Die Schweiz ist ein teures Pflaster. In den letzten zehn Jahren sind die Preise für Wohneigentum um durchschnittlich die Hälfte gestiegen. Viele Haushalte können sich – trotz Tiefzinsen – den Traum vom Eigenheim nicht mehr leisten. Das zentrale Problem ist die Tragbarkeit. So braucht es in gut jeder fünften Gemeinde ein Einkommen von über 100000 Franken, um eine gewöhnliche 4½-Zimmer-Eigentumswohnung zu finanzieren.

Die Folge: Schweizer schauen sich vermehrt ennet der Grenze nach tragbaren Objekten um. «Wir stellen eine Zunahme beim Grundstücks- und Immobilienerwerb durch Schweizer fest», sagt Martin Albers, Oberbürgermeister der Kreisstadt Waldshut-Tiengen. Albers stützt sich dabei auf die Zahl der Grundbucheinträge. Bei deren notarieller Beglaubigung wird nämlich auch die Staatsbürgerschaft der Käufer vermerkt. Ansonsten ist die Nationalität beim Immobilienerwerb in Deutschland eine statistische Blackbox: Sowohl das Landesamt Baden-Württemberg als auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden verfügen über keine Zahlen zu Liegenschaftskäufen durch Schweizer Bürger.

Spürbarer Anstieg der Nachfrage

Derweil reiben sich in Südbaden die Immobilienmakler die Hände: «Fünf der letzten sechs Liegenschaften habe ich an Schweizer verkauft», sagt Thomas Nägele von Re/Max. Nägele ist spezialisiert auf die Beratung von Kunden aus der Schweiz und verzeichnet seit ein, zwei Jahren einen deutlichen Zuwachs: «Nebst Rentnern, die in Grenznähe ihren Lebensabend in einer Zweitwohnung verbringen wollen, sind vermehrt auch Mittelstandsfamilien unter den Kaufinteressenten.»

Denn aufgrund der anhaltenden Euroschwäche sind die Konditionen derzeit besonders attraktiv: Eine 120-m²-Wohnung neueren Datums kostet je nach Ort und Lage umgerechnet zwischen 230000 und 360000 Franken. Wer zu diesen Preisen in der Schweiz Wohneigentum sucht, muss die Ballungszentren grossräumig meiden und mit älteren Liegenschaften auf dem Land vorlieb-
nehmen. Zudem kennt Deutschland keinen Eigenmietwert: Das eigene Haus oder die eigene Wohnung ist also von der Einkommensteuer befreit.

Auch Renditeobjekte sind gefragt

Auch bei Georg Werne klopfen vermehrt Schweizer Kaufinteressenten an: «Nach langem Dornröschenschlaf ist die Nachfrage im letzten Vierteljahr spürbar angestiegen», sagt der Vorstand der gleichnamigen Immobilienfirma aus Waldshut-Tiengen. Während Re/Max vor allem Wohnobjekte zum Eigengebrauch offeriert, setzt die Werne-Gruppe vor allem auf Renditeliegenschaften: «70 Prozent unserer Schweizer Interessenten suchen Immobilien als Anlagemöglichkeit», sagt Werne, der schon mehrere Dutzend Liegenschaften vermittelt hat. Viele würden einen Teil ihrer Pensionskassengelder dafür einsetzen. Werne rechnet vor, dass gebrauchte Liegenschaften in gutem Zustand eine Rendite von bis zu sechs Prozent abwerfen. So weit die Optik der Anleger.

Indes macht Stephan Kippes vom Immobilienverband Region Süd zumindest im «Bodenseeraum» bereits einen Nachfrageüberhang aus: Der Markt sei angespannt, die Preise im Steigen begriffen. «Da spielt sicher der positive Wirtschaftsverlauf mit rein», sagt Kippes. Die geringe Bautätigkeit der letzten Jahre sei ein weiterer Faktor. Doch: «Auch die gestiegene Nachfrage von Schweizern treibt die Preise.» Bei solchen Investitionsentscheiden komme sicherlich der günstige Euro zum Tragen, sagt Kippes. Aber noch wichtiger sei: «Angesichts der Verwerfungen an den Finanzmärkten setzen die Leute wieder vermehrt auf Realwerte wie Immobilien.» Sicherheit, auf die man baut.