möchte er wissen, ob es möglich wäre, für diese Personen eine Reservation zu machen. Nicht an einem Abend, nein gleich an elf. Sie wünschten ein Dreigang-Menü, das höchstens 35 Euro – rund 43 Franken – kosten dürfe. Ursi Lüscher solle ihm doch mitteilen, ob sie die Leute bewirten könne und ihm eine Offerte für die Verköstigung zusenden. Bezahlen würde die Kosten ein «Sponsor». Die Getränkekonsumationen bezahlten die Mitarbeiter vor Ort selber.

Es geht also um viel Geld. Umgerechnet um rund 7000 Franken - ohne Getränke. Ursi Lüscher bleibt vorsichtig. Da sie ihren Kunden nicht kenne, teilt sie ihm per E-Mail mit, wolle sie wissen, ob er bereit wäre, eine Anzahlung von 70 Prozent der Kosten im voraus zu leisten. Kein Problem, mailt Michael Fitzgerald zurück. Der «Sponsor» werde ihr vorab einen gedeckten Check zustellen,

Das kam Ursi Lüscher spanisch vor. Nach einer Recherche im Internet war der Fall klar: Fitzgeralds Angebot ist ein mieser Bschiss. Wirte, die auf dieses Angebot eingehen, erhalten tatsächlich einen Check. Der darauf vermerkte Betrag ist allerdings höher als der ursprünglich ausgehandelte. Daher bittet der Autor des E-Mails kurz darauf um eine Rückzahlung der Differenz. Die kann sich auf ein paar tausend Euro belaufen. Erfolgt diese Zahlung, war der Bschiss erfolgreich. Einige Wochen später platzt der Check.

Langsames Zahlungsmittel

Checks sind ein Zahlungsinstrument von vorgestern. Es gilt: Ist der Check in einer Fremdwährung auf eine Bank im Ausland ausgestellt, kann es laut einem Sprecher der Zürcher Kantonalbank aufgrund unterschiedlicher Gesetzgebungen in verschiedenen Ländern bis zu drei Monaten dauern, bis die Gutschrift der Schweizer Hausbank des Gastrounternehmers definitiv erfolgt ist.

Daher sagt die Sprecherin des Branchenverbands Gastrosuisse, Astrid Haida: «Wirte sollten bei zweifelhaften Anfragen genau abklären, wer dahintersteckt. Lässt sich dies nicht eruieren, so ist sie höchstwahrscheinlich nicht seriös.» Dies gilt auch für Hotelmanager, die ebenfalls ähnliche Reservationsanfragen für eine stattliche Zahl von Zimmerbuchungen erhalten.

Vom Hotel bis zum Kosmetiker

Susanne Daxelhoffer, Sprecherin des Branchenverbands Hotelleriesuisse sagt: «Wir haben Hoteliers mehrfach vor solchen Vertragsabschlüssen gewarnt.» Informiert sei auch die Polizei: «Da die Betrüger aber wohl beinahe täglich andere E-Mail-Adressen benutzen, kann ihnen das Handwerk nicht gelegt werden.» Mitglieder, die sich erkundigen wollen, ob merkwürdig formulierte Reservationsanfragen allenfalls lusch seien, können sich an die Rechtsberatungen der beiden Branchenverbände wenden.

Die Betrüger suchen sich ihre Opfer auch in Österreich und Deutschland. Der deutsche Hotelberater Horst-Christian Meyer führt auf seiner Website hcmi.de eine sogenannte «Blacklist», auf der er vor solchen Machenschaften warnt. Darauf weisen Kleinunternehmer darauf hin, dass die Betrüger auch Autovermieter oder Wäschereien anmailen. Auch eine Kosmetikerin erhielt eine solche Anfrage. Sie frotzeltt: «Die Truppe, die bisher essen gehen wollte, will sich jetzt offensichtlich verschönern lassen.»

*Name von der Redaktion geändert