Swiss-Pass

Der Faux-pas der SBB hat Geburtstag – und man findet ihn gut

Er sorgte für Ärger: Der SwissPass. (Archiv)

Er sorgte für Ärger: Der SwissPass. (Archiv)

Die «rote» Karte macht seit der Einführung von sich reden. Und nicht im guten Sinne. Dennoch zieht die SBB eine positive Bilanz.

Die Liste der Pannen ist beachtlich: Die Folie löst sich bereits nach weniger als einem Jahr. Versprechen der SBB: Die rote Karte halte fünf Jahre. Zudem können nicht mehrere Abos auf dem Swiss-Pass kombiniert werden. Wer Halbtax und ein Gleis 7 besitzt hat zwei Karten im Portemonnaie. Versprechen der SBB: Diverse Abos sind auf dem Swiss-Pass kombinierbar.

Geplant war ab 2016 die Abos von zusätzlichen Verbunden wie dem ZVV (Zürcher Verkehrsverbund) oder dem Libero auf die Karte laden zu können. Auch das sieht heute anders aus. Voraussichtlich Anfang 2017 werden mit den Westschweizer Tarifverbünden „unireso“ aus dem Kanton Genf und „mobilis“ im Kanton Waadt die ersten Abonnemente der Verbünde auf dem Swiss-Pass erhältlich sein.

Aber es ist mittlerweile möglich Dienste wie Mobility-Angebote, die Hotelcard oder Europcar-Dienste, aber auch Skipässe von mittlerweile 23 Skigebieten auf den Swiss-Pass geladen werden.

SBB zehrt am Geduldsfaden

Die wohl grösste Diskussion, der sich die SBB im vergangenen Jahr stellen musste, drehte sich allerdings um die Informationsspeicherung von Pendlerdaten während 90 Tagen nach der Kontrolle. Es hagelte harsche Kritik vom Eidgenössichen Datenschutzbeauftragten Jean-Philippe Walter. Die SBB indes lenkte ein und gab an die Datenbank per Ende März diesen Jahres zu löschen.

Damit aber nicht genug: Wie nun bekannt wurde, existiert die Datenbank noch. Der öV-Betreiber aber bleibt dabei: es werden keine Pendlerdaten mehr gespeichert, respektive täglich gelöscht. Ende August würden die Lesegeräte der SBB laut Walter so aktualisiert sein, dass keine Daten mehr gespeichert würden. Weshalb aber die Datenbank noch in Betrieb ist, bleibt offen.

Und gerade noch im vergangenen Juni musste die SBB ihren Werbefilm zum Swiss-Pass zurückziehen. Zuschauer und das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Mann und afrau kritisierten das Video, weil es an häusliche Gewalt erinnerte.

Zurück in die Westschweiz. In diesen eleganten Konferenzsaal eines Lausanner Hotels. An der Medienkonferenz heisst es: "Wir sind gut unterwegs." Der Ausbau der Karte gehe schrittweise voran.  Und wie die SBB sich selbstzufrieden und sicher zeigt an diesem sonnigen Tag in Lausanne, ist sie nicht müde mit den jüngsten Erfolgszahlen zu prahlen: Aktuell sind rund 1,9 Millionen Kunden in der Schweiz mit dem Swiss-Pass unterwegs – rund 418'000 Generalabonnemente und rund 1,5 Millionen Halbtax-Abo; pro Woche kommen rund 50'000 Kunden dazu.

Bis Ende des Jahres werde die 2 Millionen Marke erreicht. Zu den Fehltritten heisst es denn auch: Die Kinderkrankheiten wie der zu lange Kontrollvorgang oder die mangelhafte Aktualisierung der Daten seien laut eigenen Angaben behoben. Zudem würden die Auflagen des Datenschutzbeauftragten erfüllt. Die Bilanz von Kunden, mitarbeitenden Unternehmen und den eigenen Angestellten sei positiv.

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