30 Milliarden

Der Mammut-Gewinn der Nationalbank hat auch Nachteile

Die SNB schreibt wieder Gewinne.

Die SNB schreibt wieder Gewinne.

Die Nationalbank macht 30 Milliarden Franken Profit im ersten Quartal: Das gute Resultat ist ein zweischneidiges Schwert.

Rund 30 Milliarden Franken Gewinn in drei Monaten: Wenn es um solch gigantische Zahlen geht, kann es hierzulande nur um die Schweizerische Nationalbank gehen. Ihre Quartalszahlen veröffentlicht die Notenbank zwar erst am Donnerstag. Doch kursieren bereits Schätzungen wie jene von UBS-Ökonom Alessandro Bee. Behält er recht, ist der Verlust des vergangenen Jahres von 15 Milliarden Franken also vorerst ausgebügelt. Das Eigenkapital steigt auf 150 Milliarden Franken. Damit erreicht es gegen 19 Prozent der Bilanzsumme.

Solider stand die Nationalbank zuletzt vor zehn Jahren da, mit einer Kapitalquote von gut 30 Prozent. Es war das letzte Jahr, bevor sie sich mit voller Wucht in den Kampf gegen den starken Franken stürzte und in rauen Mengen Euros kaufte. Inzwischen beläuft sich die Bilanzsumme der Zentralbank auf über 800 Milliarden Franken, das Vierfache von 2009.

Wie viel Eigenkapital benötigen unsere Währungshüter, bis sie sich in Sicherheit wähnen? Sollen es erneut 30 Prozent sein, wie vor zehn Jahren, müssten nochmals 90 Milliarden Franken her. Gerade so viel konnte die Nationalbank seit 2015 akkumulieren. Doch genug wäre vielleicht auch deutlich weniger. Diesen Gedanken legen jedenfalls die Erfahrungen der zurückliegenden Dekade nahe. Auf Rechnungen dieser Art lässt sich Nationalbank-Präsident Thomas Jordan in der Öffentlichkeit aber partout nicht ein. Er weiss, was passiert, wenn er einen Grenzwert nennt. Jeder kantonale Finanzdirektor schielt darauf, bis hinauf zum Finanzminister. Die Erwartung: Jeder Überschuss muss in ihre Kassen zurückfliessen.

Deutlicher Zinsrückgang

Noch ist die Bilanz der Nationalbank nicht gross genug, als dass sich in der Politik eine ausreichend starke Allianz formieren könnte, um die Gans zu schlachten. Doch selbst so nüchterne Beobachter wie UBS-Ökonom Bee warnen inzwischen in deutlichen Worten: «Das sehr erfreuliche Quartalsergebnis ist für die Nationalbank ein zweischneidiges Schwert.» Einerseits stärke es ihre Glaubwürdigkeit bei der Umsetzung der Geldpolitik. «Anderseits weckt ein solch hoher Überschuss auf der politischen Seite Begehrlichkeiten.»

So wie in den ersten drei Monaten wird es laut Urteil von Bee im restlichen Jahr aber auch nicht weitergehen. Die Massnahmen anderer bedeutender Notenbanken haben zu einem deutlichen Zinsrückgang geführt. Dieser wiederum hat die Kurse von Dollar- und Euro-Obligationen steigen lassen. Vom gesamten Fremdwährungsbestand der Nationalbank sind rund 80 Prozent in solchen Titeln angelegt. Entsprechend positiv hat sich der Zinsrückgang auf die Erfolgsrechnung ausgewirkt. Der Gewinn der Nationalbank geht unter anderem auf den Zwischenhalt zurück, den die US-Notenbank Fed bei der Normalisierung der Tiefzinspolitik eingeschlagen hat. Geholfen hat auch der einjährige Aufschub, den sich die Europäische Zentralbank bis zum ersten Schritt aus der Nullzinspolitik gewährte.

Auch den Aktienmärkten hat der Zinsrückgang frische Luft verschafft. Die Kurse sind seit dem Jahreswechsel auch wieder in der Aufwärtsbewegung und haben das herbstliche Zwischentief überwunden. Und weil die Nationalbank die restlichen 20 Prozent ihrer Devisenanlagen in solchen Beteiligungstiteln angelegt hat, ergaben sich nach der UBS-Schätzung allein aus dieser Ecke Bewertungsgewinne von 15 Milliarden Franken.

Riesengewinn nicht unmöglich

An eine weitere Lockerung der Zinspolitik, die den Gewinn der Nationalbank weiter kräftig steigen lassen könnte, glaubt Bee nicht. Trotzdem ist es kein unmögliches Szenario, dass dem 54-Milliarden-Franken-Gewinn aus dem Jahr 2017 ein weiteres Rekordjahr folgt. So zeigen sich Euro und Dollar seit einigen Wochen wieder deutlich fester zum Franken, was den Wert der Anlagen der Nationalbank in diesen Währungen steigen lässt. Rund 80 Prozent der Devisenbestände der Notenbank sind in Dollar- und Euro-Papieren investiert. Verteuert sich der Preis dieser Währungen um 1 Prozent zum Franken, entsteht bei der Nationalbank ein Kursgewinn von rund 6 Milliarden.

Obwalden hat Aktien verkauft

Für die Kantone und den Bund bleibt ein möglicher neuer Rekordgewinn der Nationalbank aber vorerst ohne praktische Konsequenzen. Die 2016 mit dem Finanzdepartement getroffene Ausschüttungsvereinbarung, unter der die Notenbank eine Milliarde Franken verteilt, sofern die dafür bestehende Ausschüttungsreserve nicht negativ wird, bleibt bis 2020 bestehen. Spannend ist, was danach kommt, wenn die Gewinne tatsächlich weiter wachsen sollten.

Ein Thema könnte auch der Aktienbesitz der Kantone an der Nationalbank werden. So hat der Kanton Obwalden im letzten Jahr seine Beteiligung an der Notenbank bestehend aus 184 Aktien verkauft. Als einziger Kanton hält Obwalden nun keine Anteile mehr. Manche Finanzdirektoren anderer Kantone werden sich fragen, wie diese Aktion mit dem unveränderten Anspruch Obwaldens auf eine Gewinnausschüttung zu vereinbaren ist. Doch um eine Antwort wäre der Innerschweizer Kanton kaum verlegen. Schliesslich darf sich auch der Bund mit einem Drittel am Nationalbank-Gewinn bedienen, ohne dafür eine Aktie besitzen zu müssen.

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