Franz Jaeger ist wieder einmal in den Ring gestiegen. Der 76 Jahre alte St. Galler Wirtschaftsprofessor attackiert in einer Studie die aktuelle Politik der Schweizerischen Nationalbank. Die SNB solle sich ein strategisches Wechselkursziel geben von mindestens Fr. 1.18 bis Fr. 1.20  zum Euro.

Ein erneuter Frankenschock ist für Jaeger nicht ausgeschlossen. Auch die jüngste Abschwächung des Frankens ändert an dieser Einschätzung nichts. «Wir haben weiterhin ein Problem mit dem Franken, und die Chance ist gross, dass er erneut zu einem werden könnte», sagt Franz Jaeger.

Jaegers Studie wurde in Auftrag gegeben vom Arbeitgeberverband der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche, Swissmechanic, sowie von der Gewerkschaft Unia. Es wird detailliert nachgezeichnet, welchen Schaden die Frankenüberbewertung seit dem Jahr 2010 am Industriestandort Schweiz hinterlassen hat.

Vergleich mit Deutschland

Rund 97'000 Arbeitsplätze hätte die Schweizer Industrie beispielsweise schaffen können seit 2010, wenn sie nicht mit der Frankenüberbewertung zu kämpfen gehabt hätte. Das hat Jaeger anhand eines Vergleiches mit der deutschen Industrie berechnet. Diese erlebt seit 2010 ein eigentliches «Beschäftigungswunder». In der Schweizer Industrie stagnierte die Beschäftigung hingegen.

Die Schweiz hat noch immer einen Wettbewerbsvorteil in Branchen wie Chemie und Pharma, Uhren und Herstellung von Präzisionsinstrumenten. In der Metallverarbeitung und im Maschinenbau jedoch hat die Wettbewerbsfähigkeit stark abgenommen. Durch die Frankenüberbewertung seien «die Margen und die Innovationspotenziale eingebrochen». Die vorhandenen Vorteile seien nicht weiterentwickelt worden. «Sie konnten nicht einmal mehr gehalten werden.»

Diese Verluste an Wettbewerbsfähigkeit lassen sich auch mit den Lohnstückkosten erklären. In Franken haben sich diese zwar moderat entwickelt. Die Lohnkosten für jedes hergestellte Stück stiegen in der Schweiz langsamer als im europäischen Durchschnitt. Umgerechnet in Euro jedoch wurde die Schweiz zum negativen Sonderfall in Europa. Durch die Frankenaufwertung stiegen die Lohnstückkosten seit dem Jahr 2000 um 55 Prozent – mehr als in jedem anderen europäischen Land.

Zu wenig zum Überleben

Die Maschinen-, Elektro- und Metallbranche hat der Frankenschock dabei mit voller Wucht erfasst. Knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen mussten Stellen abbauen. Aktuell, so Franz Jaeger, liege bei fast der Hälfte die Gewinnmarge bei weniger als 5 Prozent. «Längerfristig ist das nicht verkraftbar.»

Aus der Studie lässt sich herauslesen, dass die Maschinen-, Elektro- und Metallbranche aus dem Frankenschock vor allem eine Lektion gelernt hat: Ihre eigenen Massnahmen reichen nicht, wenn die Schweiz durchgerüttelt wird von geopolitischen Schocks wie der Krise der Eurozone. «Die Mehrheit wünscht sich Unterstützungsmassnahmen im Bereich des Euro-Franken-Wechselkurses», so Franz Jaeger in seiner Studie. Konkret fordert die Branche einen Frankenkurs von mindestens 1.15 Euro.