Michael Rechsteiner

Der GE-Chef Schweiz sagt: «Nähe zu Hochschulen, Kurzarbeit - das kannte man in den USA überhaupt nicht»

Michael Rechsteiner: «Die Zahl 1300 kam nie von GE.»

Michael Rechsteiner: «Die Zahl 1300 kam nie von GE.»

Michael Rechsteiner, Verantwortlicher für General Electric in der Schweiz, erklärt den massiven Job-Abbau. «Die Zahl 1300 kam nie von GE», sagt er.

Herr Rechsteiner, General Electric baut 1400 Jobs in der Schweiz ab. Wie kommt eine solche Zahl zustande?

Michael Rechsteiner: Wir schauen an, wie sich die Märkte entwickeln für bestimmte Produkte und Services. Erst dann schauen wir für jedes Land, was wir wo haben und was wir brauchen. Dass wir die Standorte Birr und Oberentfelden sichern konnten, hat übrigens viel mit der Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Bund und Kantonen zu tun.

Diese Standorte waren auf der Kippe?

Ja, auch diese Standorte wurden in einem globalen Zusammenhang diskutiert. Bund und Kantone haben dann aber die Wettbewerbsvorteile der Schweiz herausgestrichen. Etwa die Nähe zu den Hochschulen. Auch die Möglichkeit, mit Kurzarbeit notfalls Schwankungen in der Nachfrage ausgleichen zu können. Das kannte man in den USA überhaupt nicht.

Hat Bundesrat Schneider-Ammann dem GE-Sparten-Chef Russell Stokes also Nachhilfeunterricht über die Schweiz erteilt?

Das würde ich nicht sagen. Wir haben in der Arbeitsgruppe, die Vorteile des Werkplatzes Schweiz diskutiert. Dabei hat auch der Präsident des Arbeitgeberverbandes, Valentin Vogt, mitgeholfen. Gemeinsam konnten wir die Geschäftsleitung von GE Power überzeugen.

Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann sagte, letzten Endes könne die Politik keine Arbeitsplätze retten.

Die Entscheidung bleibt letzten Endes beim Unternehmen, das ist klar. Aber die Politik kann die günstigen Bedingungen in der Schweiz aufzeigen. So kann sie mithelfen, Arbeitsplätze in der Schweiz zu sichern. Und das haben Bund und Kantone in diesem Fall getan.

Zuerst sickert durch, es würden 1300 Arbeitsplätze in der Schweiz abgebaut. Dann griffen Bund und Kantone ein – und nun sind es 1400 Stellen.

Die Zahl 1300 kam nie von GE. Wie viele Arbeitsplätze am Ende betroffen sein könnten, hat sich über die Zeit laufend entwickelt. Eben auch durch solche Gespräche mit Bund und Kanton. Über die endgültige Zahl wird im Rahmen des Konsultationsverfahrens mit unseren Sozialpartnern noch diskutiert.

In Frankreich werden gar keine Arbeitsplätze abgebaut. Was hat die französische Politik besser gemacht als die schweizerische?

Wir kommentieren nicht, wie sich der Stellenabbau in Europa auf die einzelnen Länder aufteilt. Bei der Übernahme von Alstom Energie hat GE damals den Erhalt von Arbeitsplätzen in Frankreich zugesagt. Das war ein fester Bestandteil des Vertrages, der eingehalten wird.

War es Ihrer Ansicht nach ein Fehler, dass GE im Jahr 2015 das Energiegeschäft von Alstom gekauft hat?

Niemand konnte wissen, dass der Markt sich so dramatisch entwickelt. Aber ein Fehler war es nicht. Ein Drittel der weltweit installierten Kraftwerksflotte wurde von GE geliefert. Das ist eine fantastische Basis für das Service-Geschäft.

Was bleibt von GE nach dem Abbau von 1400 Arbeitsplätzen eigentlich noch in der Schweiz übrig?

Der Platz Schweiz wird für GE Power wichtig bleiben. Die beiden Hauptsitze für neue Dampfkraftwerke und das globale Servicegeschäft für Kraftwerke bleiben in Baden. Das beinhaltet die Projektleitung für Gas- und Kombikraftwerke sowie die Entwicklung neuer Dampfturbinen und neuer Produkte im Servicebereich.

Die Gewerkschaften loben, in der letzten Abbaurunde habe GE die Angestellten vergleichsweise gut unterstützt.

Unser Sozialplan und die Betreuung unserer Mitarbeiter waren erfolgreich: 90 Prozent der betroffenen Angestellten hatten bereits wieder eine neue Arbeit, als sie uns verlassen mussten. Ich bin überzeugt: Wir werden auch bei diesem Stellenabbau wieder auf diese 90 Prozent kommen.

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