"Ich bin ein Weinliebhaber", gestand der Luzerner Regierungsratspräsident Robert Küng am Donnerstag anlässlich der Präsentation des neuen Weinpreises. Die Idee einer solchen Prämierung geistere schon lange herum, er habe sie nun verwirklicht.

Man wolle damit auf ein boomendes Segment hinweisen. Wein stehe auch als Identifikation für eine Region. Der Anbau von Weintrauben hat in den letzten Jahren im Kanton Luzern stetig zugenommen und gehört zu den am stärksten wachsenden Agrarbereichen.

2017 bauten 48 Betriebe auf 61 Hektaren 45 Sorten an. Sie produzierten knapp 250'000 Flaschen. Vor 20 Jahren waren es noch rund 30 Hektaren gewesen. Bis in die 1950er-Jahre war der moderne Weinbau inexistent.

Sonnenseite des Klimawandels

Das Ausbaupotenzial liege bei rund 100 Hektaren und 500'000 Flaschen, sagte Beat Felder, der beim Kanton für den Rebbau verantwortlich ist. Im Gegensatz zu anderen Regionen wachse die Anbaufläche. Nur etwa auf der Südinsel Neuseelands sei eine solche Entwicklung zu beobachten. Pinot Noir, Riesling-Silvaner und Solaris sind in den vier Luzerner Anbauregionen die wichtigsten Sorten.

Die Luzerner Winzer profitieren vom Klimawandel. Der Temperaturanstieg um 1,5 Grad seit 1980 verschiebt die Blütezeit der Reben nach vorne. Wassermangel kenne der Kanton nicht, und die neu aufkommenden Schädlingen zwingen zu Innovation.

So sei der Anteil der pilzresistenten Sorten mit 25 Prozent so hoch wie nirgends in der Schweiz. Auch der 12-Prozent-Anteil von Bioweinen sucht landesweit seinesgleichen. Mit fast 50 Sorten gebe es eine "einzigartige Weinvielfalt". Die Luzerner Produzenten seien frecher geworden und würden beim Keltern mehr riskieren. Resultat seien Weine mit Charakter, die sich von der Masse abheben.

Herzensangelegenheit

Die meisten Weinbauern seien Landwirte, die teilweise auch Direktzahlung erhielten. Felder betonte aber, dass man den Weinbau explizit nicht als Einkommensalternative anpreise, um etwa sinkenden Milch- oder Schweinefleischpreisen zu entkommen. "Es muss eine Herzensangelegenheit sein", sagte Felder. Die Winzer müssten in Produktion, Verarbeitung, Marketing und Verkauf kompetent sein.

Anders als etwa in Bern, Aargau oder Basel-Land werde man mit dem Preis nicht einen Staatswein auswählen. Prämiert wird in den sechs Kategorien Schaumwein, Weisswein sortenrein, Weisswein Cuvée, Süsswein, Rotwein, Rotwein Barrique. Preisgeld gibt es keines zu gewinnen, die Auszeichnung sei als Marketing-Instrument zu verstehen.

In gewissen Kategorien bestehe die Gefahr von Einseitigkeit, sagte Regierungsrat Küng. Wenn immer der gleiche Wein gewinnen sollte, könne man die Kategorisierung auch überdenken.

Mitmachen können Erwerbswinzer, die mindestens 1000 Flaschen herstellen. Die Teilnahme ist kostenlos. In der neunköpfigen Jury sitzt auch der Regierungspräsident. Geleitet wird die Degustation vom Master of Wine Ivan Barbic. Im November wird der Luzerner Wein des Jahres 2017 bekanntgeben.