Büro in Kuala Lumpur

Der Flughafen Zürich expandiert nach Asien – und hofft auf Millionengewinne

Grosse Pläne: Weil es für die Flughafen Zürich AG im Heimmarkt schwierig ist zu wachsen, will sie vermehrt in ausländische Projekte investieren.

Grosse Pläne: Weil es für die Flughafen Zürich AG im Heimmarkt schwierig ist zu wachsen, will sie vermehrt in ausländische Projekte investieren.

Kloten ist nicht genug: Die Flughafen Zürich AG will im Ausland kräftig dazu verdienen. Dafür haben die Zürcher in Malaysia eine neue Firma gegründet. Und ein konkretes Projekt haben sie bereits im Auge. Das gefällt nicht allen.

Der Flughafen Zürich will mit Investments an ausländischen Flughäfen mehr verdienen. Schon heute sind die Zürcher an sechs Flughäfen in vier lateinamerikanischen Ländern finanziell beteiligt. Und seit Anfang August unterhält die Flughafenbetreiberin ein Büro in Kuala Lumpur, Malaysia, um Ausschau nach potenziellen Projekten in Asien zu halten, wie Finanzchef Lukas Brosi im Gespräch bestätigt.

Man stehe nicht unter Zeitdruck und suche in erster Linie Projekte in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, sagt Brosi. „Nebst einer finanziellen Minderheitsbeteiligung in zwei bis dreistelliger Millionenhöhe möchten wir vor allem unser Know-how einbringen für den Betrieb oder die kommerzielle Entwicklung der Flughäfen.“

Die Abenteuerlust für asiatische Beteiligungen gründet nicht zuletzt auf den guten Erfahrungen in Indien, wo die Zürcher 2008 in den Flughafen Bangalore investierten. Vor kurzem wurden die letzten Anteilsscheine verkauft. Am Schluss hat das Engagement rund 100 Millionen Franken in die Kassen gespült.

Neue Tochterfirma gegründet

Für das Büro in Kuala Lumpur wurde eine Tochterfirma namens „Zurich Airport Asia Consultancy“ gegründet. Geführt wird sie von Daniel Bircher, der zuvor im Namen der Zürcher am Flughafen Belo Horizonte in Brasilien als Leiter des operativen Geschäfts tätig war. Zwei weitere Angestellte sollen in der Malaysischen Hauptstadt noch hinzukommen.

Aktuell prüfe man eine Bewerbung in den Philippinen, sagt Brosi. Der Militärflughafen Clark, ausserhalb der Metropole Manila, soll privatisiert werden und den Hauptflughafen Manila entlasten. „Zudem stehen weitere Ausschreibungen in asiatischen Ländern an, die wir uns anschauen.“ Um welche es sich dabei handelt, verrät Brosi nicht.

Auch in Lateinamerika, wo der Zürcher Flughafen nebst Brasilien auch in Chile, Curaçao und Kolumbien präsent ist, sieht der Finanzchef Potenzial. In Brasilien sollte noch dieses Jahr eine vierte Privatisierungsrunde für zahlreiche Flughäfen durchgeführt werden. Allerdings haben die Zürcher in Brasilien nicht nur gute Erfahrungen gemacht. 2013 erhielten sie zusammen mit einem brasilianischen Partner den Zuschlag für den Ausbau und des Betriebs in Belo Horizonte. Der Flughafen Zürich verpflichtete sich dabei, ein neues Terminal zu bauen, während die staatliche Behörde Infraero unter anderem versprach, das alte Terminal auf Vordermann zu bringen.

Millionen-Klage in Brasilien

Doch als das Land in eine Wirtschafts- und Staatskrise schlitterte, blieben zahlreiche Investitionen von Infraero aus, die für den Betrieb des Flughafens nötig waren. Die Zürcher sprangen ein und gaben zusätzlich 40 Millionen Franken aus – Geld, das sie bis heute nicht zurückbezahlt erhielten (die "Schweiz am Sonntag" berichtete). Laut Brosi ist eine entsprechende Klage noch immer hängig. Immerhin: Brasiliens Wirtschaft hat sich inzwischen etwas erholt und die Passagierzahlen in Belo Horizonte steigen wieder.

Und auch in Venezuela hatte ein Finanzengagement ein Nachspiel. Der Flughafen Zürich wurde vor einigen Jahren von der Regierung des inzwischen verstorbenen Hugo Chávez enteignet. Die Zürcher reichten Klage ein, die Venezolaner rekurrierten. 2010 landete der Fall am Schiedsgericht in Washington D.C. beim International Centre for Settlement of Investment Disputes, das den Zürchern 2014 Recht gab und eine Entschädigung in der Höhe von 20 Millionen Franken in Aussicht stellte.

Doch Venezuela rekurrierte erneut. Finanzchef Brosi rechnet zwar mit der Auszahlung, die einem Sondergewinn gleichkäme. „Das kann aber noch einige Monate dauern.“ Die Investitionen von unter einer Million Franken sei zudem schon länger abgeschrieben worden.

Kritik von Politikern

Für dieses Jahr rechnet Finanzchef Brosi mit einem Beitrag zum Betriebsergebnis von bis zu 15 Millionen Franken aus dem internationalen Geschäft. Langfristig sei das Ziel, dass die Auslandengagements rund 10 bis 15 Prozent zum Gewinn des Flughafens beitragen.

Ob sich die internationalen Aktivitäten lohnen, ist umstritten. Die Flughafen-Verantwortlichen argumentieren jeweils, dass in Zürich mit dem heutigen Pistensystem das Wachstum praktisch ausgereizt ist. Deshalb müsse man neue Wachstumsfelder erschliessen. Manche Politiker entgegnen hingegen, die Auslandengagements seien ein unnötiges Risiko, nicht zuletzt da der Kanton zu 33 Prozent und die Stadt Zürich zu 5 Prozent an der Flughafen AG beteiligt sind.

Nebst den Auslandflughäfen investieren die Zürcher zusammen mit dem Versicherungskonzern Swiss Life insbesondere in das Immobilienprojekt „The Circle“, das derzeit vor den Toren des Flughafens gebaut wird und mit Verspätung 2020 eröffnet werden soll. Kostenpunkt: Rund 1 Milliarde Franken.

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