Das Fazit der Umfrage des Verbands der Schweizer Metall-, Elektro- und Maschinen-Industrie (Swissmem) im Januar und Februar ist trostlos. 23 Prozent der befragten Mitgliederfirmen schreiben operative rote Zahlen, und bei 34 Prozent ist die Gewinnspanne «unbefriedigend». Nur 43 Prozent der Firmen arbeiten mit industrieüblichen oder sogar mit sehr guten Margen. Im Vergleich zum ersten Frankenschock, der die Nationalbank im September 2011 zur Einführung des Euro-Mindestkurses bewogen hatte, ist die Lage deutlich schlechter geworden. 2014, im Jahr vor der Aufhebung des Mindestkursregimes, operierten nämlich noch 70 Prozent der befragten Gesellschaften mit üblichen oder sehr guten Margen. Nur sieben Prozent waren defizitär.

Jenseits der misslichen Geschäftslage kämpfen die Unternehmen auch mit schwierigen Finanzierungsbedingungen. Verbandspräsident Hans Hess sagte am Rande der Medienkonferenz in Zürich unverblümt, die Finanzierung der industriellen KMU durch das Bankensystem funktioniere nur schlecht und die Branche sei deshalb gezwungen, via Verband komplizierte Methoden der Selbsthilfe anzuwenden. Die Forderung nach einem breit abgestützten KMU-Fonds mit Unterstützung der Nationalbank, wie sie der Industrie-KMU-Verband Swissmechanic im Januar aufgestellt hat, ist für Hess aber «allzu interventionistisch», als dass sie von Swissmem unbesehen unterstützt werden könne.

Finanzierung wird zum Problem

Viele Industriefirmen sind in einem Teufelskreis zwischen ungenügendem Geschäftsgang und einem unzureichenden Zugang zu neuen Finanzierungshilfen gefangen. Sie sind deshalb nicht in der Lage, dringend nötige Investitionen in die Automatisierung vornehmen zu können. Der Investitionsrückstau macht diese Firmen für potenzielle Kreditgeber noch unattraktiver und beschleunigt die abwärts gerichtete Spiralbewegung.

Offen ist Swissmem für den Swissmechanic-Vorschlag, nicht börsenkotierte KMU-Firmen auch für Pensionskassen investierbar zu machen. «Es wäre schön, wenn auch die Pensionskassen etwas für den Industriestandort unternehmen könnten», sagte Hess. Inwieweit dieser Wunsch am Ende in den politischen Prozess eingeht und ob er dort von Swissmem auch mit der nötigen Vehemenz vertreten wird, bleibt abzuwarten.

Als Reaktion auf die dramatische Verschlechterung der Profitabilität haben gemäss der Swissmem-Umfrage 20 Prozent der Firmen Teile oder gar die gesamte Produktion ins Ausland verlagert. 23 Prozent haben die Investitionen reduziert und ein Drittel der Unternehmen hat Stellen abgebaut. Allein in den vergangenen 24 Monaten hat sich die Zahl der Beschäftigten in der Schweizer Mem-Industrie um 12 600 auf nur mehr 317 600 verringert. Vor zehn Jahren, also bevor die internationale Finanz- und Schuldenkrise den Franken in ungeahnte Höhen treiben sollte, zählte die Branche noch über 350 000 Beschäftigte.

Die erstmalige Befragung der Swissmem-Firmen zur Ertragslage zeigt, dass die Mindestkurspolitik der Nationalbank den Unternehmen stark geholfen hat, den ersten Frankenschock zu überwinden. Ferner zeigt die Umfrage, dass der Frankenschock für die Mem-Industrie noch lange nicht überwunden ist. Das ist keine gute Nachricht für die Schweiz, denn die Mem-Industrie erwirtschaftet 80 Prozent ihrer Wertschöpfung (63 Milliarden Franken) im Export und ist deshalb besonders wichtig für den Wohlstand und die Beschäftigung im Land.

Harte Konkurrenz

Verglichen mit der härtesten Konkurrenz aus Deutschland haben insbesondere die Schweizer Maschinenbauer in den vergangenen fünf Jahren massiv an Boden verloren. Während die Umsätze auf beiden Seiten des Rheins bis Anfang 2011 noch parallel verlaufen waren, stiegen sie in der deutschen Maschinenindustrie seither (in Euro) um rund 35 Prozent an, während sie hierzulande (in Franken) um 25 Prozent zurückgingen. Schweizer Maschinenbauer haben mit anderen Worten als Folge der überbewerteten Heimwährung Aufträge verloren oder diese zu massiv günstigeren Preisen hereingenommen. Während sich die Exporte der gesamten Mem-Industrie 2016 immerhin auf dem Vorjahresniveau stabilisiert haben, waren sie in der Maschinenindustrie weiter rückläufig (–0,8 Prozent). Das ist gemäss Verbandsdirektor Peter Dietrich vor allem deshalb besonders bedenklich, weil die Maschinenindustrie volumenmässig ein Drittel der Mem-Industrie ausmacht.