Logistik

Der Kampf um Panalpina geht erst los – doch der Einfluss der Aktionäre ist beschränkt

Die «Spirit of Panalpina» ist das Herzstück des Luftfrachtbereichs des Basler Unternehmens.

Die «Spirit of Panalpina» ist das Herzstück des Luftfrachtbereichs des Basler Unternehmens.

Lange hielten wichtige Aktionäre still, damit ist nun vorbei. Der Einfluss der grossen Aktionäre auf die Gesellschaft ist aber begrenzt. Und: Konsequent verhalten sie sich nicht.

Der Frust der Panalpina-Aktionäre ist gross. Seit Jahren mit dabei, reicht es ihnen nun. Letzte Woche forderten sie den Rückzug von Verwaltungsrats-Präsident Peter Ulber und Vize-Präsident und FDP-Nationalrat Beat Walti. «Wir haben schon an der letzten GV gegen Ulber gestimmt», sagte Lars Förberg in einem Interview mit der «Bilanz». Die Message ist klar: nur ohne das Duo Ulber und Walti geht es mit dem Basler Logistikunternehmen aufwärts. Der Einfluss der grossen Aktionäre auf die Gesellschaft ist aber begrenzt. Und: Konsequent verhalten sie sich nicht.

Der beschränkte Einfluss der Aktionäre hat vor allem mit einer Vinkulierung der Aktien zu tun. Diese verhindert, dass Anteilseigner zu mehr als 5 Prozent des Stimmrechts kommen. Die beiden Grossaktionäre Cevian und Artisan vereinen heute zwar über 20 Prozent der Aktien unter sich. Beide hatten gegen die Wiederwahl von Ulber gestimmt. Aber halt nur mit 10 Prozent der Stimmrechtsanteile.

Das reichte bei weiten nicht, um Ulber in Bedrängnis zu bringen. Auch wenn Panalpina weiter nicht gut performt. Ein Grossteil der Stimmrechte liegt bei der Ernst Göhner Stiftung mit Sitz in Zug. Ohne deren Unterstützung ist es unmöglich, irgendetwas zu ändern. Die Stiftung lässt sich von Ulber und Walti bei Panalpina vertreten, beide sitzen auch im Stiftungsrat. Förberg sagte, er habe viel Geduld gehabt mit dem Verwaltungsrat. Nun setze man aber Druck auf. Der plötzliche Meinungsumschwung wird trotz der beschränkten Einflussnahme im Verwaltungsrat und an der GV gehörig Druck auf Ulber und Walti ausüben.

Kritisieren, aber profitieren

Das Aufbegehren von Cevian und Artisan hört aber offenbar beim eigenen Portemonnaie auf. Zwar wettert Förberg gegen die Dividendenpolitik von Panalpina. Diese seien ja nicht mal durch die Gewinne gedeckt, sagte er der «Bilanz». Gegen die Ausschüttung stimmten die beiden Aktionäre aber nicht. Tatsächlich ist die Dividendenpolitik von Panalpina sehr grosszügig. Davon profitiert selbstredend vor allem der Hauptaktionär, die Ernst Göhner Stiftung. Doch auch Artisan und Cevian liessen es sich gut gehen. Für ihren Anteil von 12,3 Prozent erhielt Cevian 2017 fast 11 Millionen Franken an Dividende. Bei Artisan, im letzten Jahr mit einem wechselnden, aber rund um 10 Prozent liegenden Aktienanteil liegen die Gesamtbezüge über die Dividende bei fast 9 Millionen Franken.

Beide, Artisan und Cevian, sind seit Jahren Aktionäre von Panalpina. Und seit Jahren läuft es beim Basler Unternehmen nicht mehr rund. Der Geschäftsgang ist schlechter als bei der Konkurrenz. Der Umsatz sank zwischen 2014 und 2017 im Schnitt um jährlich 3,4 Prozent. Auch die Anzahl der Mitarbeiter sank seit 2013 kontinuierlich von 16 000 zu 14 350 Vollzeitstellen. Der kriechende Geschäftsgang zeigt sich derweil im Aktienkurs, der seit 2014 um 22 Prozent sank.

Analysten bringen immer wieder potenzielle Käufer für Panalpina ins Spiel. Dies, weil sich die Logistikbranche in einer Konsolidierungsphase befindet. Die Danske Bank etwa spricht davon, dass der dänische Konkurrent DSV ein möglicher Partner für Panalpina sei. Mit einer Wertschöpfung von 700 Millionen bis zu 1 Milliarde Franken sei mit einem Kauf von Panalpina durch die DSV zu rechnen. Hinzu komme eine Prämie von 30 Prozent auf die Panalpina-Aktien.

Der Druck wird aufrechterhalten

Für Aktionäre wie Cevian, Artisan und nicht zuletzt auch für die Ernst Göhner Stiftung ein lukratives Szenario. Laut dem Analystenbericht müsse der Ernst Göhner Stiftung schmackhaft gemacht werden, dass sie durch einen Verkauf der Firma zwar ein kleinerer, aber ein Teil eines wachsenden Kuchens sein würde. Das sei besser, als ein grosser Teil eines nicht wachsenden Kuchens zu sein. Laut der «Bilanz» haben die Dänen auch mehrfach in Basel angeklopft. Ohne Erfolg. Denn Panalpina stellt sich gegen einen Verkauf der Firma. Ähnliche Ansinnen, etwa den Schweizer Konkurrenten Kühne+Nagel mit Panalpina zusammenzubringen, wurden ebenfalls nicht weiterverfolgt.

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» meldete sich auch der angeschossene Ulber zu Wort. Er sieht sein Unternehmen auf dem richtigen Weg. Nun müsse man aber liefern. Cevian und Artisan dürften sich von den Worten von Ulber nicht beeindrucken lassen. Sie haben sich bereits viel Zeit gelassen, bis sie den Angriff auf Ulber wagten. Abbringen dürften sie sich aber nicht von ihrem Ansinnen. Beobachter sprechen davon, dass in Zukunft noch mehr Druck auf Ulber und Walti ausgeübt werden wird.

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