Cyberattacke
Der Hackerangriff auf SolarWinds: Die USA ist beunruhigt, Russland dementiert

Der Hackerangriff auf das IT-Unternehmen SolarWinds beunruhigt die USA. Russland wird verdächtigt und dementiert.

Renzo Ruf aus Washington
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Die Liste der Opfer des Hackerangriffs wird immer länger. (Symbolbild)

Die Liste der Opfer des Hackerangriffs wird immer länger. (Symbolbild)

Foto: shs

Die Liste der Opfer wird immer länger. Der IT-Konzern Cisco Systems, der Chip-Hersteller Intel, das Software-Unternehmen VMware und die Prüfgesellschaft Deloitte sollen die Orion-­Plattform des US-Unternehmens SolarWinds installiert haben, die mit Malware infiziert ist. Dies berichtete am Montag das Wirtschaftsblatt «The Wall Street Journal». Die Zeitung hat bisher zwei Dutzend Unternehmen und Organisationen identifiziert, auf deren Computersysteme sich die Hacker mit Hilfe der Malware Zugriff verschafft hätten. Die «Schweiz am Wochenende» berichtete am Samstag von rund 30 potenziell betroffenen Schweizer Firmen.

Die US-Unternehmen sagten dem «Wall Street Journal» in ­ersten Stellungnahmen, es lägen bisher keine Beweise dafür vor, dass sich Hacker Zugriff auf ihre IT-Infrastruktur verschafft hätten. So gab ein Deloitte-­Sprecher bekannt, der Wirtschaftsberater habe keinen «unbefugten ­Zutritt» auf das fir­meneigene Computersystem festgestellt. Ähnlich haben auch die Schweizer Firmen argumentiert.

Keine Angaben über die Beute der Angreifer

Diese Aussage ist charakteristisch für diese Hacker-Attacke. Obwohl das Ausmass ­beispiellos ist, und auch sechs amerikanische Ministerien erfolgreich infiltriert wurden, gibt es bis jetzt keine Angaben über die Beute der Cyberangreifer. Das ist höchst ungewöhnlich. Als chinesische Hacker in den Jahren 2013 bis 2015 Zugriff auf die IT-Infrastruktur der Bundesbehörde Office of Personnel Management (OPM) hatten, sickerte schnell durch, dass sich die Täter primär für Personaldossiers und Fingerabdrücke interessiert hätten. Diese Operation war wohl auch ein Vergeltungsschlag der Chinesen gegen eine Attacke der amerikanischen NSA (National Security Agency), die sich ab 2007 Zugriff auf die Computer des Technologieherstellers Huawei verschaffte.

Nur Donald Trump sieht den Angreifer in China

Hinter der aktuellen Hacker-Attacke steckt wohl Moskau. Jedenfalls sagte Aussenminister Mike Pompeo in einem Interview: «Wir können ziemlich klar sagen, dass es die Russen waren», die hinter dem Hackerangriff steckten. Ähnlich äusserten sich hochrangige Parlamentarier, die Zugriff auf strenggeheime Informationen besitzen.

Der Kreml allerdings dementierte umgehend. Und auch der amerikanische Präsident Donald Trump scheint von der These seiner eigenen Regierung wenig zu halten. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Trump, die mediale Berichterstattung über den Angriff auf SolarWinds sei wie so häufig verzerrt. Auch sei es falsch, immer gleich Russland zu verdächtigen. Möglicherweise stecke China hinter der Attacke, doch «aus überwiegend finanziellen Gründen» werde diese Variante nicht diskutiert.

Diese dissonanten Töne sind aus zwei Gründen erstaunlich. Erstens liegen Pompeo und Trump gemeinhin auf der gleichen Wellenlänge. Pompeo unterstützt den Kurs des Präsidenten, Peking für fast sämtliche weltpolitischen Übel verantwortlich zu machen, und er spricht häufig von einer drohenden Unterwanderung Amerikas durch willige Gehilfen der chinesischen Kommunisten in der Wirtschaft und im Politbetrieb. Und zweitens hat es Trump bisher vermieden, sich grundsätzlich über den Hackerangriff zu äussern, den seine Regierung angeblich «unter Kontrolle» habe.

Dabei handelt es sich wohl um Wunschdenken. So verschafften sich die Hacker in der Computerinfrastruktur des Handelsministeriums Zugriff auf Telekommunikationsdaten.

Ein Hack auf das Arsenal der US-Nuklearwaffen

Im Energieministerium war die National Nuclear Security Administration das Ziel des Angriffs. Diese Abteilung der Bundesregierung verwaltet die Nuklearwaffen des amerikanischen Militärs. Dies klingt äusserst beunruhigend. Und tatsächlich bezeichnen Sicherheitsexperten die Attacke als beispiellos. So verglich Mitt Romney, der ehemalige Präsidentschaftskandidat und heutige Senator, die Attacke mit einer «Invasion» in einem Krieg. Unklar ist, wie viel Land die feindlichen Truppen bereits erobert haben.

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