Thomas Röthlin

«Teppiche sind wohnlich, warm und dekorativ - die halbe Einrichtung», sagt Kurt Zehnder so unaufgeregt, als sei es eine Selbstverständlichkeit, einen Einrichtungsgegenstand im Wert eines Mittelklasseautos zu verkaufen. Auf seinem Namensschild steht «Orientteppichspezialist». Die handgeknüpften Unikate in seinem Reich - Pfister Suhr, zweites Obergeschoss, westlicher Flügel - kosten 30 000 Franken oder mehr.

Seine Eltern hätten sich wohl kaum eine solche Preziose leisten können. Als Kurt Zehnder in Suhr 1964 aus der Real kam, musste er Geld verdienen gehen. «Die Eltern hatten schliesslich ein Haus», erzählt Zehnder. An einem Mittwoch habe er sich beim Möbel Pfister vorgestellt, am Donnerstag angefangen, im Lager. «Sie haben damals viele Leute gesucht», erinnert er sich.

Nach ein paar Jahren wechselte Zehnder in den Verkauf, wo er auch Möbel montierte: «Günstige zum Mitnehmen, in der Abteilung Home Discount mit dem Slogan ‹Packs ii, packs us, stells uf, hebs schön›». Auch in Entfelden, im Pfister-Sparmärt, verkaufte Zehnder in den 80er-Jahren preiswerte Ausstellungsstücke.

Fair gehandelte Orientteppiche

Später, im Teppichlager, lernte er das andere Ende der Preisskala kennen. Vor neun Jahren schliesslich übernahm er seinen jetzigen Posten im «OT-Verkauf», wie er sagt. 2004 schaute er sich die Produktion von Orientteppichen (OT) in Nepal an. Das kommt ihm heute zugute, denn er werde von den Kunden viel auf die Arbeitsbedingungen im Herkunftsland angesprochen. Dann kann Kurt Zehnder entgegnen, die Pfister-Teppiche trügen das Fair-Trade-Label Step, das sich zum Beispiel gegen missbräuchliche Kinderarbeit einsetzt.

Heute ist Zehnder «stolz, dass ich so lange bei Pfister arbeiten konnte». Er erinnert sich gern an die vergangenen Jahrzehnte zurück, ohne allerdings nostalgisch zu werden. Früher sei nicht alles besser gewesen, sondern «einfach anders». Zum Beispiel die Kundenbetreuung. Es gab Zeiten, da empfing der Direktor persönlich. Die Verkäufer standen Schlange, «bis wir vom Chef gerufen wurden». Oder die Sache mit der Aussteuer: «Früher gabs den Vorzahlungsvertrag (VZV), dann das Einrichtungskonto ERK», erzählt Zehnder. Die heiratswilligen Kunden sparten statt auf der Bank direkt bei Pfister, inklusive Zins.

Am 1. Mai sei einmal Bombenalarm geschlagen worden. «Die Mitarbeiter mussten alles absuchen», erinnert sich Zehnder. Ihm als Feuerwehrmann sei das egal gewesen.

Persönliches Glück gefunden

Kurt Zehnder hat bei seinem langjährigen Arbeitgeber auch sein persönliches Glück gefunden: seine Frau, die er damals in der Lagerbuchhaltung kennen lernte. Auch sie war Pfister ein Vierteljahrhundert treu. Zusammen vereinen Zehnders nun also genauso viele Jahre beim Einrichtungshaus, wie dieses in Suhr heute niedergelassen ist.